KLIMAANLAGE

Klimaanlage fürs Büro: Kühllast berechnen, Bauart wählen, nachrüsten

Arbeitsplatz in einem hellen Büro mit großen Fensterflächen
Im Büro erzeugen Menschen und Technik einen großen Teil der Kühllast, Foto: Pexels

Eine Klimaanlage Büro-Planung folgt anderen Regeln als die im Wohnzimmer. Der Grund ist einfach: In einem Büro sitzen Menschen, laufen Rechner und brennen Leuchten, und das alles den ganzen Tag genau dann, wenn draußen die Sonne auf die Fassade knallt. Die innere Wärmelast ist deshalb oft größer als die von außen eindringende.

Dieser Ratgeber zeigt, wie Sie die Kühllast eines Büros ehrlich rechnen, welche Bauart zu welchem Raum passt, wie Sie eine Klimaanlage Büro nachrüsten, ohne die Fassade zu zerstören, und was das kostet. Dazu die arbeitsrechtliche Seite: Was die Arbeitsstättenregeln zu Temperatur, Lärm und Zugluft tatsächlich sagen.

Kühllast im Büro: warum sie höher liegt

Der zentrale Unterschied zwischen einem Wohnraum und einem Büro ist die innere Wärmelast. Im Wohnzimmer sitzen abends zwei Menschen, das Notebook ist zu, die Sonne ist weg. Im Büro sitzen tagsüber vier Menschen an vier Rechnern mit zwei Monitoren, unter einer Deckenbeleuchtung, während draußen die Mittagssonne auf die Südfassade brennt. Alles addiert sich.

WärmequelleWärmeabgabeAnmerkung
Person, sitzende Bürotätigkeitca. 100–120 Wsteigt bei Bewegung deutlich
Notebook mit Dockca. 50–90 Wim Dauerbetrieb
Desktop-PCca. 100–250 Wje nach Ausstattung, Workstations mehr
Monitor (24 Zoll)ca. 25–40 Wzwei Monitore pro Platz sind üblich
LED-Beleuchtungca. 8–12 W/m²bei alter Leuchtstoffbeleuchtung das Doppelte
Drucker, Multifunktionsgerätca. 30–500 W (Spitzen)im Standby wenig, beim Drucken viel
Fensterfläche nach Süden, unverschattetca. 200–500 W/m² Glasflächedie größte Einzelposition überhaupt

Die letzte Zeile ist der wichtigste Hebel: Ein einziges unverschattetes Südfenster mit 4 m² Glasfläche bringt an einem klaren Julitag bis zu 2 kW in den Raum, mehr als vier Personen und vier Rechner zusammen. Außenliegender Sonnenschutz ist deshalb keine Alternative zur Klimaanlage, aber er halbiert regelmäßig die nötige Kühlleistung und damit die Investition.

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Kühllast berechnen: Rechenbeispiel für ein Büro

Rechnen wir ein realistisches Büro durch: 40 m², vier Arbeitsplätze, 8 m² Fensterfläche nach Westen mit innenliegender Jalousie, Altbau mit mäßiger Dämmung.

PositionRechnungWärmelast
4 Personen4 × 110 W440 W
4 Rechner mit je 2 Monitoren4 × (90 + 60) W600 W
Beleuchtung40 m² × 10 W/m²400 W
Sonneneintrag durch das Westfenster8 m² × 180 W/m² (innenliegender Schutz)1.440 W
Transmission durch Wände und DeckeBestand, mäßig gedämmtca. 600 W
Summe Kühllastca. 3.480 W, also rund 3,5 kW

Ergebnis: 3,5 kW für 40 m², also 87 W/m². Genau in der Spanne von 80 bis 130 W/m², die für Büros gilt. Beachten Sie die Rolle des Sonnenschutzes: Bei außenliegender Verschattung fiele der Sonneneintrag auf etwa 60 W/m² Glasfläche, also 480 W statt 1.440 W. Die Kühllast sänke damit auf 2,5 kW, und Sie kämen mit einer kleineren Geräteklasse aus.

Wie viel kW für wie viele Quadratmeter?

BürotypFlächeArbeitsplätzeKühlleistung
Kleines Einzelbüro10–14 m²11,5 kW
Einzelbüro15–20 m²1–22,0–2,5 kW
Zweierbüro20–28 m²22,5–3,5 kW
Mehrpersonenbüro30–45 m²3–53,5–5,0 kW
Besprechungsraum25–40 m²8–12 Personen zeitweise4,0–6,0 kW
Kleiner Großraum60–90 m²8–127,0–12,0 kW
Großraumbüro100–150 m²14–2012,0–20,0 kW

Beachten Sie den Besprechungsraum: Er ist flächenmäßig klein, aber zwölf Personen bringen allein 1.320 W Körperwärme mit, dazu ein Beamer mit 300 W. Deshalb liegt seine Kühllast pro Quadratmeter oft höher als die eines Großraums. Gleichzeitig steht er die halbe Woche leer, was für ein Gerät mit weitem Modulationsbereich spricht.

Bauarten: Split, Multisplit, Kassette und mobil

BauartPasst zuLautstärke innenSEERPreis installiert
Single-Split (Wandgerät)Einzelbüro, Zweierbüro19–30 dB(A)6,1–8,51.500–3.000 €
Multisplit3 bis 5 Büros an einer Außeneinheit19–32 dB(A)5,5–7,54.500–9.000 €
DeckenkassetteGroßraum, abgehängte Decke28–40 dB(A)5,5–7,02.500–5.000 € je Kassette
Kanalgerät (verdeckt)Büroetage mit Zwischendecke25–38 dB(A)5,0–6,53.500–8.000 € je Gerät
VRF-Systemganze Bürogebäudeje nach Innengerät6,0–8,0Projektpreis, ab 25.000 €
Mobiles MonoblockgerätNotlösung, einzelner Hitzetag55–65 dB(A)EER 2,2–2,6250–600 €

Für das klassische Einzelbüro ist die Split-Klimaanlage die Standardlösung. Sobald mehrere Büros auf derselben Etage klimatisiert werden sollen, wird die Multisplit-Anlage interessant: eine Außeneinheit, mehrere Innengeräte, jedes Büro separat regelbar. Wie viele Innengeräte an eine Außeneinheit passen und wo die Grenze liegt, lesen Sie unter Klimaanlage mit 3 Innengeräten.

Wandmontiertes Innengerät einer Split-Klimaanlage in einem Büroraum
Das Innengerät gehört über die Tür, nicht direkt über einen Arbeitsplatz, Foto: Pexels

Klimaanlage Büro nachrüsten: Wege im Bestand

Wer eine Klimaanlage Büro nachrüsten will, stößt fast immer auf dieselben drei Hürden: die Fassade, die Zustimmung des Eigentümers und die Kondensatableitung. Für jede gibt es eine Lösung.

Weg 1: Single-Split mit Außeneinheit

Der Regelfall. Eine Kernbohrung von 50 bis 65 mm, die Außeneinheit auf Konsolen an der Fassade oder auf dem Flachdach, das Kondensat in die Regenwasserleitung. Voraussetzung: Der Eigentümer stimmt einer sichtbaren Außeneinheit zu, und die Nachbarschaft verträgt den Schall. Im Gewerbegebiet erlaubt die TA Lärm tagsüber 65 dB(A), im Mischgebiet nur 60 dB(A).

Weg 2: Multisplit für mehrere Büros

Eine Außeneinheit versorgt drei bis fünf Innengeräte. Das reduziert die Zahl der Fassadendurchbrüche und den optischen Eingriff erheblich, verlangt aber eine sorgfältige Leitungsführung durch die Etage. Die Kältemittelleitungen laufen in der abgehängten Decke oder in einem Kabelkanal.

Weg 3: Klimaanlage ohne Außengerät

Wenn die Fassade tabu ist, etwa bei Denkmalschutz oder in einer strengen Eigentümergemeinschaft, bleibt die Klimaanlage ohne Außengerät. Sie kommt mit zwei Kernbohrungen von je 160 mm aus und hängt komplett im Raum. Der Preis dafür: ein SEER von rund 4,0 statt 6,5 und ein Schallpegel von 40 bis 48 dB(A), was in einem konzentrierten Büro spürbar ist.

Weg 4: Quick-Connect-System

Für kleinere Objekte ist ein Quick-Connect-System mit werkseitig befüllten Leitungen eine Option. Der Kältekreis wird nicht geöffnet, die Verschraubung darf in vielen Fällen ohne Kältesachkunde erfolgen. Die Kernbohrung und der Elektroanschluss bleiben Sache eines Fachbetriebs.

ASR A3.5: Was das Arbeitsrecht zur Temperatur sagt

Die Technische Regel für Arbeitsstätten ASR A3.5 legt fest, wie mit Hitze am Arbeitsplatz umzugehen ist. Sie nennt keine Pflicht zur Klimaanlage, aber ein klares Stufenmodell:

RaumtemperaturBewertung nach ASR A3.5Was zu tun ist
bis 26 °Cunbedenklichkeine Maßnahmen nötig
über 26 °CSoll-Wert überschrittenMaßnahmen sollen ergriffen werden
über 30 °CMaßnahmen verpflichtendSonnenschutz, Lüftung, Gleitzeit, Getränke, technische Kühlung
über 35 °CRaum ohne Maßnahmen nicht als Arbeitsraum geeignetwirksame technische Maßnahmen zwingend

Die Regel gibt dem Arbeitgeber ausdrücklich die Wahl der Maßnahme. Außenliegender Sonnenschutz, Nachtauskühlung durch Lüftung, verlagerte Arbeitszeiten und Ventilatoren sind gleichwertige Optionen. Ein Rechtsanspruch der Beschäftigten auf eine Klimaanlage besteht nicht. Wirtschaftlich spricht trotzdem einiges dafür: Studien zur Leistungsfähigkeit zeigen, dass die kognitive Leistung oberhalb von 26 °C messbar nachlässt, und Personalkosten übersteigen die Anlagenkosten um ein Vielfaches.

Lautstärke und Zugluft am Arbeitsplatz

Zwei Beschwerdegründe dominieren nach der Inbetriebnahme, und beide entstehen bei der Planung, nicht beim Gerät.

Schall

Die ASR A3.7 nennt für überwiegend geistige Tätigkeiten einen Beurteilungspegel von maximal 55 dB(A). Dieser Wert umfasst alle Quellen zusammen: Gespräche, Telefonate, Lüftung, Straßenlärm. Das Klimagerät darf deshalb nur einen kleinen Teil davon beisteuern. Ein Wandgerät mit 26 dB(A) im Normalbetrieb ist unproblematisch, eine Deckenkassette mit 38 dB(A) im Volllastbetrieb ist bereits hörbar und sollte im Regelbetrieb auf einer niedrigeren Stufe laufen.

Zugluft

Die Luftgeschwindigkeit am Arbeitsplatz soll 0,15 bis 0,2 m/s nicht überschreiten. Beschwerden über Zugluft entstehen praktisch immer durch eine falsche Montageposition: Das Innengerät bläst direkt auf einen Sitzplatz. Die Regeln dagegen sind einfach:

  • Innengerät über der Tür oder an der Stirnseite montieren, nie über einem Schreibtisch.
  • Die Luft an der Decke entlangführen (Coandă-Effekt), damit sie sich mischt, bevor sie absinkt.
  • Lamellen im Kühlbetrieb waagerecht stellen, nicht nach unten.
  • Bei Deckenkassetten einen Vierwege-Auslass wählen, einzelne Auslässe über Sitzplätzen schließen.
  • Die Solltemperatur nicht unter 24 bis 25 °C setzen. Mehr als 6 Kelvin Differenz zur Außenluft empfinden die meisten Menschen als unangenehm.

Einzelbüro, Mehrpersonenbüro und Großraum

Je mehr Menschen einen Raum teilen, desto schwieriger wird nicht die Technik, sondern der Kompromiss. Im Einzelbüro stellt eine Person ihre Wunschtemperatur ein, fertig. Im Großraum sitzen zwanzig Menschen mit zwanzig Vorstellungen davon, was angenehm ist.

RaumtypEmpfohlene LösungKritischer Punkt
EinzelbüroSingle-Split, 2,0 bis 2,5 kWMontageposition, Zugluft
Zweier- und DreierbüroSingle-Split, 2,5 bis 3,5 kWgemeinsame Solltemperatur
MehrpersonenbüroMultisplit oder ein größeres Wandgerätgleichmäßige Luftverteilung
Großraum bis 90 m²2 bis 3 DeckenkassettenZonierung, unterschiedliche Sonnenseiten
Großraum über 100 m²Kanalgeräte oder VRF mit ZonenregelungPlanung durch einen TGA-Planer

Der praktische Rat für den Großraum: Zonieren Sie nach Himmelsrichtung. Die Südseite hat mittags eine völlig andere Kühllast als die Nordseite. Ein einziges Gerät für den gesamten Raum kühlt die Nordseite zu stark, während die Südseite immer noch warm ist. Zwei getrennt geregelte Zonen lösen das Problem zuverlässiger als jede Leistungssteigerung.

Sonderfall Serverraum und Technikschrank

Ein Serverraum ist kein Büro und braucht keine Büroklimaanlage. Der Unterschied ist grundlegend:

  • Ganzjährige Kühllast: Die Server laufen auch im Januar. Das Gerät braucht ein Winterkit für den Betrieb bis minus 15 °C.
  • Hohe Leistungsdichte: 2 bis 10 kW auf 6 bis 12 m² sind normal, das entspricht 300 bis 800 W/m².
  • Redundanz: Bei kritischer IT werden zwei Geräte im Wechselbetrieb installiert, damit ein Ausfall nicht den Raum abschaltet.
  • Alarmierung: Ein Temperaturfühler mit Meldung ist Pflicht, sonst merkt niemand den Ausfall, bevor die Hardware abschaltet.
  • Keine Entfeuchtung nötig: Im Gegenteil, zu trockene Luft begünstigt statische Aufladung.

Rechnen Sie die Serverlast nie zur Bürokühllast dazu und versuchen Sie nicht, beides mit einem Gerät zu erschlagen. Das führt regelmäßig zu einem Serverraum, der im Winter überhitzt, weil die Bürokühlung dann längst abgeschaltet ist.

Hinweis: Wir nennen bewusst keine Modellnummern und keine Preise. Die passende Klasse ergibt sich aus der Kühllastberechnung mit Personen, Technik und Fensterflächen, nicht aus der Quadratmeterzahl allein.

Kosten, Stromverbrauch und Abschreibung

ObjektLösungInvestitionStromkosten pro Jahr
Einzelbüro 18 m²Single-Split 2,5 kW1.500–3.000 €ca. 120 €
Mehrpersonenbüro 40 m²Single-Split 3,5 kW2.000–3.800 €ca. 170 €
Vier Büros, 90 m² gesamtMultisplit, 4 Innengeräte4.500–9.000 €ca. 380 €
Großraum 120 m²3 Deckenkassetten, 16 kW10.000–18.000 €ca. 900 €
Serverraum 10 m²Split mit Winterkit, 5 kW3.500–6.500 €ca. 1.400 € (Ganzjahresbetrieb)

Gerechnet mit 0,28 €/kWh Gewerbestrom und 600 Betriebsstunden im Sommer, beim Serverraum mit Ganzjahresbetrieb. Steuerlich ist die Anlage eine Betriebsausgabe und wird über die betriebliche Nutzungsdauer abgeschrieben, üblich sind 10 bis 13 Jahre. Bei einem fest mit dem Gebäude verbundenen VRF-System kann die Anlage dagegen als Gebäudebestandteil eingestuft werden, was die Abschreibungsdauer verlängert. Klären Sie das vor der Investition mit Ihrer Steuerberatung.

Ein Punkt, der oft übersehen wird: Der Kühlbedarf fällt exakt dann an, wenn eine Solaranlage am meisten liefert. In einem Bürogebäude mit Photovoltaik auf dem Dach deckt der Eigenverbrauch die Klimatisierung fast vollständig ab, weil beide Kurven im Tagesverlauf zusammenfallen. Das ist die wirtschaftlich beste Kombination überhaupt.

Typische Fehler bei der Büroklimatisierung

1. Nach Quadratmetern statt nach Kühllast ausgelegt

Wer die Wohnraum-Faustformel von 60 W/m² auf ein Büro anwendet, unterdimensioniert um 30 bis 50 Prozent. Die Anlage läuft dann dauerhaft an der Volllastgrenze, wird laut und erreicht die Solltemperatur an Hitzetagen nicht.

2. Innengerät über dem Schreibtisch montiert

Der Installateur wählt die Stelle mit dem kürzesten Weg zur Außenwand, nicht die richtige. Das Ergebnis sind Zugluftbeschwerden und ein Gerät, das aus Rücksicht auf die Beschwerden dauerhaft zu niedrig eingestellt läuft.

3. Sonnenschutz vergessen

Außenliegender Sonnenschutz halbiert den solaren Eintrag gegenüber einer innenliegenden Jalousie. Er ist damit die günstigste Kühlleistung, die man kaufen kann, und reduziert oft die nötige Geräteklasse um eine Stufe.

4. Solltemperatur zu niedrig eingestellt

22 °C bei 34 °C draußen sind ein Temperatursprung von 12 Kelvin. Das empfinden die meisten Menschen beim Betreten als unangenehm, es kostet unnötig Strom und begünstigt Erkältungen. 25 bis 26 °C sind im Sommer der richtige Zielwert.

5. Filter nicht gereinigt

Ein zugesetzter Filter kostet Luftmenge, Kühlleistung und Effizienz und erzeugt den typischen muffigen Geruch. Im Büro mit Papierstaub und Toner setzen sich Filter schneller zu als im Wohnraum. Reinigen Sie sie alle vier Wochen im Sommerbetrieb.

Vorteile und Nachteile

✓ Vorteile

  • Hält die Raumtemperatur unter dem in der ASR A3.5 genannten Soll-Wert von 26 °C
  • Splitgeräte arbeiten mit 19 bis 30 dB(A) und stören den Beurteilungspegel nach ASR A3.7 kaum
  • Heizfunktion in der Übergangszeit, COP 3,5 bis 4,5, günstiger als jede Elektroheizung
  • Der Kühlbedarf fällt zeitgleich mit dem Solarertrag an, ideal für Eigenverbrauch
  • Als Betriebsausgabe abschreibbar, übliche Nutzungsdauer 10 bis 13 Jahre
  • Entfeuchtung verbessert die Behaglichkeit oft mehr als die reine Temperatursenkung

✕ Nachteile

  • Kühllast im Büro liegt 30 bis 50 Prozent über der eines Wohnraums, damit teurer
  • Zugluft ist der häufigste Beschwerdegrund, die Montageposition ist entscheidend
  • In der Mietimmobilie ist die Zustimmung des Eigentümers zur Außeneinheit nötig
  • Mobile Geräte sind mit 55 bis 65 dB(A) für konzentrierte Arbeit ungeeignet
  • Im Großraum lässt sich selten eine Temperatur finden, die alle zufriedenstellt
  • Montage und Kältekreis erfordern zwingend einen Fachbetrieb mit Sachkunde

Fazit

🏆 Empfehlenswert

Klimaanlage Büro: rechnen, nicht schätzen

4.3/ 5

Ein Büro braucht 80 bis 130 W pro Quadratmeter, deutlich mehr als ein Wohnraum. Wer nach der Wohnraum-Faustformel auslegt, kauft ein zu kleines Gerät. Und wer das Innengerät über den Schreibtisch hängt, bekommt Zugluftbeschwerden statt Behaglichkeit.

Der wirksamste Schritt kommt vor der Klimaanlage: außenliegender Sonnenschutz. Er halbiert den solaren Eintrag und damit oft die nötige Geräteklasse. Danach rechnen Sie die Kühllast ehrlich mit Personen, Rechnern, Monitoren und Beleuchtung. Für ein Einzelbüro landen Sie bei 2,0 bis 2,5 kW, für ein Vierpersonenbüro bei 3,5 bis 5,0 kW. Und wählen Sie die Montageposition nach der Luftführung, nicht nach dem kürzesten Weg zur Außenwand.

Weiterführende Links und Quellen

Häufige Fragen

Wie viel kW Kühlleistung braucht eine Klimaanlage fürs Büro?

Rechnen Sie im Büro mit 80 bis 130 W pro Quadratmeter, deutlich mehr als die 60 bis 100 W/m² im Wohnbereich. Ein Einzelbüro mit 15 m² und einem Arbeitsplatz kommt so auf 1,5 bis 2,0 kW. Ein Vierpersonenbüro mit 40 m² liegt bei 3,5 bis 5,0 kW. Grund für den Aufschlag sind Personen, Rechner, Monitore und Beleuchtung.

Ab welcher Temperatur muss der Arbeitgeber im Büro handeln?

Die Arbeitsstättenregel ASR A3.5 nennt 26 °C Raumtemperatur als Wert, der nicht überschritten werden soll. Zwischen 26 und 30 °C sollen Maßnahmen ergriffen werden, über 30 °C müssen sie ergriffen werden, über 35 °C gilt der Raum ohne wirksame Maßnahmen nicht mehr als Arbeitsraum. Ein Rechtsanspruch auf eine Klimaanlage folgt daraus allerdings nicht, der Arbeitgeber wählt die Maßnahme.

Wie laut darf eine Klimaanlage im Büro sein?

Die ASR A3.7 nennt für überwiegend geistige Tätigkeiten einen Beurteilungspegel von maximal 55 dB(A). Da dieser Wert alle Geräuschquellen zusammenfasst, sollte das Innengerät allein deutlich darunter liegen. Gute Splitgeräte arbeiten mit 19 bis 30 dB(A), Deckenkassetten mit 28 bis 40 dB(A). Ein mobiles Monoblockgerät mit 55 bis 65 dB(A) ist für konzentrierte Büroarbeit ungeeignet.

Kann man eine Klimaanlage im Büro nachrüsten?

Ja, im Bestand sind vier Wege üblich: Single-Split mit Außeneinheit an der Fassade, Multisplit mit einer Außeneinheit für mehrere Büros, Deckenkassette bei abgehängter Decke und eine Klimaanlage ohne Außengerät, wenn die Fassade nicht angetastet werden darf. In der Mietimmobilie brauchen Sie in allen Fällen die schriftliche Zustimmung des Eigentümers.

Was kostet eine Klimaanlage fürs Büro?

Ein Einzelbüro mit 15 bis 20 m² und Single-Split kostet 1.500 bis 3.000 € installiert. Ein Multisplit für drei bis vier Büros liegt bei 4.500 bis 9.000 €. Ein Großraum mit 100 m² und Deckenkassetten kommt auf 8.000 bis 20.000 €. Als Betriebsausgabe ist die Anlage abschreibbar, üblich sind 10 bis 13 Jahre Nutzungsdauer.

Wie vermeidet man Zugluft im Büro?

Die Luftgeschwindigkeit am Arbeitsplatz sollte 0,15 bis 0,2 m/s nicht überschreiten. Praktisch heißt das: Das Innengerät nie direkt auf einen Sitzplatz ausrichten, sondern über die Tür oder an der Stirnseite montieren, damit die Luft an der Decke entlangströmt und sich mischt. Eine Deckenkassette mit Vierwege-Auslass verteilt gleichmäßiger als ein Wandgerät.

Reicht eine mobile Klimaanlage fürs Büro?

Nur als Notlösung. Ein mobiles Monoblockgerät erzeugt 55 bis 65 dB(A) direkt im Raum, hat einen EER unter 2,6 und braucht ein dauerhaft geöffnetes Fenster für den Abluftschlauch, was in einem klimatisierten Gebäude ein Widerspruch ist. Für einen Hitzetag ist es akzeptabel, für den Sommerbetrieb nicht.

Braucht ein Serverraum dieselbe Klimaanlage wie ein Büro?

Nein. Ein Serverraum hat eine ganzjährig konstante, rein interne Wärmelast, oft 2 bis 10 kW auf wenigen Quadratmetern, und muss auch im Winter gekühlt werden. Dafür braucht es ein Gerät mit Winterkit für den Betrieb bei Minusgraden und, je nach Kritikalität, eine Redundanz aus zwei Anlagen. Ein normales Bürogerät ist damit überfordert.

Wie hoch ist der Stromverbrauch einer Büroklimaanlage?

Ein Splitgerät mit 3,5 kW Kühlleistung und einem EER von 3,5 nimmt rund 1,0 kW auf. Bei 600 Betriebsstunden im Sommer und einem Gewerbestrompreis von 0,28 €/kWh sind das etwa 168 € pro Jahr. Läuft die Anlage in einem Großraum mit 12 kW über 800 Stunden, liegen die Stromkosten bei rund 770 € jährlich.

Redaktion WattRatgeber Kaufberatung Haus-Energie

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