Salz zur Luftentfeuchtung: was ein Granulat-Luftentfeuchter leistet und was nicht
Salz zur Luftentfeuchtung ist das meistverkaufte Feuchteprodukt im Baumarkt und gleichzeitig das am stärksten überverkaufte. Die Physik dahinter stimmt: Calciumchlorid zieht Wasserdampf aus der Luft, bis es sich in der eigenen Lauge auflöst. Nur ist die Menge, die dabei zusammenkommt, eine völlig andere als die, die man nach der Verpackung erwartet.
Dieser Ratgeber rechnet die Zahlen durch: wie viel Wasser ein 450-g-Tab tatsächlich bindet, wie stark die Leistung mit der Temperatur einbricht, wo Granulat der Alternative überlegen ist und ab wann nur noch ein Kompressor- oder Adsorptionsgerät hilft. Dazu die Punkte, die auf der Packung fehlen: Korrosion durch die Lauge, Entsorgung und der Unterschied zwischen Calciumchlorid und dem Kochsalz aus der Küche.
Wie Salz zur Luftentfeuchtung chemisch funktioniert
Salz zur Luftentfeuchtung nutzt eine Eigenschaft, die im Chemieunterricht Hygroskopie heißt: Manche Salze binden Wasserdampf aus der Umgebungsluft. Calciumchlorid, das in fast allen Nachfülltabs steckt, geht einen Schritt weiter. Es ist deliqueszent, es nimmt so viel Wasser auf, dass es sich schließlich vollständig in der eigenen aufgenommenen Feuchtigkeit auflöst. Genau deshalb füllt sich der Auffangbehälter mit Flüssigkeit, während das Tab oben schrumpft.
Der Antrieb dahinter ist ein Dampfdruckgefälle. Über einer gesättigten Calciumchloridlösung liegt der Wasserdampfdruck sehr niedrig, umgerechnet entspricht das einer relativen Luftfeuchte von rund 29 bis 32 Prozent bei 25 °C. Ist die Raumluft feuchter als dieser Wert, wandert Wasserdampf ins Salz. Ist sie trockener, passiert nichts mehr. Deswegen kann Granulat einen Raum theoretisch bis etwa 30 Prozent relative Feuchte herunterziehen, praktisch aber nur, wenn er hermetisch geschlossen und sehr klein ist.
Warum Kochsalz aus der Küche nicht taugt
Das populärste Hausmittel ist eine Schale mit Speisesalz. Natriumchlorid zerfließt jedoch erst oberhalb von etwa 75 Prozent relativer Luftfeuchte und bindet dann nur einen Bruchteil dessen, was Calciumchlorid schafft. Unterhalb dieser Schwelle steht das Salz einfach da. Der Unterschied ist kein Detail, sondern der ganze Punkt.
| Stoff | Wirkt ab rel. Feuchte | Wasseraufnahme je 100 g | Regenerierbar |
|---|---|---|---|
| Calciumchlorid (CaCl₂) | ca. 30 % | 100-200 g, löst sich auf | nein |
| Magnesiumchlorid | ca. 33 % | 80-150 g, löst sich auf | nein |
| Silicagel | ab 20 % | 25-35 g, bleibt fest | ja, bei 120 °C im Backofen |
| Zeolith | ab 10 % | 15-25 g, bleibt fest | ja, bei 200 °C |
| Kochsalz (NaCl) | ca. 75 % | unter 10 g | nein, praktisch wirkungslos |
Silicagel und Zeolith haben gegenüber Calciumchlorid einen entscheidenden Vorteil: Sie bleiben fest, es entsteht keine Lauge, und sie lassen sich im Backofen oder in der Mikrowelle wieder austrocknen. Ihre Kapazität ist dafür deutlich kleiner. Für einen Schuhschrank, einen Fotokoffer oder ein Instrumentencase ist das die bessere Wahl.
Die reale Kapazität: was ein 450-g-Tab bindet
Hier entscheidet sich, ob Luftentfeuchtung mit Salz zu Ihrem Problem passt. Ein handelsübliches Nachfülltab wiegt 450 bis 500 Gramm. Calciumchlorid kann mehr als das Doppelte seines Eigengewichts an Wasser binden, bevor die Lösung gesättigt ist. In der Praxis kommen pro Tab rund 0,5 bis 1 Liter Flüssigkeit im Behälter zusammen, verteilt auf vier bis acht Wochen.
| Bedingung | Standzeit eines 450-g-Tabs | Gebundenes Wasser | Entzug pro Tag |
|---|---|---|---|
| Kleiderschrank, 60 % rF, 20 °C | 10-12 Wochen | ca. 0,5 l | ca. 7 ml |
| Abstellraum, 70 % rF, 18 °C | 6-8 Wochen | ca. 0,8 l | ca. 15 ml |
| Wohnwagen im Winterlager, 75 % rF, 8 °C | 8-10 Wochen | ca. 0,7 l | ca. 11 ml |
| Feuchter Keller, 80 % rF, 15 °C | 3-4 Wochen | ca. 1,0 l | ca. 35 ml |
| Raum nach Wasserschaden | unter 1 Woche | ca. 1,0 l | ca. 150 ml, wirkungslos |
Die letzte Zeile ist die aufschlussreichste. Wenn ein Tab in wenigen Tagen aufgelöst ist, hat das Gerät nicht besonders gut gearbeitet, sondern der Raum liefert so viel Feuchte nach, dass der Beitrag des Salzes im Rauschen verschwindet. Ein 20 m² großer Kellerraum mit 2,3 m Höhe enthält rund 46 m³ Luft. Bei 15 °C und 80 Prozent relativer Feuchte trägt diese Luft etwa 470 Gramm Wasser. Ein einziges Tab könnte diese Luftmenge rechnerisch also genau einmal trocknen, wenn nichts nachströmt und die Wände nichts nachliefern. Beides trifft in einem echten Keller nicht zu.
Temperaturabhängigkeit: warum es im kalten Keller versagt
Salz kann nur binden, was die Luft überhaupt trägt. Und kalte Luft trägt sehr wenig. Die absolute Feuchte, also die Gramm Wasser pro Kubikmeter, halbiert sich grob mit jeweils rund 10 Kelvin Temperaturabfall. Ein Granulatbehälter im 6 °C kalten Keller im Januar arbeitet deshalb selbst bei hoher relativer Feuchte kaum noch messbar.
| Lufttemperatur | Maximale Feuchte | Wassergehalt bei 80 % rF | Eignung für Salzgranulat |
|---|---|---|---|
| 5 °C | 6,8 g/m³ | 5,4 g/m³ | sehr schlecht |
| 10 °C | 9,4 g/m³ | 7,5 g/m³ | schwach |
| 15 °C | 12,8 g/m³ | 10,3 g/m³ | brauchbar |
| 20 °C | 17,3 g/m³ | 13,8 g/m³ | gut |
| 25 °C | 23,0 g/m³ | 18,4 g/m³ | sehr gut |
Das ist die unangenehme Pointe der ganzen Produktkategorie: Salzgranulat arbeitet dort am besten, wo es am wenigsten gebraucht wird, nämlich in warmen Räumen. Im kalten Keller, wo die Feuchte tatsächlich stört, bricht die Leistung ein. Dieselbe Physik trifft übrigens Kompressorgeräte, die unter etwa 12 bis 15 °C vereisen und in Abtauzyklen gehen. Nur der Adsorptionstrockner bleibt bis knapp über den Gefrierpunkt leistungsfähig, weil er Feuchte an einem Sorptionsrotor bindet statt sie auszukondensieren.
Ein zweiter Punkt, den kein Granulat lösen kann: Sommerfeuchte im Keller entsteht meist durch falsches Lüften. Warme Außenluft mit 18 g/m³ kondensiert an 14 °C kalten Kellerwänden. Die richtige Gegenmaßnahme ist, nachts und in den frühen Morgenstunden zu lüften, nicht mittags. Wie Sie das im Detail steuern, steht im Ratgeber zum Luftentfeuchter für den Keller.
Luftentfeuchtung mit Salz im Vergleich zu elektrischen Geräten
Die folgende Tabelle ist der Kern dieses Ratgebers. Sie stellt Luftentfeuchtung salz neben die vier realistischen Alternativen, jeweils mit Tagesleistung, laufenden Kosten und sinnvoller Raumgröße. Die Leistungsangaben elektrischer Geräte beziehen sich auf die üblichen Prüfbedingungen von 30 °C und 80 Prozent relativer Feuchte, im kühlen Keller erreichen Kompressorgeräte davon nur ein Drittel bis die Hälfte.
| Technik | Entzug pro Tag | Leistungsaufnahme | Laufende Kosten | Sinnvolle Raumgröße |
|---|---|---|---|---|
| Salzgranulat (Calciumchlorid) | 10-30 ml | 0 W | 2-4 € je Nachfülltab | bis ca. 2 m³, Schrank, Kajüte |
| Silicagel, regenerierbar | 5-15 ml | 0 W im Betrieb | nur Energie zum Trocknen | bis ca. 1 m³, Koffer, Vitrine |
| Peltier-Luftentfeuchter | 0,3-0,8 l | 50-90 W | ca. 0,15-0,25 €/Tag | 5-15 m³, Bad, kleines Zimmer |
| Kompressor-Luftentfeuchter | 10-20 l | 200-500 W | ca. 0,80-2,50 €/Tag | 20-120 m², Wohnräume ab 15 °C |
| Adsorptionstrockner | 7-10 l | 300-650 W | ca. 1,50-3,50 €/Tag | unbeheizte Räume ab 1 °C |
Der Faktor zwischen Granulat und Kompressorgerät liegt bei 300 bis 600. Das ist kein Unterschied im Grad, sondern in der Kategorie. Wer ein Salztab kauft, um einen Kellerraum zu trocknen, kauft im Bild gesprochen einen Teelöffel, um ein Schwimmbecken zu leeren. Umgekehrt ist ein Kompressorgerät im Kleiderschrank absurd, dort löst das Granulat das Problem lautlos und ohne Steckdose.
Für den Dauerbetrieb elektrischer Geräte gilt: Ein Kompressorentfeuchter mit 300 W, der zwölf Stunden am Tag läuft, verbraucht rund 3,6 kWh, bei 0,35 Euro je Kilowattstunde also etwa 1,25 Euro pro Tag oder gut 450 Euro im Jahr bei Dauerlauf. Das ist der Preis für Kapazität, die Salz schlicht nicht hat.
Wo Granulat wirklich sinnvoll ist
Es gibt gute Anwendungen, sie sind nur enger als beworben. Gemeinsam haben sie drei Merkmale: kleines Volumen, dichte Umhüllung, keine nachliefernde Feuchtequelle.
- Kleiderschrank und Ankleide: 0,5 bis 1,5 m³ Luft, selten geöffnet. Ein Tab hält hier zwei bis drei Monate und verhindert Muffgeruch in Textilien.
- Wohnwagen und Wohnmobil im Winterlager: geschlossen, unbeheizt, keine Nutzung. Zwei bis drei Behälter für 15 bis 20 m³ sind sinnvoll, Kontrolle alle vier Wochen.
- Bootskajüte und Bilge: ähnliche Situation, aber wichtig ist ein kippsicherer Behälter, weil die Lauge Metall angreift.
- Selten genutzter Abstellraum ohne Feuchteschaden: nur, wenn das Hygrometer 65 bis 70 Prozent zeigt und nicht 85.
- Instrumentenkoffer, Fotoausrüstung, Waffenschrank: hier ist regenerierbares Silicagel die sauberere Lösung, weil keine Lauge entsteht.
- Auto im Standbetrieb: gegen beschlagene Scheiben im Winter, allerdings mit ausdrücklicher Sicherung gegen Umkippen.
| Anwendung | Luftvolumen | Empfohlene Behälterzahl | Bewertung |
|---|---|---|---|
| Kleiderschrank | 0,5-1,5 m³ | 1 | ideal, klare Empfehlung |
| Wohnwagen im Winterlager | 15-20 m³ | 2-3 | sinnvoll, monatlich prüfen |
| Bootskajüte | 5-10 m³ | 1-2 | sinnvoll, kippsicher aufstellen |
| Abstellraum, trocken, 6 m² | ca. 14 m³ | 2 | grenzwertig, Hygrometer nötig |
| Keller mit feuchtem Mauerwerk, 20 m² | ca. 46 m³ | nicht sinnvoll | ungeeignet, elektrisches Gerät nötig |
| Raum nach Wasserschaden | beliebig | nicht sinnvoll | ungeeignet, Bautrockner nötig |
Feuchter Keller und Wasserschaden: die harte Grenze
Ein Kellerraum wird nicht feucht, weil zufällig zu viel Wasser in der Luft schwebt, sondern weil eine Quelle nachliefert: aufsteigende Feuchte im Mauerwerk, fehlende Horizontalsperre, ein Leck, Kondensation an kalten Außenwänden. Eine durchfeuchtete Wand von 10 m² gibt bei normaler Raumtemperatur ohne Weiteres 1 bis 5 Liter Wasser pro Tag an die Raumluft ab. Der Beitrag eines Granulatbehälters mit 20 Milliliter täglich liegt damit im Bereich von 0,4 bis 2 Prozent.
Nach einem Wasserschaden verschiebt sich die Größenordnung noch einmal. Estrich und Wandaufbau geben in den ersten Tagen zweistellige Litermengen ab. Dafür gibt es Bautrockner mit 30 bis 80 Litern Tagesleistung, meist als Adsorptions- oder Kondensationsgerät, üblicherweise über die Versicherung oder den Sanierer gestellt. Hier ist ein Salzbehälter kein schwaches Hilfsmittel, sondern gar keines.
Auch bei Schimmelbefall ist Granulat der falsche Ansatz. Der Schimmelleitfaden des Umweltbundesamts nennt eine relative Luftfeuchte dauerhaft unter 60 Prozent und trockene Bauteiloberflächen als Ziel. Wenn Sporen bereits in der Raumluft sind, ist das ein separates Problem, das wir im Ratgeber zum Luftreiniger gegen Schimmel behandeln. Filter und Entfeuchter ersetzen dabei beide keine Ursachenbeseitigung.
Salzlauge, Korrosion und Entsorgung
Die Flüssigkeit im Auffangbehälter ist eine konzentrierte Calciumchloridlösung. Sie ist nicht akut giftig, aber als augenreizend eingestuft und materialtechnisch unangenehm.
| Kontakt mit | Folge | Maßnahme |
|---|---|---|
| Stahl, Eisen, verzinkte Teile | Lochfraß und Rost, teils binnen Tagen | nie direkt auf Metall abstellen, Auffangschale nutzen |
| Aluminium | Korrosion, weiße Ausblühungen | Abstand zu Wohnwagen- und Bootsbeschlägen halten |
| Textilien, Teppich | Salzränder, teils irreversibel | nicht auf Kleidung stellen, sondern darüber oder daneben |
| Parkett, Laminat, Naturstein | Flecken, Aufquellen, Ätzränder | Unterlage aus Kunststoff verwenden |
| Haut und Augen | Reizung | abspülen, Behälter außer Reichweite von Kindern |
| Gartenboden, Beete | Chloridschaden an Wurzeln und Bodenstruktur | niemals ausgießen |
Entsorgung
Haushaltsübliche Mengen der Lauge dürfen nach Herstellerangabe in der Regel stark verdünnt in die Toilette oder den Abfluss, mit reichlich nachlaufendem Wasser. Nicht in den Garten, nicht in Regenwasserrinnen oder Sickerschächte. Der leere Kunststoffbehälter gehört in die Wertstoffsammlung, der aufgebrauchte Beutel oder Vliesrest in den Restmüll. Prüfen Sie im Zweifel die Angaben Ihres kommunalen Entsorgers, die Regelungen sind örtlich unterschiedlich.
Hinweis: Wir nennen bewusst keine Modellnummern und keine Produktpreise. Bei sichtbarem Schimmelbefall über 0,5 m² oder nach einem Wasserschaden ist eine Fachfirma zuständig, kein Granulatbehälter.
Kosten pro Liter entzogenem Wasser
Der ehrlichste Vergleich ist der Preis für einen Liter Wasser, den Sie der Luft entziehen. Salz wirkt billig, weil das einzelne Tab wenig kostet. Auf die Wassermenge gerechnet dreht sich das Bild vollständig um.
| Technik | Verbrauchsmaterial oder Energie je Liter | Kosten je Liter Wasser | Bemerkung |
|---|---|---|---|
| Salzgranulat | 1 Nachfülltab je 0,5-1 l | ca. 2-8 € | teuerste Methode je Liter |
| Silicagel, regeneriert | ca. 0,3 kWh Backofen je Zyklus | ca. 0,50-1,50 € | nur für Kleinstvolumen |
| Peltier-Gerät | ca. 1,5-2,5 kWh | ca. 0,50-0,90 € | schwach, aber leise |
| Kompressor-Luftentfeuchter | ca. 0,3-0,6 kWh | ca. 0,10-0,25 € | günstigste Methode je Liter |
| Adsorptionstrockner | ca. 0,9-1,4 kWh | ca. 0,30-0,50 € | teurer, dafür kältetauglich |
Gerechnet mit 0,35 Euro je Kilowattstunde. Ein Kompressorgerät entzieht der Luft einen Liter Wasser also für rund 10 bis 25 Cent, ein Salztab für 2 bis 8 Euro. Der Faktor liegt bei 10 bis 50. Das ist kein Argument gegen Salz im Kleiderschrank, wo es um wenige hundert Milliliter im Quartal geht und keine Steckdose vorhanden ist. Es ist ein vernichtendes Argument gegen Salz überall dort, wo Litermengen anfallen.
Der billigste erste Schritt: messen
Bevor Sie irgendetwas kaufen, kaufen Sie ein Hygrometer. Ein digitales Gerät mit Anzeige von relativer Feuchte und Temperatur kostet unter 15 Euro und beantwortet die einzige Frage, die zählt: Haben Sie überhaupt ein Feuchteproblem, und wie groß ist es? Stellen Sie das Gerät eine Woche lang in den betroffenen Raum und notieren Sie Minimum und Maximum. Worauf Sie bei der Genauigkeit achten sollten, steht in unserem Hygrometer-Ratgeber.
- unter 60 % rF: kein Handlungsbedarf, kein Gerät kaufen.
- 60 bis 70 % rF in kleinem geschlossenem Volumen: Granulat oder Silicagel genügt.
- 65 bis 75 % rF in einem Wohn- oder Kellerraum: Kompressorgerät, Lüftungsroutine prüfen.
- über 75 % rF dauerhaft: Ursachensuche, gegebenenfalls Bausachverständiger.
Typische Fehler
1. Granulat gegen ein Kellerproblem einsetzen
Der mit Abstand häufigste Fehler. Zwanzig Milliliter pro Tag gegen mehrere Liter Verdunstung aus dem Mauerwerk ist keine Maßnahme, sondern eine Beruhigung. Der Behälter füllt sich, das Gefühl stimmt, das Problem bleibt. Messen Sie die Feuchte vor und nach vier Wochen, der Wert wird sich kaum bewegen.
2. Den Behälter auf Metall oder Textil stellen
Die Lauge kriecht über Kondensation und kleine Überläufe genau dorthin, wo sie nicht sein soll. Chlorid auf Stahl erzeugt Lochfraß, auf Aluminium weiße Ausblühungen, auf Wolle bleibende Ränder. Immer eine Kunststoffschale unterlegen, im Wohnwagen zusätzlich kippsicher fixieren.
3. Im Winter im kalten Keller nachfüllen und sich wundern
Bei 5 bis 8 °C trägt die Luft so wenig Wasserdampf, dass ein Tab monatelang fast unverändert bleibt. Das ist kein Produktfehler, sondern Physik. Wer bei diesen Temperaturen entfeuchten muss, braucht einen Adsorptionstrockner, kein Salz und auch kein Kompressorgerät.
4. Den Raum lüften und gleichzeitig entfeuchten
Jede Fensteröffnung bringt neue Feuchte herein, im Sommer oft mehr, als das Granulat in einer Woche bindet. Entfeuchtung funktioniert nur im geschlossenen Volumen. Entweder Sie lüften gezielt zu den kühlen Tageszeiten, oder Sie entfeuchten, beides gleichzeitig hebt sich auf.
Vorteile und Nachteile
✓ Vorteile
- Arbeitet völlig ohne Strom, ohne Geräusch und ohne Steckdose, ideal für Winterlager und Schränke
- Sehr günstige Anschaffung, ein Behälter mit erstem Tab liegt im einstelligen Eurobereich
- Wartungsfrei, es gibt keine Filter, keinen Kompressor und kein Kältemittel
- Wirkt bereits ab rund 30 Prozent relativer Luftfeuchte, deutlich früher als Kochsalz mit 75 Prozent
- Für kleine geschlossene Volumen bis etwa 2 m³ die praktikabelste Lösung überhaupt
✕ Nachteile
- Nur 10 bis 30 Milliliter Entzug pro Tag, ein Kompressorgerät schafft das 300- bis 600-Fache
- Auf den Liter gerechnet mit 2 bis 8 Euro die teuerste Entfeuchtungsmethode
- Leistung bricht unter etwa 10 °C ein, also genau in kalten feuchten Kellern
- Die Calciumchloridlauge korrodiert Stahl und Aluminium und hinterlässt Flecken in Textil und Naturstein
- Verbrauchsmaterial, das Tab ist nach vier bis acht Wochen aufgelöst und nicht regenerierbar
Fazit
Salz zur Luftentfeuchtung: richtig im Schrank, falsch im Keller
Calciumchlorid entzieht der Luft zuverlässig Feuchtigkeit, aber nur 10 bis 30 Milliliter am Tag. Für Kleiderschrank, Wohnwagen im Winterlager oder Bootskajüte ist das genau richtig. Für einen feuchten Keller oder nach einem Wasserschaden fehlt der Kapazität ein Faktor von mehreren Hundert.
Messen Sie zuerst mit einem Hygrometer. Unter 60 Prozent relativer Feuchte brauchen Sie gar nichts. Zwischen 60 und 70 Prozent in einem kleinen geschlossenen Volumen ist Granulat die einfachste Lösung. Ab 70 Prozent in einem genutzten Raum führt der Weg zum Kompressorgerät, in unbeheizten Räumen unter 10 °C zum Adsorptionstrockner. Und stellen Sie den Behälter nie direkt auf Metall, Holz oder Textil.
Weiterführende Links und Quellen
- Luftentfeuchter für den Keller, Hygrometer richtig auswählen, Luftreiniger gegen Schimmel, Infrarotheizung gegen Schimmel, Strommessgerät für den Verbrauchscheck
- Umweltbundesamt, Schimmelleitfaden und Empfehlungen zur Raumluftfeuchte
- DIN 4108-2, Mindestanforderungen an den Wärmeschutz und Vermeidung von Tauwasser an Bauteiloberflächen
- CLP-Verordnung (EG) Nr. 1272/2008, Einstufung und Kennzeichnung von Calciumchlorid als augenreizend
- Unsere Methodik, wie wir bewerten und worauf wir uns stützen
Häufige Fragen
Funktioniert salz zur luftentfeuchtung überhaupt?
Ja, aber in kleinem Maßstab. Calciumchlorid ist hygroskopisch und zerfließend, es entzieht der Luft Wasserdampf, bis es sich selbst in Lauge auflöst. Ein 450-g-Tab bindet dabei rund 0,5 bis 1 Liter Wasser über vier bis acht Wochen, also etwa 10 bis 30 Milliliter pro Tag. Für einen Kleiderschrank reicht das, für einen Kellerraum nicht.
Wie viel Wasser zieht luftentfeuchtung mit salz pro Tag aus der Luft?
Zwischen 10 und 30 Milliliter pro Tag, abhängig von relativer Luftfeuchte, Temperatur und Luftbewegung. Bei 80 Prozent relativer Feuchte und 20 °C liegt die Aufnahme am oberen Ende, bei 60 Prozent und 10 °C am unteren. Zum Vergleich: Ein Kompressor-Luftentfeuchter schafft 10.000 bis 20.000 Milliliter am Tag.
Kann ich normales Kochsalz statt Calciumchlorid nehmen?
Praktisch nicht. Kochsalz (Natriumchlorid) zerfließt erst oberhalb von etwa 75 Prozent relativer Luftfeuchte und bindet dann nur wenig Wasser. Calciumchlorid beginnt schon bei rund 30 Prozent relativer Feuchte zu arbeiten und kann mehr als das Doppelte seines eigenen Gewichts an Wasser aufnehmen. Die Schale mit Küchensalz auf der Fensterbank ist ein Hausmittel ohne messbaren Effekt.
Hilft luftentfeuchtung salz gegen Schimmel im Keller?
In einem echten Feuchtekeller nicht. Verdunstet feuchtes Mauerwerk mehrere Liter pro Tag, entzieht ein Granulatbehälter davon unter einem Prozent. Sinnvoll ist Salz nur in einem trockenen, selten geöffneten Raum, in dem die Luftfeuchte knapp über der Zielmarke von 60 Prozent liegt. Bei sichtbarem Befall führt der Weg über Trocknung und Ursachenbeseitigung.
Warum füllt sich der Behälter mit Flüssigkeit?
Weil das genau der Wirkmechanismus ist. Calciumchlorid ist deliqueszent: Es nimmt so lange Wasserdampf auf, bis es sich in der aufgenommenen Feuchtigkeit vollständig löst. Die Flüssigkeit im Auffangbehälter ist also nicht ausgelaufenes Salz, sondern das gebundene Wasser plus das Salz darin. Ist das Tab aufgebraucht, endet die Wirkung.
Wie lange hält ein Nachfülltab?
Vier bis acht Wochen sind realistisch, in einem gut abgedichteten Schrank auch zwei bis drei Monate. Je höher die Luftfeuchte und je größer das Luftvolumen, desto schneller ist das Tab aufgelöst. Ein Tab, das nach zehn Tagen aufgebraucht ist, ist kein Produktfehler, sondern der Beweis, dass der Raum für diese Technik zu feucht oder zu groß ist.
Ist die Salzlauge gefährlich?
Für Menschen nicht akut giftig, aber reizend. Calciumchloridlösung ist als augenreizend eingestuft und sollte nicht auf Haut, Schleimhäute oder in Kinderhände gelangen. Materialschäden sind das größere Problem: Die Chloridlösung greift Stahl und Aluminium an, hinterlässt Ränder in Textilien, Parkett und Naturstein. Stellen Sie den Behälter immer in eine Auffangschale.
Wie entsorge ich die aufgefangene Flüssigkeit?
Nach Herstellerangabe in aller Regel verdünnt über die Toilette oder den Abfluss, mit reichlich nachlaufendem Wasser. Nicht in den Garten, nicht auf Beete oder Rasen und nicht in Regenwasserabläufe: Chlorid schädigt Pflanzenwurzeln und Bodenstruktur. Den leeren Kunststoffbehälter geben Sie in die Wertstoffsammlung, den Beutelrest in den Restmüll.
Was ist die bessere Alternative zu Salz?
Das hängt von Raumgröße und Temperatur ab. Bis etwa 1 m³ ist regenerierbares Silicagel günstiger als Salz. Für Wohnräume ab 20 m² ist ein Kompressorgerät mit 10 bis 20 Litern Tagesleistung die einzige Technik mit ausreichender Kapazität. In unbeheizten Kellern unter 10 °C arbeitet ein Adsorptionstrockner zuverlässiger, weil er nicht auf Kondensation angewiesen ist.
Brauche ich vor dem Kauf ein Hygrometer?
Ja, es ist der billigste sinnvolle Schritt. Ohne Messwert kaufen Sie gegen ein Gefühl. Liegt die relative Luftfeuchte dauerhaft unter 60 Prozent, brauchen Sie gar kein Gerät. Liegt sie bei 65 bis 70 Prozent in einem kleinen geschlossenen Volumen, reicht Granulat. Ab 75 Prozent in einem bewohnten oder genutzten Raum führt kein Weg an einem elektrischen Entfeuchter vorbei.