Taktung der Wärmepumpe: Ursachen finden, messen und in der richtigen Reihenfolge abstellen
Die Taktung der Wärmepumpe ist der häufigste Grund, warum eine technisch einwandfreie Anlage trotzdem schlechte Verbrauchswerte liefert. Der Verdichter springt an, läuft wenige Minuten, schaltet ab und beginnt kurz darauf von vorn. Physikalisch ist jeder dieser Starts ein Zustand ohne stabile Verdampfung, also der ineffizienteste Betriebspunkt, den das Gerät kennt.
Dieser Ratgeber erklärt, was genau als Takt gezählt wird, wie viele Starts pro Tag noch normal sind, welche fünf Ursachen praktisch alle Fälle abdecken und wie Sie die Taktung mit Bordmitteln messen. Vor allem aber: in welcher Reihenfolge Sie eingreifen. Wer zuerst einen Pufferspeicher kauft, hat in den meisten Fällen Geld für ein Symptom ausgegeben und die Ursache stehen lassen.
Was ein Takt bei der Wärmepumpe ist
Ein Takt ist ein vollständiger Zyklus des Verdichters: Start, Laufzeit, Abschaltung, Stillstand. Gezählt wird ausschließlich der Verdichter. Die Umwälzpumpe, das Vier-Wege-Ventil oder der Ventilator laufen häufig weiter oder schalten unabhängig, ohne dass ein Takt entsteht. Wer im Regler die falsche Zählgröße abliest, kommt auf Fantasiezahlen.
Entscheidend sind zwei Kennzahlen, die immer zusammen betrachtet werden müssen: die Anzahl der Starts und die mittlere Laufzeit je Start. Zwanzig Takte mit je 40 Minuten Laufzeit sind ein gesunder Betrieb, zwanzig Takte mit je 6 Minuten sind ein Alarmsignal. Die reine Startzahl allein sagt wenig, weil sie mit der Außentemperatur schwankt.
| Takte pro Tag | Hochgerechnet auf 240 Heiztage | Typische Laufzeit | Bewertung |
|---|---|---|---|
| unter 10 | unter 2.400 Starts | 45 bis 120 Minuten | sehr gut, Anlage passt zur Last |
| 10 bis 20 | 2.400 bis 4.800 Starts | 25 bis 60 Minuten | Zielbereich, unauffällig |
| 20 bis 30 | 4.800 bis 7.200 Starts | 15 bis 30 Minuten | akzeptabel, Optimierung lohnt |
| 30 bis 50 | 7.200 bis 12.000 Starts | 8 bis 15 Minuten | erhöht, Ursache suchen |
| über 50 | über 12.000 Starts | unter 8 Minuten | kritisch, Fehleinstellung oder zu groß |
Die Hochrechnung auf 240 Tage ist bewusst konservativ gewählt, eine deutsche Heizperiode dauert je nach Region und Gebäude etwa 220 bis 260 Tage. Warmwasserladungen kommen bei den meisten Reglern getrennt hinzu, sie sollten in der Bewertung herausgerechnet werden.
Wie viele Takte pro Tag noch normal sind
Es gibt keine Norm, die eine Taktzahl vorschreibt. Was es gibt, ist die Herstellergrenze für die zulässigen Verdichterstarts, üblicherweise 3 pro Stunde, in Einzelfällen bis 6. Diese Grenze ist ein technisches Maximum, kein Betriebsziel. Eine Anlage, die dauerhaft an dieser Grenze fährt, verbraucht spürbar mehr Strom als eine gleich große Anlage mit langen Läufen.
Ein zweiter Punkt wird oft übersehen: Taktung ist außentemperaturabhängig. Bei minus 5 Grad läuft fast jede korrekt ausgelegte Wärmepumpe durch, weil die Gebäudelast über der kleinsten Modulationsstufe liegt. Kritisch ist der Bereich zwischen 8 und 15 Grad Außentemperatur. Wer die Taktung bewerten will, muss also einen milden Tag und einen kalten Tag getrennt betrachten.
Ein Inverter moduliert typischerweise von 100 Prozent bis herunter auf 30 Prozent seiner Nennleistung. Bei einer 12-kW-Maschine sind das immer noch rund 3,6 kW als kleinste Stufe. Liegt die Heizlast eines sanierten Einfamilienhauses im Herbst bei 2 kW, muss die Anlage takten, unabhängig davon, wie gut sie eingestellt ist. Genau hier entscheidet sich, ob die Auslegung stimmte. Die Größenwahl behandeln wir ausführlich beim Vergleich der 10-kW-Wärmepumpen.
Die fünf Ursachen der Taktung
Praktisch jeder Taktungsfall lässt sich auf fünf Ursachen zurückführen. Sie treten häufig kombiniert auf, wirken aber unterschiedlich stark und lassen sich unterschiedlich leicht abstellen.
| Rang | Ursache | Symptom | Abhilfe | Kosten |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Zugedrehte oder gedrosselte Thermostatventile | hoher Vorlaufdruck, geringer Volumenstrom, Abschaltung auf Hochdruck | alle Ventile voll öffnen, Einzelraumregelung im Heizbetrieb deaktivieren | 0 Euro |
| 2 | Fehlender hydraulischer Abgleich | einzelne Kreise heiß, andere kalt, Rücklauf zu warm | Abgleich nach Verfahren B, Ventilvoreinstellung je Kreis | 150 bis 900 Euro |
| 3 | Zu steile oder zu hohe Heizkurve | Räume überhitzt, Vorlauf deutlich über Bedarf, kurze Läufe | Kurve in 2-Kelvin-Schritten absenken, Parallelverschiebung prüfen | 0 Euro |
| 4 | Zu kleine Hysterese im Regler | Abschaltung schon 1 bis 2 Kelvin über Sollwert | Schaltdifferenz auf 4 bis 6 Kelvin anheben | 0 Euro |
| 5 | Zu kleines Wasservolumen im Heizkreis | Vorlauf steigt binnen Minuten, Nachlauf sehr kurz | Kreise öffnen, Spreizung erhöhen, notfalls Reihenpuffer | 400 bis 1.800 Euro |
| 6 | Überdimensionierung der Wärmepumpe | Takten auch bei sauberer Einstellung, vor allem 8 bis 15 Grad außen | kleinste Modulationsstufe prüfen, Leistungsbegrenzung im Regler | 0 Euro bis Gerätetausch |
Überdimensionierung ist die teuerste Ursache
Sie ist deshalb die teuerste, weil sie sich nachträglich kaum beheben lässt. Grundlage einer korrekten Auslegung ist die Heizlast nach DIN EN 12831, nicht die Wohnfläche multipliziert mit einem Pauschalwert. Die VDI 4645 beschreibt für Planung und Auslegung von Wärmepumpenanlagen in Gebäuden bis 50 Kilowatt genau dieses Vorgehen inklusive der Berücksichtigung von Sperrzeiten und Warmwasserbedarf. Wird stattdessen mit Sicherheitszuschlägen gerechnet, landet die Anlage regelmäßig 30 bis 50 Prozent über der tatsächlichen Last.
Zugedrehte Ventile sind die häufigste Ursache
In fast jedem Bestandsgebäude sind Thermostatventile das Erbe der alten Kesselzeit. Bei einer Wärmepumpe wirken sie gegen das System: Sie verkleinern den durchströmten Wärmetauscher, der Vorlauf steigt schnell an, der Regler schaltet ab. Öffnen Sie zuerst alle Ventile vollständig und regeln Sie ausschließlich über die Heizkurve. Wie Heizflächen bei niedriger Vorlauftemperatur ausgelegt sein müssen, zeigt der Ratgeber zu Heizkörpern für die Wärmepumpe.
Taktung messen: so kommen Sie an die Zahlen
Bevor Sie etwas verstellen, brauchen Sie einen Ausgangswert. Sonst wissen Sie hinterher nicht, ob die Maßnahme gewirkt hat oder ob sich nur das Wetter geändert hat. Es gibt drei Wege, je nach Ausstattung Ihrer Anlage.
- Reglerstatistik: Fast alle aktuellen Regler zählen Verdichterstunden und Verdichterstarts getrennt für Heizen und Warmwasser. Notieren Sie beide Werte an zwei Tagen im Abstand von 24 Stunden. Starts pro Tag ergeben sich aus der Differenz, die mittlere Laufzeit aus Betriebsminuten geteilt durch Starts.
- Leistungsmessung am Zähler: Ein Zwischenzähler oder ein Wärmepumpenzähler zeigt das Lastprofil. Ein Takt ist als Sprung von der Standby-Leistung von 20 bis 60 Watt auf die Verdichterleistung sichtbar. Geeignete Geräte beschreiben wir im Strommessgeräte-Test.
- Vorlauftemperatur mitschreiben: Ein Anlegefühler am Vorlauf zeigt Sägezähne. Steigt der Vorlauf innerhalb von 5 Minuten um 6 Kelvin und fällt dann wieder, ist das Wasservolumen zu klein oder der Volumenstrom zu gering.
| Messgröße | Guter Wert | Grenzwert | Was der schlechte Wert bedeutet |
|---|---|---|---|
| Verdichterstarts je Tag (Heizen) | 10 bis 20 | 30 | Regelung oder Hydraulik greift zu früh ab |
| Mittlere Laufzeit je Takt | 25 bis 60 Minuten | 10 Minuten | zu wenig Wasser oder zu kleine Hysterese |
| Spreizung Vorlauf zu Rücklauf | 5 bis 8 Kelvin | unter 3 Kelvin | Umwälzpumpe zu schnell, Speicherwirkung entfällt |
| Vorlaufanstieg nach dem Start | unter 2 Kelvin je Minute | 4 Kelvin je Minute | Anlagenwasservolumen deutlich zu klein |
| Stillstandszeit zwischen zwei Takten | über 20 Minuten | unter 8 Minuten | Anlage pendelt um den Sollwert |
Messen Sie an einem Tag mit 8 bis 12 Grad Außentemperatur und ohne Sonneneinstrahlung am Nachmittag. Das ist der Betriebspunkt, an dem Taktung am stärksten auftritt und an dem Sie den Effekt jeder Maßnahme am deutlichsten sehen.
Taktung der Wärmepumpe verringern: die Reihenfolge
Die Reihenfolge ist wichtiger als die einzelne Maßnahme. Wer mit dem Pufferspeicher beginnt, verdeckt eine Fehleinstellung, die danach kaum noch auffindbar ist. Arbeiten Sie von kostenlos nach teuer und ändern Sie immer nur eine Sache, mit mindestens 48 Stunden Beobachtung dazwischen.
- Schritt 1: Alle Thermostatventile vollständig öffnen, Einzelraumregler auf Dauerbetrieb. Wirkung: sofort, oft halbiert sich die Taktzahl allein dadurch.
- Schritt 2: Nachtabsenkung und Zeitprogramme deaktivieren. Jede Wiederaufheizphase erzeugt eine Lastspitze und danach eine Taktphase.
- Schritt 3: Heizkurve schrittweise absenken, bis die Räume gerade noch die Solltemperatur halten. Zwei Kelvin weniger Vorlauf bringen grob 5 Prozent bessere Arbeitszahl.
- Schritt 4: Hysterese beziehungsweise Schaltdifferenz von häufig ab Werk 2 Kelvin auf 4 bis 6 Kelvin anheben.
- Schritt 5: Umwälzpumpe langsamer stellen, bis die Spreizung 5 bis 8 Kelvin erreicht. Das verlängert die Laufzeit, ohne dass Sie etwas kaufen müssen.
- Schritt 6: Hydraulischen Abgleich durchführen lassen, sofern noch nicht geschehen. Er ist bei Förderung nach BEG-EM ohnehin verpflichtend.
- Schritt 7: Leistungsbegrenzung im Regler setzen, falls die Anlage überdimensioniert ist und der Hersteller das erlaubt.
- Schritt 8: Erst jetzt zusätzliches Wasservolumen, bevorzugt als Reihenpuffer im Rücklauf.
Der hydraulische Abgleich ist dabei kein optionaler Komfortpunkt. Für die Bundesförderung für effiziente Gebäude im Bereich Einzelmaßnahmen ist er bei Heizungstausch Fördervoraussetzung, er muss also ohnehin dokumentiert werden. Fordern Sie das Protokoll ein und prüfen Sie, ob wirklich raumweise nach Verfahren B gerechnet wurde und nicht pauschal nach Heizkörpergröße.
Mindestwasservolumen, Spreizung und Pufferspeicher
Wasser ist der Energiespeicher, der die Laufzeit verlängert. Ein Liter Wasser nimmt je Kelvin Temperaturhub rund 1,16 Wattstunden auf. Daraus ergibt sich direkt, wie lange eine Wärmepumpe laufen kann, bevor der Vorlauf die Abschalttemperatur erreicht: Je größer Volumen und zulässiger Temperaturhub, desto länger der Takt.
| Spreizung im Betrieb | Mindestwasservolumen je kW Heizleistung | Bei 8 kW Anlage | Bei 12 kW Anlage | Realistisch erreichbar mit |
|---|---|---|---|---|
| 3 Kelvin | rund 25 Liter | 200 Liter | 300 Liter | nur mit Pufferspeicher |
| 5 Kelvin | rund 15 Liter | 120 Liter | 180 Liter | große Fußbodenheizung, sonst Puffer |
| 7 Kelvin | rund 11 Liter | 88 Liter | 132 Liter | Fußbodenheizung meist ausreichend |
| 10 Kelvin | rund 8 Liter | 64 Liter | 96 Liter | auch größere Heizkörperkreise |
Lesen Sie die Tabelle in beide Richtungen. Wenn Sie das Volumen nicht vergrößern können, können Sie fast immer die Spreizung vergrößern, indem Sie die Umwälzpumpe langsamer stellen. Das ist der kostenlose Hebel, den viele Installationen ungenutzt lassen, weil die Pumpe auf einer festen, viel zu hohen Stufe steht.
Wie viel Volumen steckt schon in der Anlage?
- Fußbodenheizung: etwa 0,8 bis 1,2 Liter je Quadratmeter beheizter Fläche, bei 120 m² also rund 100 bis 145 Liter
- Flachheizkörper: etwa 3 bis 8 Liter je Heizkörper, ein ganzes Haus kommt selten über 80 Liter
- Rohrnetz: bei 20 Millimeter Innendurchmesser rund 0,3 Liter je Meter
- Wärmepumpe selbst inklusive Wärmetauscher: meist 3 bis 10 Liter
Ein Heizkörperhaus liegt damit fast immer unter dem nötigen Volumen, ein Fußbodenhaus fast immer darüber, sofern die Kreise offen sind. Reicht das Volumen nachweislich nicht, ist ein Reihenpuffer im Rücklauf die verlustärmste Bauform. Ein hydraulisch trennender Speicher entkoppelt zwar zuverlässig, erzeugt aber eine zusätzliche Temperaturschichtung und zwingt zu höherem Vorlauf. Bauformen, Größen und Einbindung vergleichen wir im Ratgeber zum Pufferspeicher für die Wärmepumpe. Wenn im Gebäude gar keine Flächenheizung liegt, lohnt vorher ein Blick auf die Grundsatzfrage in Wärmepumpe ohne Fußbodenheizung.
Hysterese und Heizkurve richtig einstellen
Die Hysterese, im Reglermenü oft Schaltdifferenz oder Schalthysterese genannt, legt fest, um wie viel Kelvin die Isttemperatur über den Sollwert steigen darf, bevor der Verdichter abschaltet, und wie weit sie fallen muss, bevor er wieder startet. Ab Werk stehen hier häufig 2 Kelvin. Das ist ein Wert aus der Kesselwelt und für Wärmepumpen meist zu eng.
| Hysterese | Rechnerische Laufzeit bei 150 Liter und 8 kW | Effekt auf die Raumtemperatur | Bewertung |
|---|---|---|---|
| 2 Kelvin | rund 2,6 Minuten | nicht spürbar | zu eng, erzwingt Taktung |
| 4 Kelvin | rund 5,2 Minuten | nicht spürbar | Minimum für Wärmepumpen |
| 6 Kelvin | rund 7,8 Minuten | kaum spürbar bei Flächenheizung | guter Praxiswert |
| 8 Kelvin | rund 10,5 Minuten | bei Heizkörpern leicht spürbar | nur bei trägen Systemen |
Die Laufzeiten in der Tabelle sind reine Speicherzeiten, also die Zeit, in der die Wärmepumpe das Anlagenwasser aufheizt, ohne dass Wärme abgegeben wird. In der Realität kommt die Wärmeabgabe an das Gebäude hinzu, weshalb die tatsächlichen Läufe deutlich länger ausfallen. Die Zahlen zeigen aber sauber das Verhältnis: Eine Verdreifachung der Hysterese verdreifacht die Grundlaufzeit.
Die Heizkurve ist der eigentliche Hauptschalter
Eine zu steile Heizkurve liefert bei milden Temperaturen zu viel Vorlauf. Das Gebäude nimmt die Wärme nicht ab, der Rücklauf steigt, die Anlage schaltet ab. Senken Sie die Kurve in Schritten von 2 Kelvin und warten Sie jeweils zwei Tage. Sinken die Raumtemperaturen nicht, war der Vorlauf schlicht zu hoch. Jedes Kelvin weniger Vorlauf bringt grob 2 bis 3 Prozent bessere Arbeitszahl, zusätzlich zum Taktungsgewinn. Was das im Jahresverbrauch ausmacht, rechnen wir in Wie viel Strom verbraucht eine Wärmepumpe im Detail durch.
Sperrzeiten nach Paragraf 14a EnWG als Taktursache
Wärmepumpen gelten als steuerbare Verbrauchseinrichtungen. Nach Paragraf 14a EnWG darf der Netzbetreiber die Leistungsaufnahme im Bedarfsfall auf 4,2 Kilowatt reduzieren, im Gegenzug gibt es reduzierte Netzentgelte. Ältere Anlagen laufen weiterhin mit klassischen Sperrzeiten von bis zu dreimal zwei Stunden am Tag.
Diese Unterbrechungen sind kein Anlagenfehler, sie erzeugen aber genau dasselbe Muster: Nach der Freigabe muss die Anlage die abgekühlte Masse wieder hochziehen, arbeitet kurz mit hoher Leistung und pendelt danach. Zwei Konsequenzen folgen daraus. Erstens gehört die Sperrzeit in die Auslegung, die VDI 4645 sieht dafür einen Zuschlag auf die Heizleistung vor. Zweitens ist das einer der wenigen Fälle, in denen zusätzliches Pufferwasser wirklich die richtige Antwort ist, weil es die Sperrzeit überbrückt.
| Regelung | Eingriff | Wirkung auf die Taktung | Sinnvolle Gegenmaßnahme |
|---|---|---|---|
| Klassische Sperrzeit, EVU-Sperre | bis 3 mal 2 Stunden pro Tag komplett aus | starke Lastspitze nach Freigabe | Puffer für 1 bis 2 Stunden Heizlast |
| Paragraf 14a EnWG, Dimmen | Reduzierung auf mindestens 4,2 kW | längere Laufzeiten, weniger Takte | meist keine, Anlage läuft ruhiger |
| Zeitvariable Netzentgelte | Preisanreiz statt Abschaltung | Takte durch Zeitprogramme möglich | Zeitfenster großzügig wählen |
Folgen für Verdichter und Arbeitszahl
Zwei Schäden entstehen parallel, ein sofort sichtbarer und ein schleichender.
Wirkungsgradverlust, sofort messbar
Nach jedem Start braucht der Kältekreis Zeit, bis Verdampfungs- und Verflüssigungsdruck stabil sind. In dieser Phase liegt die Leistungszahl deutlich unter dem Normwert, weil der Verdichter Arbeit gegen einen noch nicht eingeschwungenen Kreis leistet. Dauert die Einschwingphase 3 Minuten und der ganze Takt nur 8 Minuten, verbringt die Anlage über ein Drittel ihrer Betriebszeit im schlechten Bereich. Als Größenordnung sind 5 bis 15 Prozent Verlust bei der Jahresarbeitszahl realistisch, bei sehr kurzen Takten auch mehr. Eine Anlage, die statt 3,8 nur 3,3 erreicht, verbraucht bei 20.000 Kilowattstunden Wärmebedarf rund 800 Kilowattstunden Strom mehr im Jahr.
Verschleiß, erst nach Jahren sichtbar
- Anlaufstrom belastet Wicklungen und Schütze bei jedem Start deutlich stärker als der Dauerbetrieb
- Direkt nach dem Start fehlt kurzzeitig Öl an den Lagerstellen, weil die Ölförderung erst anläuft
- Kältemittel kann sich im Stillstand im Öl lösen und beim Start ausgasen, das schwächt den Schmierfilm
- Ausdehnungsventil und Vier-Wege-Ventil schalten bei jedem Zyklus mit
Genau deshalb geben Hersteller eine Startbegrenzung vor. Eine Anlage mit 60 statt 15 Starts pro Tag summiert über 15 Jahre rund 220.000 statt 55.000 Startvorgänge. Dass die Praxis diesen Unterschied bestraft, deckt sich mit dem, was Betreiber in Erfahrungsberichten schildern, wir haben das in negativen Wärmepumpen-Erfahrungen zusammengetragen.
Typische Fehler
1. Zuerst den Pufferspeicher kaufen
Der klassische Fehlgriff. Ein Trennspeicher verdeckt die Taktung, weil er das Volumen erhöht, löst aber weder zugedrehte Ventile noch eine zu steile Heizkurve. Zusätzlich kostet die Schichtung im Speicher Vorlauftemperatur, die die Wärmepumpe wieder aufschlagen muss. Erst messen, dann die kostenlosen Schritte gehen, dann kaufen.
2. Einzelraumregelung wie beim Gaskessel betreiben
Thermostatventile, die einzelne Räume abriegeln, verkleinern die aktive Heizfläche und den Volumenstrom. Die Wärmepumpe erreicht ihre Abschalttemperatur dann in Minuten. Bei Flächenheizungen ist der stationäre Betrieb mit offenen Kreisen und niedrigem Vorlauf fast immer der sparsamere Weg.
3. Nachtabsenkung beibehalten
Die Absenkung stammt aus der Kesselwelt. Bei der Wärmepumpe erzeugt die Wiederaufheizung am Morgen eine Lastspitze mit hohem Vorlauf und danach eine Phase mit kurzen Takten. Der Einsparung durch fünf Stunden niedrigere Raumtemperatur steht ein deutlich schlechterer Betriebspunkt gegenüber.
4. Nur die Startzahl betrachten
Vierzig Starts an einem Tag mit 14 Grad Außentemperatur sind ein anderer Befund als vierzig Starts bei minus 3 Grad. Notieren Sie immer Außentemperatur, Starts und Betriebsminuten gemeinsam, sonst vergleichen Sie Zahlen, die nicht vergleichbar sind.
Vorteile und Nachteile
✓ Vorteile
- Die wirksamsten Maßnahmen gegen Taktung, offene Ventile, Heizkurve und Hysterese, kosten null Euro
- Ein größeres Wasservolumen verlängert die Laufzeiten zuverlässig und überbrückt Sperrzeiten nach Paragraf 14a EnWG
- Ein hydraulischer Abgleich ist bei Förderung nach BEG-EM ohnehin Pflicht und beseitigt gleichzeitig eine Hauptursache
- Eine langsamer gestellte Umwälzpumpe erhöht die Spreizung, verlängert den Takt und senkt zusätzlich den Pumpenstrom
- Weniger Starts bedeuten weniger Anlaufstrom und weniger Lagerverschleiß, der Verdichter erreicht eher seine kalkulierte Lebensdauer
✕ Nachteile
- Ein hydraulisch trennender Pufferspeicher erzeugt Schichtungsverluste und zwingt zu höherer Vorlauftemperatur
- Ein Puffer braucht 0,5 bis 1 Quadratmeter Stellfläche und verursacht dauerhafte Bereitschaftsverluste
- Eine große Hysterese lässt die Raumtemperatur bei trägen Heizkörpersystemen leicht schwanken
- Eine echte Überdimensionierung lässt sich nachträglich nur begrenzt korrigieren, im Zweifel bleibt der Gerätetausch
- Jede Änderung braucht 48 Stunden Beobachtung, eine saubere Optimierung zieht sich über mehrere Wochen
Fazit
Taktung Wärmepumpe: fast immer ein Einstell- und Hydraulikproblem
Zehn bis zwanzig Verdichterstarts pro Tag mit 25 bis 60 Minuten Laufzeit sind der Zielbereich. Wer darüber liegt, findet die Ursache in aller Regel bei zugedrehten Ventilen, einer zu steilen Heizkurve, einer zu engen Hysterese oder zu wenig Anlagenwasser. Alle vier lassen sich ohne Anschaffung prüfen.
Messen Sie zuerst Starts, Betriebsminuten und Außentemperatur über zwei Tage. Öffnen Sie dann alle Heizkreise, schalten Sie Nachtabsenkung und Zeitprogramme ab, senken Sie die Heizkurve in 2-Kelvin-Schritten und vergrößern Sie die Hysterese auf 4 bis 6 Kelvin. Erst wenn danach immer noch zu wenig Wasser im Kreis ist, rechnet sich zusätzliches Volumen, dann bevorzugt als Reihenpuffer im Rücklauf statt als hydraulische Trennung.
Weiterführende Links und Quellen
- Pufferspeicher für die Wärmepumpe, Heizkörper für die Wärmepumpe, Wärmepumpe ohne Fußbodenheizung, Wie viel Strom verbraucht eine Wärmepumpe, Wärmepumpe 10 kW, Negative Erfahrungen mit Wärmepumpen, Strommessgeräte im Test
- VDI 4645, Planung und Auslegung von Heizungsanlagen mit Wärmepumpen in Gebäuden bis 50 Kilowatt Heizleistung
- DIN EN 12831, Verfahren zur Berechnung der Norm-Heizlast als Grundlage jeder Auslegung
- Paragraf 14a EnWG und die Festlegungen der Bundesnetzagentur zur netzorientierten Steuerung steuerbarer Verbrauchseinrichtungen
- BEG-EM, Bundesförderung für effiziente Gebäude im Bereich Einzelmaßnahmen, hydraulischer Abgleich als Fördervoraussetzung beim Heizungstausch
- Umweltbundesamt, Daten zu Effizienz und Feldmessungen von Wärmepumpen
- Unsere Methodik, wie wir bewerten und worauf wir uns stützen
Häufige Fragen
Was ist die optimale Taktung einer Wärmepumpe?
Optimal ist möglichst wenig Taktung: idealerweise unter 10 Verdichterstarts pro Tag bei mittleren Laufzeiten von 20 bis 60 Minuten. In der milden Übergangszeit lassen sich kurze Takte nie ganz vermeiden, weil die kleinste Modulationsstufe eines Inverters immer noch über der Gebäudelast liegt. Bewerten Sie daher nicht den einzelnen Tag, sondern den Durchschnitt über die Heizperiode.
Wie viele Takte pro Tag sind bei einer Wärmepumpe normal?
Rund 10 bis 20 Takte pro Tag gelten als unauffällig, 20 bis 30 sind noch akzeptabel. Ab etwa 50 Starts pro Tag liegt eine Fehleinstellung oder eine Überdimensionierung vor. Über eine Heizperiode von 240 Tagen entsprechen 20 Takte pro Tag rund 4.800 Starts, 50 Takte pro Tag dagegen bereits 12.000 Starts.
Wie kann ich die Taktung der Wärmepumpe verringern?
In dieser Reihenfolge: alle Thermostatventile vollständig öffnen, den hydraulischen Abgleich prüfen, die Heizkurve absenken, die Hysterese des Reglers vergrößern, die Spreizung über die Pumpendrehzahl anpassen und erst danach über zusätzliches Wasservolumen nachdenken. Die ersten drei Schritte kosten nichts und lösen die Mehrheit der Fälle. Ein Pufferspeicher ist die letzte Maßnahme, nicht die erste.
Wie viel Wasservolumen braucht eine Wärmepumpe?
Als Faustwert rechnen Sie mit etwa 15 Litern Anlagenwasser je Kilowatt Heizleistung bei einer Spreizung von 5 Kelvin. Bei nur 3 Kelvin Spreizung steigt der Bedarf auf rund 25 Liter je Kilowatt, bei 10 Kelvin sinkt er auf etwa 8 Liter. Eine Fußbodenheizung bringt dieses Volumen oft schon mit, Heizkörperkreise selten.
Taktet eine Inverter-Wärmepumpe weniger als eine On-Off-Anlage?
Ja, deutlich. Ein Inverter moduliert typisch zwischen 30 und 100 Prozent seiner Nennleistung und kann die Abgabe so an die Gebäudelast anpassen. Unterhalb der kleinsten Stufe muss aber auch er takten. Genau deshalb wirkt sich eine Überdimensionierung bei Invertern fast genauso stark aus wie bei ungeregelten Geräten.
Schadet häufiges Takten dem Verdichter?
Ja. Jeder Start bedeutet Anlaufstrom, kurzzeitigen Ölmangel im Lager und einen Druckausgleich ohne stabile Verdampfung. Hersteller begrenzen die zulässigen Starts deshalb in der Regel auf etwa 3 pro Stunde. Ein Verdichter, der über Jahre mit 60 statt 15 Starts pro Tag läuft, erreicht die kalkulierte Lebensdauer erfahrungsgemäß nicht.
Wie stark drückt Taktung die Jahresarbeitszahl?
In der Praxis liegen 5 bis 15 Prozent Verlust im realistischen Bereich, in extremen Fällen mit sehr kurzen Laufzeiten auch mehr. Der Grund: In den ersten Minuten nach dem Start ist der Kältekreis noch nicht eingeschwungen, die Verdampfungstemperatur zu niedrig und der Wirkungsgrad entsprechend schlecht. Je kürzer der Takt, desto größer der Anteil dieser schlechten Minuten.
Woran erkenne ich eine überdimensionierte Wärmepumpe?
An sehr kurzen Laufzeiten trotz voll geöffneter Heizflächen und niedriger Heizkurve, an hoher Taktzahl gerade in der milden Übergangszeit und an einer Nennleistung, die deutlich über der Heizlast nach DIN EN 12831 liegt. Eine Auslegung nach VDI 4645 legt die Heizlast zugrunde, nicht die Wohnfläche mal einem Pauschalwert.
Hilft ein Pufferspeicher gegen die Taktung?
Er hilft gegen das Symptom, wenn wirklich zu wenig Wasser im Kreis ist. Ein in Reihe geschalteter Trennpuffer erzeugt aber eine zusätzliche Temperaturschichtung und kostet damit Vorlauftemperatur und Arbeitszahl. Prüfen Sie zuerst Ventilstellungen, Abgleich, Heizkurve und Hysterese. Bleibt danach zu wenig Volumen übrig, ist ein Reihenpuffer die sinnvollere Bauform als ein Trennspeicher.
Zählt der Warmwasserbetrieb als Taktung?
Er zählt als eigener Verdichterstart, ist aber kein Fehler. Ein bis zwei Warmwasserladungen pro Tag mit 20 bis 40 Minuten Laufzeit sind normal und effizient. Problematisch wird es, wenn die Hysterese des Speichers zu klein eingestellt ist und die Anlage mehrfach täglich für wenige Minuten nachlädt.