WALLBOX

Wallbox mit Abrechnungssystem: Backend, OCPP und Eichrecht

Ladekabel an einer Wallbox, im Hintergrund ein Elektroauto
Erst das Backend macht aus gemessenen Kilowattstunden eine Rechnung, Foto: Pexels

Eine Wallbox mit Abrechnungssystem ist mehr als eine Ladestation mit Zähler. Sie erkennt, wer gerade lädt, protokolliert Zählerstände je Ladevorgang, schickt die Daten in ein Backend und erzeugt daraus am Monatsende Belege: für den Arbeitgeber, für den Mieter, für die Eigentümergemeinschaft oder für das Finanzamt.

Dieser Ratgeber erklärt anbieterneutral, wie ein Wallbox Abrechnungssystem aufgebaut ist, was OCPP und OCPI leisten, wo die Grenze zwischen MID und Eichrecht verläuft, was ein Backend im Monat kostet und welche Lösung für Mitarbeiter, Dienstwagen, Mieter und WEG jeweils die richtige ist. Die reinen Hardwarefragen (Zähler, RFID, Kabel) verlinken wir dorthin, wo wir sie ausführlich behandeln.

Wie ein Wallbox Abrechnungssystem aufgebaut ist

Eine Wallbox mit Abrechnungssystem besteht immer aus drei Bausteinen. Wer die versteht, versteht auch, warum manche Angebote 300 € kosten und andere 3.000 €.

  1. Messung: ein Zähler in der Wallbox oder auf der Hutschiene, der die geladene Energie erfasst. Für die Abrechnung muss er MID-konform sein.
  2. Identifikation: RFID-Karte, App-Freigabe, PIN oder Autocharge über die Fahrzeugkennung. Ohne Identifikation weiß niemand, wem die Kilowattstunden gehören.
  3. Backend: eine Software, meist in der Cloud, die Ladevorgänge speichert, Tarife anwendet, Belege erzeugt und exportiert. Die Verbindung dorthin läuft über OCPP.

Ein Wallbox Abrechnungssystem ist damit kein einzelnes Gerät, sondern eine Kette. Reißt ein Glied, ist die Abrechnung wertlos: Eine Box ohne MID-Zähler liefert keine belastbaren Werte, eine Box ohne Identifikation kann Nutzer nicht trennen, und eine Box ohne OCPP hängt an der Cloud eines einzigen Herstellers.

BausteinAufgabeOhne diesen Baustein
MID-Zählerrechtssichere Messung der kWhWerte sind für die Abrechnung nicht verwendbar
RFID, App oder AutochargeZuordnung zum Nutzeralle Ladevorgänge landen auf einem Konto
OCPP-AnbindungDatenweg zum BackendHerstellerbindung, kein Anbieterwechsel
BackendTarife, Belege, Export, Nutzerverwaltungmanuelles Ablesen und Excel
Eichrechtliche SignaturNachprüfbarkeit für den Kundenkeine Abgabe gegen Entgelt an Dritte zulässig

OCPP: das offene Protokoll zum Backend

OCPP (Open Charge Point Protocol) ist die Sprache, in der eine Ladestation mit einem Backend spricht. Es ist herstellerneutral und offen, entwickelt von der Open Charge Alliance.

VersionMerkmaleBedeutung für die Abrechnung
OCPP 1.6JJSON über WebSocket, weit verbreitet, praktisch der MarktstandardLadevorgänge, Zählerwerte, RFID-Autorisierung, Smart Charging (Profile)
OCPP 2.0.1neuere Version, Sicherheitsprofile, Gerätemanagement, ISO 15118bessere Unterstützung signierter Messwerte und Plug and Charge
OCPIkein Wallbox-Protokoll, sondern Backend zu BackendGrundlage für Roaming zwischen Anbietern

Praktische Regel: Kaufen Sie keine Wallbox ohne OCPP 1.6J oder neuer, wenn Sie irgendwann abrechnen wollen. Der Aufpreis ist gering, die Freiheit groß. Sie können den Backend-Anbieter wechseln, ohne die Hardware zu tauschen. Und Sie können mehrere Ladepunkte unterschiedlicher Hersteller in einer Oberfläche verwalten.

Achten Sie zusätzlich auf zwei Details: Erstens, ob die Box gleichzeitig mit dem Backend und mit einem lokalen Energiemanagement (Modbus TCP) sprechen kann. Zweitens, ob sie bei Cloud-Ausfall weiterlädt. Manche Geräte sperren dann den Ladepunkt komplett, das ist im Alltag ärgerlich.

Datenschutz-Hinweis: Erst mit einem Klick wird das Video geladen. Dabei werden Daten an YouTube (Google) übertragen. Details in der Datenschutzerklärung. , Externes Video, wird erst per Klick geladen

MID-Zähler oder eichrechtskonforme Abrechnung?

Das ist die Frage, an der die meisten Projekte scheitern. Eine Wallbox mit Zähler ist nicht automatisch abrechnungsfähig, und eine MID-konforme Messung ist nicht automatisch eichrechtskonform.

StufeWas sie leistetWann sie reicht
Einfache Energiemessungzeigt kWh im Display oder in der Appreine Information, Kostenkontrolle
MID-Zähler (Richtlinie 2014/32/EU)konformitätsbewertete MesswerteErstattung durch den Arbeitgeber, interne Umlage
Eichrechtskonform (MessEG, MessEV)signierte, manipulationssichere, nachprüfbare MesswertketteAbgabe von Strom gegen Entgelt an Dritte

Der Unterschied ist juristisch, nicht technisch: Der MID-Zähler misst richtig. Das Eichrecht verlangt zusätzlich, dass der Kunde die Richtigkeit nachprüfen kann, ohne dem Betreiber vertrauen zu müssen. Dafür wird jeder Datensatz signiert und lässt sich mit einer Transparenzsoftware verifizieren. Diese Kette müssen Wallbox, Backend und Abrechnungssoftware gemeinsam einhalten, ein eichrechtskonformer Zähler allein genügt nicht.

Die Hardwarefragen dazu behandeln wir separat: Welcher Zähler wofür taugt, steht im Ratgeber zur Wallbox mit MID-Zähler, die Grundlagen der Messung im Ratgeber zur Wallbox mit Stromzähler. Auf dieser Seite geht es um das System darüber.

Vier Fälle: Mitarbeiter, Dienstwagen, Mieter, WEG

1. Dienstwagen zu Hause laden

Der häufigste Fall. Der Arbeitgeber erstattet den zu Hause geladenen Strom, das Finanzamt akzeptiert entweder die Pauschale oder den Einzelnachweis. Für den Einzelnachweis brauchen Sie einen MID-Zähler und einen monatlichen Beleg. Ein Backend ist möglich, aber nicht zwingend. Details und die steuerliche Behandlung stehen im Ratgeber zur Wallbox mit Zähler für den Dienstwagen.

2. Mitarbeiterladen am Firmenstandort

Mehrere Ladepunkte, viele Nutzer, unterschiedliche Berechtigungen. Hier führt kein Weg an einem Backend vorbei: RFID-Karten je Mitarbeiter, Tarife (kostenlos, vergünstigt, voller Preis), Lastmanagement über alle Ladepunkte, monatlicher Export in die Lohnbuchhaltung. Rechnen Sie mit 5 bis 12 € je Ladepunkt und Monat.

3. Vermieter und Mieter

Sobald Sie Strom gegen Entgelt an einen Mieter abgeben, wird es eichrechtlich relevant. Zwei Wege sind üblich: Entweder der Mieter bekommt einen eigenen Zähler und einen eigenen Stromliefervertrag, dann rechnet der Versorger ab und Sie sind raus. Oder Sie betreiben den Ladepunkt selbst und rechnen über ein eichrechtskonformes System ab. Die zweite Variante ist bequemer, aber teurer.

4. WEG mit mehreren Stellplätzen

In der Eigentümergemeinschaft hat jeder Eigentümer nach dem Wohnungseigentumsgesetz Anspruch auf den Einbau einer Ladeeinrichtung. Praktisch sinnvoll ist eine gemeinsame Infrastruktur mit Lastmanagement und einem Backend, das jedem Eigentümer seinen Verbrauch zuordnet. Der Vorteil: Ein gemeinsamer Anschluss statt sechs einzelner Zuleitungen, dazu ein dynamisches Lastmanagement, das den Hausanschluss schützt.

Backend, Roaming und OCPI

Das Backend ist die Software, in der Ihre Ladepunkte, Nutzer, Karten und Tarife leben. Es empfängt per OCPP jeden Ladevorgang mit Start- und Endzählerstand und erzeugt daraus Belege. Anbieter gibt es viele, wir nennen bewusst keine, weil sich Preise und Funktionsumfang häufig ändern. Achten Sie stattdessen auf diese Funktionen:

  • Nutzerverwaltung: Karten anlegen, sperren, Gruppen und Tarife zuordnen.
  • Tarifmodelle: ct/kWh, Zeittarif, Blockiergebühr, Kostenlos-Kontingent für Mitarbeiter.
  • Export: CSV, PDF-Belege, Schnittstelle zur Buchhaltung (DATEV oder generisch).
  • Lastmanagement: Smart-Charging-Profile über OCPP, statisch oder dynamisch.
  • Eichrechtliche Ablage: signierte Datensätze und Transparenzsoftware für den Kunden.
  • Roaming über OCPI: Ihr Ladepunkt wird für fremde Ladekarten nutzbar.

Roaming brauchen Sie nur, wenn Fremde laden sollen. Für den privaten Stellplatz oder den reinen Mitarbeiterparkplatz ist es unnötiger Ballast. Wer dagegen einen Kundenparkplatz öffentlich macht, braucht neben dem Roaming auch die Preisauszeichnung, die Registrierung des Ladepunkts bei der Bundesnetzagentur und ein Ad-hoc-Bezahlverfahren nach der Ladesäulenverordnung.

Was kostet ein Backend im Monat?

PostenKostenAnmerkung
Einrichtung, einmalig0–200 € je LadepunktKonfiguration, Inbetriebnahme, Kartenausgabe
Basis-Backend (OCPP, RFID, Export)3–8 € je Ladepunkt und Monatausreichend für Mitarbeiterladen ohne Entgelt
Backend mit Eichrecht und Rechnungsstellung8–15 € je Ladepunkt und Monatnötig bei Abgabe gegen Entgelt
Roaming über OCPI+2–5 € je Ladepunkt und Monatplus Transaktionsgebühr je fremdem Ladevorgang
Dienstleister für Dienstwagen-Erstattung3–8 € je Fahrzeug und Monatautomatischer Beleg an die Lohnbuchhaltung
SIM-Karte, falls kein LAN oder WLAN3–6 € je Monatnur bei Mobilfunkanbindung
RFID-Karten3–10 € je Karteeinmalig, Ersatzkarten einkalkulieren

Rechenbeispiel WEG: sechs Ladepunkte, Backend mit Eichrecht zu 10 € je Ladepunkt und Monat, das sind 720 € im Jahr für die gesamte Anlage, also 120 € je Eigentümer. Dem stehen sechs einzelne Zähler samt Zuleitung und Zählerplatz gegenüber, die einmalig schnell 6.000 bis 12.000 € kosten würden. Genau darum setzt sich die gemeinsame Infrastruktur mit Backend in der WEG durch.

Für einen einzigen privaten Ladepunkt sieht die Rechnung anders aus: 120 € pro Jahr für ein Backend, nur um dem Arbeitgeber einen Zählerstand zu melden, lohnt selten. Da genügt eine Wallbox mit Zähler in MID-Ausführung und ein Foto vom Display.

Wallbox mit App und WLAN

Eine Wallbox mit App ist im Abrechnungskontext mehr als Spielerei: Sie ist die Oberfläche, in der Nutzer ihre Ladevorgänge sehen, Belege herunterladen und Ladeziele setzen. Eine Wallbox mit WLAN ist dafür der übliche Anbindungsweg, Alternativen sind LAN (stabiler, in der Tiefgarage klar zu bevorzugen) und Mobilfunk über eine SIM-Karte.

Zwei Regeln aus der Praxis: Erstens gehört die Wallbox in einer Tiefgarage per LAN oder PowerLine ans Netz, weil WLAN dort selten trägt. Zweitens muss die App-Funktion offline weiterarbeiten, mindestens für das reine Laden. Fällt der Herstellerserver aus und Ihr Ladepunkt steht still, ist das ein Ausfall, den Sie nicht kontrollieren können.

Lastmanagement, Lademanagement und 2 Ladepunkte

Sobald mehrere Fahrzeuge an einer Anlage hängen, ist eine Wallbox mit Lastmanagement Pflicht. Ein Hausanschluss ist typisch mit 3 x 35 A oder 3 x 63 A abgesichert, sechs Ladepunkte zu je 11 kW würden 66 kW ziehen, das hält keine Hauptsicherung aus.

  • Statisches Lastmanagement: Eine feste Gesamtleistung wird auf die Ladepunkte verteilt, etwa 22 kW auf vier Fahrzeuge.
  • Dynamisches Lastmanagement: Ein Stromsensor am Hausanschluss misst die aktuelle Gesamtlast, die Ladepunkte bekommen nur die freie Restleistung. Das ist die richtige Variante, sobald auch Wärmepumpe, Herd und Aufzug am selben Anschluss hängen.
  • Wallbox mit 2 Ladepunkten: Ein Gerät, zwei Ladebuchsen, gemeinsame Zuleitung. Ohne interne Leistungsverteilung wird die Zuleitung überlastet, deshalb bringt praktisch jede solche Box ein Lademanagement mit.

Der Begriff Wallbox mit Lademanagement meint strenger die zeitliche Steuerung: Priorisierung von Fahrzeugen, Ladeziel bis zu einer Uhrzeit, Laden zu günstigen Tarifzeiten. Über OCPP werden beide Aufgaben mit Smart-Charging-Profilen aus dem Backend gesteuert, damit lässt sich eine ganze Tiefgarage aus einer Oberfläche regeln.

Seit der Neuregelung von §14a EnWG muss jede neue Ladeeinrichtung steuerbar sein: Der Netzbetreiber darf im Engpass auf 4,2 kW absenken, im Gegenzug sinken die Netzentgelte.

Abrechnung bei PV-Strom: Wallbox mit Photovoltaik

Sobald eine Solaranlage im Spiel ist, wird die Abrechnung interessanter, denn Solarstrom und Netzstrom haben unterschiedliche Preise. Die Frage Wie funktioniert eine Wallbox mit Photovoltaik beantwortet sich in vier Schritten:

  1. Ein Smart Meter am Netzanschlusspunkt misst sekündlich die Einspeisung ins Netz.
  2. Der Messwert geht per Modbus TCP, WLAN oder Herstellerprotokoll an die Wallbox oder das Energiemanagement.
  3. Die Ladeleistung wird stufenlos so nachgeführt, dass die Einspeisung gegen null geht.
  4. Reicht die Sonne nicht, wird einphasig weitergeladen oder pausiert, je nach Modus.

Eine Wallbox mit Phasenumschaltung ist dabei der entscheidende Hebel. Dreiphasig lädt ein Fahrzeug erst ab rund 4,2 kW (3 x 6 A), einphasig schon ab etwa 1,4 kW. Eine Wallbox mit automatischer Phasenumschaltung deckt daher den gesamten Bereich von 1,4 kW bis 11 kW ab und nutzt auch schwache Überschüsse im Frühjahr und Herbst.

BetriebsartMinimale LadeleistungMaximale Ladeleistung
Einphasig, 6 bis 16 Aca. 1,4 kWca. 3,7 kW
Dreiphasig, 6 bis 16 Aca. 4,2 kW11 kW
Dreiphasig, 6 bis 32 Aca. 4,2 kW22 kW

Für die Abrechnung entscheidend: Das System muss Solaranteil und Netzanteil je Ladevorgang getrennt ausweisen. Nur dann können Sie dem Dienstwagenfahrer den Netzstrom in Rechnung stellen und den Solarstrom mit einem eigenen, niedrigeren Satz ansetzen. Eine Wallbox mit PV-Anlage ohne diese Trennung wirft alles in einen Topf. Wer eine PV-Anlage mit Wallbox plant, sollte das Energiemanagement von Anfang an mitdenken, statt es später anzuflanschen. Wie das Überschussladen im Detail funktioniert, steht im Ratgeber zum Wallbox-Überschussladen.

Zwei Begriffe aus der Werbung sollten Sie einordnen können: Eine Wallbox mit Solarpanel im Sinne eines direkt angeschlossenen Moduls gibt es im Hausbereich nicht. Und was als Wallbox mit Solarladefunktion beworben wird, ist immer die oben beschriebene Überschussregelung über den Hauszähler. Auch eine Wallbox mit Solar ist nichts anderes.

Wallbox mit Solar und Speicher

Eine Wallbox mit Speicher im Haus wirft die Prioritätsfrage auf: Soll der Solarstrom zuerst in die Batterie oder ins Auto? Ein gutes Energiemanagement lässt Sie das festlegen.

PrioritätWirkungSinnvoll wenn
Auto vor SpeicherFahrzeug lädt zuerst mit Sonnenstromtägliche Fahrten, kleiner Hausspeicher
Speicher vor AutoHausspeicher wird zuerst gefüllthoher Abendverbrauch, Auto steht länger
Parallel mit MindestladestandSpeicher bis z. B. 50 %, dann Autobester Kompromiss im Alltag

Eine Wallbox mit Solar und Speicher kostet immer Wirkungsgrad: Der Umweg über die Batterie frisst 10 bis 15 Prozent durch Lade- und Entladeverluste. Direkt aus der Sonne ins Auto zu laden ist deshalb effizienter, als den Strom zuerst zu speichern. Wie groß ein Hausspeicher sinnvollerweise ausfällt, rechnen wir im Ratgeber zum Stromspeicher mit 20 kWh vor.

Balkonkraftwerk, Inselanlage und Solarcarport

Balkonkraftwerk mit Wallbox

Die Kombination aus Balkonkraftwerk mit Wallbox klingt naheliegend, funktioniert aber nicht so, wie viele erwarten. Ein Balkonkraftwerk speist nach dem Solarpaket I maximal 800 W Wechselstrom ein, ein Fahrzeug nimmt einphasig aber erst ab etwa 1,4 kW Ladeleistung an. Direktes Überschussladen fällt damit aus.

Sinnvoll ist eine Wallbox mit Balkonkraftwerk nur indirekt: Die 800 W decken die Grundlast des Haushalts (Kühlschrank, Router, Standby), sodass beim Laden weniger Netzstrom für den Rest des Hauses draufgeht. Mit einem kleinen Speicher lässt sich der Ertrag zudem in die Abendstunden verschieben. Mehr dazu im Ratgeber zum Balkonkraftwerk mit 300 W.

PV-Inselanlage mit Wallbox

Eine PV-Inselanlage mit Wallbox ohne Netzanschluss ist möglich, aber aufwendig: Sie brauchen einen Batteriewechselrichter, der ein stabiles 400-V-Netz aufbaut, einen ausreichend großen Speicher und eine Wallbox, die mit schwankender Frequenz umgeht. Abrechnen lässt sich dort trotzdem, denn der Zähler in der Box misst unabhängig vom Netz. Für ein Wochenendhaus mit geringer Fahrleistung kann das eine Lösung sein, im Regelfall ist der netzgekoppelte Betrieb günstiger.

Carport mit Solardach und Wallbox

Ein Carport mit Solardach und Wallbox ist die eleganteste Kombination: Die Module sitzen genau dort, wo das Auto steht, die Leitungswege sind kurz. Rechnen Sie mit 3 bis 6 kWp auf einem Doppelcarport, das sind etwa 2.800 bis 5.500 kWh Jahresertrag. Baurechtlich ist ein Carport in vielen Bundesländern verfahrensfrei, prüfen Sie aber Landesbauordnung und Abstandsflächen.

Anschluss: Starkstrom, Stecker und FI-Schalter

Eine Wallbox mit Starkstromanschluss (400 V, dreiphasig) ist der Normalfall: Bei 11 kW fließen 16 A je Phase, bei 22 kW sind es 32 A. Die Zuleitung wird meist als 5 x 2,5 mm² oder 5 x 6 mm² ausgeführt, abhängig von Länge und Verlegeart.

VarianteLeistungBedeutung fürs Abrechnungssystem
Fest angeschlossen, Typ-2-Kabelbis 22 kWStandard, volle Backend-Anbindung möglich
Wallbox mit Stecker (Typ-2-Buchse)bis 22 kWflexibel, wenn mehrere Fahrzeuge eigene Kabel nutzen
Wallbox mit CEE-Stecker (rot, 16 oder 32 A)11 oder 22 kWmobil und mitnehmbar, Abrechnung bleibt möglich
Wallbox mit Schuko-Steckdosemax. 2,3 kWnur Notladung, für Abrechnung kaum praktikabel

Eine Wallbox mit CEE-Stecker ist die richtige Wahl für alle, die umziehen könnten: Es wird nur eine Starkstromdose gesetzt, die Box wandert später mit. Eine Wallbox mit Schuko-Steckdose dagegen ist auf 2,3 kW begrenzt und für den Dauerbetrieb ungeeignet, denn Haushaltssteckdosen sind für stundenlange Volllast nicht ausgelegt.

Wallbox mit FI-Schalter

Vorgeschrieben ist ein Fehlerstromschutzschalter Typ A plus eine Gleichfehlerstromerkennung ab 6 mA (RDC-DD). Eine Wallbox mit FI-Schalter und integrierter DC-Erkennung spart den teuren FI Typ B im Verteiler, der allein 150 bis 300 € kostet. Die Auslegung erfolgt nach VDE 0100-722, ausführen darf sie nur eine Elektrofachkraft. Welche Kabelvarianten und Stecker es gibt, vertieft der Ratgeber zum Wallbox-Kabel.

Wallbox mit Montage und Standfuß

Bei einer Wallbox mit Montage als Paketangebot sollten diese Leistungen enthalten sein: Zuleitung inklusive Verlegung, Absicherung im Verteiler (FI und LS), Anschluss und Konfiguration, Anbindung ans Backend, Anmeldung beim Netzbetreiber, Messprotokoll nach VDE 0100-600 und eine Einweisung. Fehlt die Backend-Konfiguration im Angebot, wird sie später separat berechnet.

Steht keine Wand am Stellplatz, kommt eine Wallbox mit Standfuß zum Einsatz, also eine freistehende Stele mit Punktfundament. Ein Wallbox Standfuß mit Dach schützt zusätzlich Gerät und Stecker vor Regen und Schnee, was gerade auf einem Mitarbeiterparkplatz mit vielen Steckvorgängen die Lebensdauer verlängert. Alle Maße, Fundamente und Kosten dazu stehen im Ratgeber zum Wallbox Standfuß.

Wallbox mit Shelly steuern

Wer die Wallbox mit Shelly steuern möchte, hat zwei Wege: Entweder schaltet ein Shelly-Relais den potenzialfreien Freigabekontakt der Wallbox, dann lässt sich das Laden per Automatisierung starten und stoppen. Oder ein Shelly-Energiemessgerät liefert die Einspeisewerte an ein Energiemanagement, das daraus die Ladeleistung regelt.

Wichtig: Eine solche Bastellösung ersetzt kein Abrechnungssystem. Sie steuert die Leistung, sie protokolliert aber keine rechtssicheren Ladevorgänge und ordnet sie keinem Nutzer zu. Wer messen und abrechnen will, braucht MID-Zähler, Identifikation und OCPP. Für die reine Verbrauchskontrolle im Haushalt genügt dagegen ein einfaches Messgerät, wie wir es im Strommessgeräte-Ratgeber vorstellen.

Unsere Empfehlung

Wie wir bewerten, lesen Sie auf unserer Methodik-Seite. Anbieter und Modellnummern nennen wir bewusst nicht, weil Backend-Preise und Firmware-Stände häufig wechseln. Entscheidend sind die Funktionen oben.

Kaufberatung: 8 Kriterien

1. OCPP 1.6J oder 2.0.1

Ohne offenes Protokoll keine Anbieterfreiheit. Steht im Datenblatt nur "Cloud-Anbindung", fragen Sie nach.

2. MID-konformer Zähler

Nur MID-Werte taugen zur Abrechnung. Eine bloße "Energiemessung" ist kein Ersatz.

3. Eichrecht, falls Sie Entgelt nehmen

Signierte Datensätze und Transparenzsoftware. Die ganze Kette muss es können, nicht nur der Zähler.

4. Nutzerverwaltung

RFID, App oder Autocharge, mit Gruppen, Tarifen und Sperrfunktion. Ersatzkarten einplanen.

5. Lastmanagement

Dynamisch, sobald Wärmepumpe oder ein zweiter Ladepunkt am selben Anschluss hängen.

6. Verbindung

LAN in der Tiefgarage, WLAN im Carport, Mobilfunk nur, wenn beides fehlt. Offline-Weiterbetrieb prüfen.

7. Export in die Buchhaltung

CSV und PDF-Beleg je Nutzer, idealerweise eine Schnittstelle zur Lohn- oder Finanzbuchhaltung.

8. Laufende Kosten

Rechnen Sie das Backend über fünf Jahre. Bei 10 € je Ladepunkt und Monat sind das 600 € je Ladepunkt.

Typische Fehler

Der erste Fehler: eine Wallbox ohne OCPP kaufen und später feststellen, dass sich nur die Cloud des Herstellers anbinden lässt, zu dessen Preisen. Der zweite: MID mit Eichrecht verwechseln und Strom gegen Entgelt an Mieter abgeben, ohne dass die Messwertkette signiert ist. Der dritte: das Backend in der Investitionsrechnung vergessen, dabei kostet es über zehn Jahre oft mehr als die Hardware. Der vierte: die Wallbox in der Tiefgarage per WLAN anbinden wollen, wo kein Signal ankommt. Und der fünfte: ein Abrechnungssystem für einen einzigen privaten Ladepunkt einrichten, obwohl ein MID-Zähler mit monatlichem Ablesen völlig genügt hätte.

🏆 Pflicht bei mehreren Nutzern

Fazit zur Wallbox mit Abrechnungssystem

4.5/ 5

Sobald mehr als eine Person an derselben Anlage lädt oder Strom gegen Entgelt abgegeben wird, führt kein Weg an OCPP, MID-Zähler und einem Backend vorbei.

Für den einzelnen privaten Ladepunkt bleibt der MID-Zähler mit RFID die günstigere Lösung. Ab etwa drei Ladepunkten oder bei Abgabe gegen Entgelt rechnet sich das Backend, weil es einzelne Zähler und Zuleitungen einspart.

Fazit

Eine Wallbox mit Abrechnungssystem ist die Antwort auf eine organisatorische, nicht auf eine technische Frage: Wer bekommt die Rechnung? Für den eigenen Haushalt genügt ein MID-Zähler. Für Mitarbeiter, Mieter oder eine WEG brauchen Sie die volle Kette aus Messung, Identifikation und Backend, verbunden über OCPP 1.6J oder 2.0.1. Sobald Strom gegen Entgelt an Dritte fließt, kommt das Eichrecht nach MessEG und MessEV dazu, und die Kette muss durchgängig signiert sein. Kalkulieren Sie das Backend mit 3 bis 15 € je Ladepunkt und Monat, planen Sie Lastmanagement von Anfang an ein und achten Sie darauf, dass die Anlage bei einem Cloud-Ausfall weiterlädt.

Weiterführende Links und Quellen

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen einer Wallbox mit Zähler und einer Wallbox mit Abrechnungssystem?

Ein Zähler misst, ein Abrechnungssystem rechnet ab. Eine Wallbox mit Zähler zeigt Ihnen die geladene Energiemenge an, mehr nicht. Eine Wallbox mit Abrechnungssystem ordnet jeden Ladevorgang einem Nutzer zu, speichert Startzählerstand, Endzählerstand, Dauer und Tarif, überträgt die Daten per OCPP in ein Backend und erzeugt daraus Belege je Nutzer. Erst diese lückenlose Kette macht eine Weiterberechnung möglich.

Brauche ich für die Erstattung durch den Arbeitgeber ein Backend?

Meistens nicht. Für die Erstattung des zu Hause geladenen Dienstwagenstroms reicht in aller Regel ein MID-konformer Zähler, dessen Zählerstände Sie monatlich ablesen und einreichen. Ein Backend lohnt sich, sobald der Arbeitgeber viele Mitarbeiter erstattet und die Belege automatisiert erzeugt werden sollen, oder wenn im Haushalt mehrere Fahrzeuge an derselben Wallbox laden und sauber getrennt werden müssen.

Was ist OCPP und warum ist es so wichtig?

OCPP steht für Open Charge Point Protocol und ist der offene Standard, über den eine Wallbox mit einem Backend spricht. Verbreitet ist OCPP 1.6J (JSON über WebSocket), moderner ist OCPP 2.0.1 mit besserer Unterstützung für Smart Charging, Sicherheitsprofile und eichrechtliche Datensätze. Eine Wallbox mit OCPP lässt sich an praktisch jedes Backend anbinden und später zu einem anderen Anbieter umziehen. Ohne OCPP sind Sie auf die Cloud des Herstellers festgelegt.

Wann muss eine Wallbox eichrechtskonform sein?

Sobald Sie elektrische Energie gegen Entgelt an Dritte abgeben. Das betrifft Vermieter, die Ladestrom an Mieter weiterberechnen, Betreiber halböffentlicher Ladepunkte, Hotels, Handwerksbetriebe mit Kundenparkplatz und den gewerblichen Ladepunktbetrieb. Dann gelten MessEG und MessEV: Die Messwerte müssen signiert, manipulationssicher und für den Kunden nachprüfbar sein. Für den eigenen Haushalt und für die Erstattung durch den Arbeitgeber genügt ein MID-Zähler.

Was kostet ein Wallbox Abrechnungssystem im Monat?

Ein einfaches Backend liegt bei 3 bis 8 € pro Ladepunkt und Monat, Systeme mit eichrechtskonformer Datenkette, Rechnungsstellung und Roaming bei 8 bis 15 €. Kommt ein Dienstleister für die Mitarbeitererstattung hinzu, kalkulieren Sie 3 bis 8 € je Fahrzeug und Monat. Einmalig fallen Einrichtungskosten von 0 bis 200 € an. Für einen einzigen privaten Ladepunkt lohnt sich das selten, für fünf Stellplätze in einer WEG dagegen fast immer.

Wie funktioniert eine Wallbox mit Photovoltaik?

Ein Smart Meter am Netzanschlusspunkt misst sekündlich, wie viel Strom gerade eingespeist wird. Diesen Überschuss meldet er der Wallbox oder dem Energiemanagement, das die Ladeleistung stufenlos nachführt, bis die Einspeisung gegen null geht. Weil ein Fahrzeug dreiphasig erst ab rund 4,2 kW lädt, braucht eine gute PV-Wallbox eine automatische Phasenumschaltung: bei wenig Sonne einphasig ab etwa 1,4 kW, bei viel Sonne dreiphasig bis 11 kW. Für die Abrechnung ist wichtig, dass das System Solaranteil und Netzanteil getrennt ausweist.

Kann ich mehrere Nutzer an einem Ladepunkt abrechnen?

Ja, genau dafür ist ein Abrechnungssystem da. Jeder Nutzer bekommt eine RFID-Karte oder einen App-Zugang, die Wallbox gibt nur nach Autorisierung frei und schreibt den Ladevorgang dem jeweiligen Konto zu. Am Monatsende exportiert das Backend eine Liste je Nutzer mit Datum, Dauer, kWh und Betrag. In einer WEG mit sechs Stellplätzen ist das der übliche Weg, weil ein separater Zähler je Stellplatz im Zählerschrank kaum unterzubringen wäre.

Was ist Roaming und brauche ich es?

Roaming bedeutet, dass fremde Fahrer mit ihrer eigenen Ladekarte an Ihrem Ladepunkt laden und die Abrechnung über deren Anbieter läuft. Technisch geschieht das über OCPI zwischen den Backends. Für einen privaten Stellplatz brauchen Sie das nicht. Interessant wird es für Gewerbe: Hotel, Restaurant, Werkstatt oder Kanzlei mit Kundenparkplatz. Dann kommen allerdings Eichrecht, Preisauszeichnung und die Registrierung des Ladepunkts als Pflichten dazu.

Funktioniert die Abrechnung auch ohne Internet?

Eingeschränkt. Viele Wallboxen puffern die Ladevorgänge lokal und übertragen sie, sobald die Verbindung wieder steht. Für den Alltag reicht das. Dauerhaft offline lässt sich ein Backend aber nicht betreiben, denn Autorisierung, Tarife und Belegerstellung laufen dort. Achten Sie darauf, dass die Wallbox bei Ausfall der Cloud weiterlädt, notfalls mit einer lokal hinterlegten Freigabeliste, statt den Ladepunkt komplett zu sperren.

Redaktion WattRatgeber Kaufberatung Haus-Energie

Wir vergleichen Haus-Energie-Produkte anhand von Herstellerdaten, Normen und unabhängigen Tests (Stiftung Warentest, Öko-Test), herstellerunabhängig und transparent.

Zuletzt aktualisiert: . So testen wir