Solaranlage für den Camper: Auslegung, Laderegler und Batterie ohne Rechenfehler
Eine Solaranlage Camper wird fast immer nach dem falschen Kriterium gekauft: nach der Modulleistung in Watt. Entscheidend ist aber die Bilanz zwischen dem, was Sie pro Tag in Amperestunden verbrauchen, und dem, was das Dach in Ihrer Reisesaison tatsächlich liefert. Zwischen Juni und Dezember unterscheidet sich der Ertrag desselben Moduls um den Faktor zehn.
Dieser Ratgeber rechnet die Anlage von hinten auf: erst der Verbrauch je Gerät, dann der Ertrag je Jahreszeit, dann Laderegler, Batterie und Befestigung. Wir sagen dabei auch deutlich, wann sich das Dach nicht lohnt und eine Powerstation oder ein Ladebooster über die Lichtmaschine die ehrlichere Lösung ist.
Wie eine 12-V-Inselanlage im Camper aufgebaut ist
Eine Solaranlage Camper hat mit einer Dachanlage am Haus außer dem Modul kaum etwas gemeinsam. Es gibt keinen Wechselrichter, der ins Netz einspeist, keinen Zähler und keinen Netzbetreiber. Stattdessen arbeitet ein Gleichstromkreis auf 12 Volt: Modul, Laderegler, Aufbaubatterie, Sicherungen, Verbraucher. Ein 230-V-Wechselrichter kommt nur dazu, wenn Sie Geräte mit Netzstecker betreiben wollen.
Diese Trennung ist wichtig, weil sie die gesamte Auslegung bestimmt. Am Haus ist der Ertrag über das Jahr entscheidend, im Fahrzeug zählt nur die Tagesbilanz an dem Standplatz, an dem Sie gerade stehen. Eine Anlage, die im Juli 200 Prozent Überschuss produziert und im Oktober 40 Prozent des Bedarfs deckt, ist im Jahresmittel gut ausgelegt und trotzdem im Alltag unbrauchbar.
Camper Solaranlage Set oder Einzelteile
Ein Camper Solaranlage Set bündelt Modul, Regler, Kabel, Dachdurchführung und Halter. Für den Einstieg bis etwa 200 Wp ist das sinnvoll, weil die Teile zusammenpassen und Sie keine Steckverbinder vergessen. Ab 300 Wp und spätestens bei einer Lithiumbatterie lohnt der Einzelkauf, denn in günstigen Sets stecken oft ein PWM-Regler und Leitungen mit 2,5 mm², die für den Strom zu dünn sind. Wer eine feste Komplettlösung für Haus oder Garten sucht, findet die Unterschiede im Ratgeber zum Solaranlage Komplettset.
Verbrauchsbilanz in Amperestunden
Rechnen Sie nicht in Watt, sondern in Amperestunden bei 12 Volt. Das ist die Einheit, in der Ihre Batterie denkt. Ein Gerät mit 60 Watt zieht 5 Ampere, in vier Stunden also 20 Ah. Die folgende Tabelle enthält typische Werte, die Sie mit einem Messgerät am eigenen Fahrzeug nachprüfen können.
| Verbraucher | Leistung | Nutzung pro Tag | Bedarf in Ah bei 12 V |
|---|---|---|---|
| Kompressorkühlschrank 100 l | 45 W, Laufzeit 30 bis 45 % | 24 h | 25 bis 40 Ah |
| LED-Innenbeleuchtung, 6 Leuchten | je 3 W | 4 h | 6 Ah |
| Wasserpumpe | 50 W | 15 min | 1 bis 2 Ah |
| Heizungsgebläse Warmluftheizung | 12 bis 45 W | 8 h Taktbetrieb | 8 bis 25 Ah |
| Laptop über Wechselrichter | 60 W plus 10 % Wandlerverlust | 3 h | 16 Ah |
| Zwei Smartphones laden | je 15 W | 2 h | 5 Ah |
| TV oder Monitor 24 Zoll | 30 W | 2 h | 5 Ah |
| Standby Regler, Alarm, Radio aus | 2 bis 5 W | 24 h | 4 bis 10 Ah |
Daraus ergeben sich drei ehrliche Nutzerprofile. Wochenendreisende ohne Kühlschrank landen bei 20 bis 35 Ah pro Tag. Ein Paar mit Kompressorkühlschrank im Sommer liegt bei 60 bis 90 Ah. Wintercamper mit Heizungsgebläse und wenig Sonne kommen auf 80 bis 110 Ah und decken davon über das Dach fast nichts.
Hinweis: Wir nennen bewusst keine Modellnummern und keine Produktpreise. Die Ah-Werte stammen aus Leistungsangaben mal Laufzeit und lassen sich mit einem Batteriecomputer am eigenen Fahrzeug nachmessen.
Modulleistung und Tagesertrag je Jahreszeit
Ein Modul auf einem Fahrzeugdach liegt praktisch waagerecht. Das kostet gegenüber der optimal geneigten Hausanlage über das Jahr rund 10 bis 15 Prozent, im Winter deutlich mehr, weil die Sonne dann flach steht. Hinzu kommen Temperaturverluste, Reglerverluste und Verschmutzung. Die folgenden Werte sind Erfahrungswerte für Deutschland bei flacher Montage und bereits abzüglich dieser Verluste.
| Zeitraum | 100 Wp | 200 Wp | 400 Wp | Entspricht bei 12 V |
|---|---|---|---|---|
| Juni, klarer Tag | 350 bis 450 Wh | 700 bis 900 Wh | 1.400 bis 1.800 Wh | 28 bis 36 Ah je 100 Wp |
| Juni, bedeckt | 80 bis 140 Wh | 160 bis 280 Wh | 320 bis 560 Wh | 6 bis 11 Ah je 100 Wp |
| April und September | 200 bis 280 Wh | 400 bis 560 Wh | 800 bis 1.120 Wh | 16 bis 22 Ah je 100 Wp |
| Oktober | 90 bis 140 Wh | 180 bis 280 Wh | 360 bis 560 Wh | 7 bis 11 Ah je 100 Wp |
| Dezember | 25 bis 60 Wh | 50 bis 120 Wh | 100 bis 240 Wh | 2 bis 5 Ah je 100 Wp |
Vergleichen Sie diese Zahlen mit Ihrem Bedarf, und die Auslegung fällt von selbst. Wer im Sommer 70 Ah pro Tag braucht, deckt das mit 200 bis 300 Wp bei Sonne, bei zwei bedeckten Tagen in Folge aber nicht mehr. Dann muss die Batterie den Puffer stellen, nicht das Dach. Wer den Bedarf lieber ganz vom Fahrzeug entkoppelt, sollte sich die Alternative in unserem Text zum mobilen Stromspeicher ansehen.
Modulfläche gegen Dachlast und Befestigung ohne Bohren
Auf dem Dach konkurrieren drei Dinge: die Fläche, die zulässige Dachlast und die Zuladung des Fahrzeugs. Die Fläche ist meist knapper als gedacht, weil Dachluke, Antenne, Sat-Anlage und gegebenenfalls eine Wohnmobil-Klimaanlage bereits Platz belegen und Schatten werfen.
| Modultyp | Gewicht je 100 Wp | Fläche je 100 Wp | Bauhöhe mit Halter | Lebensdauer |
|---|---|---|---|---|
| Starres Glas-Alu-Modul | 6 bis 8 kg | 0,5 bis 0,6 m² | 40 bis 60 mm | 20 bis 25 Jahre |
| Semiflexibles Modul, geklebt | 2 bis 3 kg | 0,5 bis 0,6 m² | 3 bis 8 mm | 5 bis 10 Jahre |
| Leichtbaumodul mit Rahmen | 4 bis 5 kg | 0,5 bis 0,6 m² | 25 bis 40 mm | 10 bis 20 Jahre |
| Faltbares Modul, mobil | 4 bis 6 kg | aufgestellt frei | entfällt | 5 bis 10 Jahre |
Semiflexible Module sind verlockend leicht, altern aber schneller: Sie liegen ohne Hinterlüftung direkt auf dem Dach, werden dadurch deutlich wärmer und verlieren Leistung. Rechnen Sie mit rund 0,3 bis 0,4 Prozent Leistungsverlust je Grad Zellentemperatur über 25 Grad. Ein starres Modul mit 4 bis 6 cm Luft darunter bleibt spürbar kühler und liefert an heißen Tagen mehr.
Befestigung ohne Bohren
Auf GFK- und Aluminiumdächern ist die Klebemontage der Normalfall, nicht die Notlösung. Verklebt werden nicht die Module selbst, sondern Kunststoffhalter oder Spoiler mit einem Polyurethan-Klebstoff für Fahrzeugaufbauten. Entscheidend sind vier Punkte: Fläche entfetten, passenden Primer verwenden, ausreichend Klebefläche je Halter vorsehen und die vollständige Aushärtezeit von 24 bis 48 Stunden abwarten, bevor das Fahrzeug bewegt wird.
Die Kräfte sind real. Bei 100 km/h wirkt auf eine angeströmte Fläche ein Staudruck von rund 460 Pascal, das entspricht etwa 46 Kilogramm je Quadratmeter. Deshalb gehören Spoiler an die Vorderkante und die Halter an alle vier Modulecken, nicht nur an zwei. Die Kabeldurchführung wird ebenfalls geklebt und zusätzlich mit einer Dachdurchführung abgedichtet, deren Kante nach hinten zeigt.
Laderegler: PWM oder MPPT
Der Laderegler ist das Bauteil, an dem am häufigsten gespart und am meisten verloren wird. Ein PWM-Regler ist im Grunde ein getakteter Schalter: Er verbindet Modul und Batterie und zieht das Modul damit auf Batteriespannung herunter. Ein klassisches 36-Zell-Modul hat aber eine MPP-Spannung von etwa 18 Volt. Arbeitet es bei 13,8 Volt, gehen rund 23 Prozent der möglichen Leistung verloren, weil der Strom gleich bleibt und nur die Spannung sinkt.
| Kriterium | PWM | MPPT |
|---|---|---|
| Typischer Mehrertrag | Referenz | 10 bis 30 % mehr |
| Arbeitspunkt des Moduls | gezwungen auf Batteriespannung, 13 bis 14,4 V | geregelt auf den MPP, 17 bis 19 V |
| Zulässige Module | nur 36-Zell-Module für 12 V | auch 60- und 72-Zell-Hausmodule |
| Verhalten bei Kälte | schlecht, MPP-Spannung steigt und wird verschenkt | gut, der Regler nutzt die höhere Spannung |
| Verhalten bei diffusem Licht | schwach | deutlich besser, startet früher |
| Eigenverbrauch | 4 bis 10 mA | 10 bis 35 mA |
| Preisklasse für 20 A | 20 bis 60 Euro | 80 bis 220 Euro |
| Sinnvoll ab | bis etwa 100 Wp | ab etwa 150 Wp |
Die Regel ist einfach: Bis 100 Wp und bei knappem Budget ist PWM vertretbar, darüber ist MPPT die richtige Wahl. Wichtig ist außerdem das passende Ladeprofil. Ein Regler für Blei lädt LiFePO4 falsch, weil er eine Erhaltungsladung mit konstanter Spannung fährt, die eine Lithiumbatterie nicht braucht und auf Dauer nicht mag. Achten Sie auf einen einstellbaren Batterietyp.
Sicherungen und Querschnitte
- Sicherung zwischen Regler und Batterie gehört direkt an den Pluspol der Batterie, dimensioniert auf den Ladestrom plus etwa 25 Prozent.
- Spannungsfall im 12-V-Kreis unter 3 Prozent halten, das sind etwa 0,4 Volt.
- 10 Ampere über 5 Meter einfache Länge: 4 mm² genügen, der Fall liegt bei rund 0,44 Volt.
- 20 Ampere über 5 Meter: 6 bis 10 mm² vorsehen, sonst verheizen Sie den MPPT-Gewinn in der Leitung.
- Solarkabel auf dem Dach müssen UV-beständig sein, normale Fahrzeugleitung wird dort spröde.
Aufbaubatterie: AGM oder LiFePO4
Die Nennkapazität auf dem Etikett sagt wenig. Entscheidend ist die nutzbare Kapazität, und die hängt an der Entladetiefe, die der Chemie zumutbar ist. Wer eine Blei-Säure-Batterie regelmäßig tief entlädt, halbiert ihre Lebensdauer innerhalb einer Saison.
| Batterietyp | Sinnvolle Entladetiefe | Nutzbar aus 100 Ah | Zyklen | Gewicht je 100 Ah |
|---|---|---|---|---|
| Nassbatterie, Starterbauart | 30 % | 30 Ah | 150 bis 300 | 22 bis 26 kg |
| AGM | 50 % | 50 Ah | 300 bis 600 | 25 bis 30 kg |
| Gel | 50 bis 60 % | 50 bis 60 Ah | 500 bis 800 | 27 bis 32 kg |
| LiFePO4 mit BMS | 80 bis 90 % | 80 bis 90 Ah | 2.000 bis 5.000 | 10 bis 13 kg |
Rechnen Sie das auf Ihren Bedarf um. Bei 70 Ah Tagesverbrauch und zwei autarken Tagen brauchen Sie 140 Ah nutzbar, also rund 280 Ah AGM mit etwa 75 Kilogramm oder rund 160 Ah LiFePO4 mit etwa 20 Kilogramm. In einem Fahrzeug mit knapper Zuladung entscheidet dieser Gewichtsunterschied die Frage meist allein.
Der Haken bei LiFePO4 ist der Frost: Laden unter 0 Grad schädigt die Zellen, entladen ist bis etwa minus 20 Grad unkritisch. Wintercamper brauchen deshalb eine Batterie mit integrierter Ladeheizung oder ein BMS, das unter null Grad das Laden sperrt. Wie sich Zellchemie und nutzbare Kapazität grundsätzlich verhalten, vertieft unser Ratgeber zur Batterie für die Solaranlage.
Winterertrag und Schattenverluste
Zwei Effekte ruinieren die Bilanz zuverlässiger als jede Materialentscheidung: der Winter und der Schatten. Beim Winter hilft nur Ehrlichkeit. Ein 200-Wp-Dach liefert im Dezember 50 bis 120 Wattstunden pro Tag, also 4 bis 10 Ah. Ein Heizungsgebläse allein zieht das Doppelte bis Fünffache. Wer im Winter reist, lädt über Landstrom oder über einen Ladebooster an der Lichtmaschine, der beim Fahren 20 bis 50 Ampere in die Aufbaubatterie schiebt.
Der Schatten ist tückischer, weil er unterschätzt wird. In einem Zellstrang bestimmt die schwächste Zelle den Strom. Fällt der Schatten eines Antennenfußes auf eine einzige Zellreihe, bricht die Leistung des betroffenen Modulsegments fast vollständig ein. Bypassdioden begrenzen den Schaden auf ein Drittel des Moduls, verhindern ihn aber nicht.
- Halten Sie mindestens die dreifache Höhe eines Aufbaus als Abstand nach Süden frei, sonst wandert dessen Schatten mittags über das Modul.
- Zwei Module mit je 100 Wp an getrennten Reglereingängen sind bei verbautem Dach besser als ein Modul mit 200 Wp.
- Montieren Sie Module quer zur Fahrtrichtung, wenn Aufbauten längs stehen, dann trifft ein Schattenstreifen weniger Zellreihen.
- Auf einem stark verbauten Dach ist ein faltbares Modul, das Sie neben dem Fahrzeug in die Sonne stellen, oft die ertragreichere Lösung.
Wie stark die Neigung wirkt, zeigt der Vergleich mit stationären Anlagen: Auch dort bringt eine flach aufgestellte Fläche im Winter deutlich weniger, was wir im Text zur Solaranlage auf dem Flachdach aufgeschlüsselt haben.
Anmeldung, Normen und was im Fahrzeug wirklich gilt
Hier kursiert viel Unsinn. Eine Solaranlage auf dem Camper ist eine reine Inselanlage ohne Verbindung zum öffentlichen Stromnetz. Damit gilt sie nicht als Erzeugungsanlage im Sinne des Netzanschlussrechts. Sie muss nicht im Marktstammdatenregister eingetragen werden, und die VDE-AR-N 4105, die den Netzparallelbetrieb regelt, ist nicht anwendbar. Beides betrifft ausschließlich Anlagen, die in ein Netz einspeisen können, also die Hausanlage und auch das Balkonkraftwerk.
| Regel | Hausanlage am Netz | Inselanlage im Fahrzeug |
|---|---|---|
| Marktstammdatenregister | Registrierung Pflicht | nicht anwendbar, kein Netzanschluss |
| VDE-AR-N 4105 | gilt für den Netzparallelbetrieb | nicht anwendbar |
| Anmeldung beim Netzbetreiber | Pflicht | entfällt |
| EN 1648-2 | nicht relevant | maßgeblich für die 12-V-Installation |
| VDE 0100-721 | nicht relevant | gilt für einen 230-V-Kreis im Fahrzeug |
| StVZO, Fahrzeughöhe und Ladungssicherung | nicht relevant | Aufbauhöhe und feste Befestigung beachten |
| ECE-R 10 | nicht relevant | elektromagnetische Verträglichkeit der Komponenten |
Praktisch heißt das: keine Behörde, kein Formular, aber auch keine Ausrede für eine schlampige Installation. Sobald ein 230-V-Kreis mit Landstromanschluss dazukommt, gelten die üblichen Schutzmaßnahmen einschließlich Fehlerstromschutzschalter. Prüfen Sie außerdem Ihre Fahrzeughöhe neu, wenn Module und Halter 5 bis 6 Zentimeter aufbauen. Die eingetragene Höhe ändert sich nicht automatisch, die tatsächliche schon.
Typische Fehler
1. Nach Wattzahl kaufen statt nach Tagesbilanz
Ein 400-Wp-Dach über einer 100-Ah-AGM-Batterie ist unausgewogen. Die Batterie nimmt nur 50 Ah nutzbar auf, das Modul liefert an einem Junitag mehr. Der Überschuss ist verloren, weil er nirgends hin kann. Batterie und Modul gehören im Verhältnis von etwa 1 zu 1 bis 1 zu 2 in Wattpeak zu Amperestunden ausgelegt.
2. PWM-Regler zu einem Hausmodul kombinieren
Ein 60- oder 72-Zell-Modul aus dem Baumarkt hat eine MPP-Spannung von 30 bis 40 Volt. Ein PWM-Regler zieht es auf 13,8 Volt herunter und verschenkt weit über die Hälfte der Leistung, im schlechtesten Fall arbeitet er gar nicht. Zu solchen Modulen gehört zwingend MPPT.
3. Sicherung am falschen Ende der Leitung
Die Sicherung schützt nicht das Gerät, sondern die Leitung. Sie muss deshalb an die Quelle, also direkt an den Pluspol der Batterie. Sitzt sie am Regler, ist die gesamte Leitung dazwischen ungeschützt und liegt bei einem Scheuerschaden am Rahmen direkt an der Batterie an.
4. Semiflexibles Modul vollflächig aufkleben
Ohne Hinterlüftung erreicht die Zelle im Sommer leicht 70 bis 80 Grad. Bei 0,3 bis 0,4 Prozent Verlust je Grad über 25 Grad sind das 15 bis 22 Prozent weniger Leistung, dazu eine spürbar kürzere Lebensdauer und, bei dunklen Dächern, thermische Spannungen im Aufbau. Kleben Sie Distanzstreifen unter das Modul oder wählen Sie ein starres Modul auf Haltern.
Vorteile und Nachteile
✓ Vorteile
- Lädt geräuschlos und wartungsfrei, auch wenn das Fahrzeug tagelang steht
- Macht auf Stellplätzen ohne Landstrom eine echte Autarkie von zwei bis vier Tagen möglich
- Keine Registrierung im Marktstammdatenregister und keine Netzbetreiber-Anmeldung nötig
- Ein MPPT-Regler holt gegenüber PWM 10 bis 30 Prozent mehr aus derselben Modulfläche
- Klebemontage auf GFK und Aluminium funktioniert ohne einen einzigen Bohrer im Dach
✕ Nachteile
- Im Dezember liefert ein 100-Wp-Modul nur 2 bis 5 Ah pro Tag und trägt damit praktisch nichts bei
- Dachfläche und Dachlast sind knapp, jedes Kilogramm geht von der Zuladung ab
- Teilverschattung durch Luken und Antennen kostet überproportional viel Ertrag
- Der Nutzen hängt an der Batterie: mit AGM sind nur 50 Prozent der Nennkapazität nutzbar
- LiFePO4 darf unter 0 Grad nicht geladen werden, ohne Ladeheizung fällt der Wintervorteil weg
Fazit
Solaranlage im Camper: für die Reisesaison stark, im Winter nur Beiwerk
Wer den Tagesverbrauch in Amperestunden kennt, kommt mit 200 bis 400 Wp, einem MPPT-Regler und einer LiFePO4-Batterie im Sommerhalbjahr sehr weit. Im Winter ersetzt die Anlage weder Landstrom noch Ladebooster, und das lässt sich durch mehr Modulfläche nicht beheben.
Rechnen Sie zuerst den Verbrauch, dann die nutzbare Batteriekapazität, dann erst die Modulleistung. Sparen Sie beim Regler nicht, prüfen Sie die Dachlast im Handbuch statt im Prospekt und planen Sie den Modulplatz mit Blick auf die vorhandenen Aufbauten. Wer überwiegend im Winter unterwegs ist oder ein stark verbautes Dach hat, fährt mit Ladebooster plus faltbarem Modul besser als mit einer festen Dachanlage.
Weiterführende Links und Quellen
- Solaranlage Komplettset, Batterie für die Solaranlage, Mobiler Stromspeicher, Solaranlage Flachdach, Klimaanlage für das Wohnmobil
- Bundesnetzagentur, Marktstammdatenregister und der Geltungsbereich der Registrierungspflicht
- VDE, VDE-AR-N 4105 zum Netzparallelbetrieb und VDE 0100-721 für Elektroanlagen in Caravans
- DIN EN 1648-2, Niederspannungsanlagen mit 12 V Gleichspannung in Freizeitfahrzeugen
- Umweltbundesamt, Daten zur Globalstrahlung und zum jahreszeitlichen Verlauf in Deutschland
- Unsere Methodik, wie wir bewerten und worauf wir uns stützen
Häufige Fragen
Wie viel Watt Solaranlage brauche ich auf dem Camper?
Rechnen Sie vom Verbrauch her. Für 40 bis 60 Ah pro Tag im Sommerhalbjahr genügen 150 bis 200 Wp, für 80 bis 110 Ah mit Kompressorkühlschrank sind 300 bis 400 Wp realistisch. Als grobe Faustzahl liefert 100 Wp in der Reisesaison von April bis September rund 15 bis 30 Ah pro Tag. Im Winter tragen Module praktisch nichts zur Bilanz bei.
Lohnt sich ein Camper Solaranlage Set oder besser Einzelkomponenten?
Ein Set lohnt sich beim Einstieg bis etwa 200 Wp, weil Modul, Laderegler, Kabel, Dachdurchführung und Halter aufeinander abgestimmt sind. Ab 300 Wp und bei LiFePO4 fahren Sie mit Einzelkomponenten meist besser, weil in vielen Sets ein PWM-Regler und zu dünne Leitungen stecken. Prüfen Sie im Set immer Reglertyp, Kabelquerschnitt und ob eine Sicherung enthalten ist.
PWM oder MPPT: lohnt sich der Aufpreis wirklich?
Ab etwa 150 Wp ja. PWM zieht das Modul auf Batteriespannung herunter, ein 36-Zell-Modul mit 18 Volt MPP-Spannung arbeitet dann bei rund 13,8 Volt und verschenkt etwa ein Fünftel der Leistung. MPPT wandelt die Differenz in Ladestrom um und bringt je nach Temperatur 10 bis 30 Prozent mehr. Bei sehr kleinen Anlagen bis 100 Wp frisst der Aufpreis den Gewinn oft auf.
AGM oder LiFePO4 als Aufbaubatterie?
LiFePO4, sobald Sie mehr als gelegentlich autark stehen. Aus 100 Ah AGM ziehen Sie schonend nur 50 Ah, aus 100 Ah LiFePO4 etwa 80 bis 90 Ah, und das über 2.000 bis 5.000 Zyklen statt 300 bis 600. Der Anschaffungspreis liegt drei- bis viermal höher, die Kosten je entnommener Kilowattstunde jedoch deutlich niedriger. AGM bleibt sinnvoll bei seltener Nutzung und Frosteinsatz ohne Ladeheizung.
Kann ich das Solarmodul ohne Bohren auf das Dach kleben?
Ja, das ist bei GFK- und Aluminiumdächern der Standardweg. Verklebt werden Kunststoffhalter oder Spoiler mit einem Polyurethan-Klebstoff für Fahrzeugaufbauten, nicht das Modul direkt. Voraussetzung sind eine entfettete Fläche, der passende Primer, ausreichende Klebefläche je Halter und die vollständige Aushärtezeit von 24 bis 48 Stunden vor der ersten Fahrt. Bohren entfällt damit vollständig.
Wie viel Dachlast verträgt ein Wohnmobil?
Je nach Aufbau 50 bis 150 kg statisch, im Fahrbetrieb gilt der niedrigere Wert des Herstellers. Wichtiger ist meist die Zuladung: Jedes Kilogramm auf dem Dach geht von der zulässigen Gesamtmasse ab. Ein starres 100-Wp-Modul wiegt 6 bis 8 kg, ein flexibles 2 bis 3 kg. Prüfen Sie den Wert im Handbuch, nicht im Prospekt.
Was bringt eine Solaranlage im Winter?
Sehr wenig. Ein flach montiertes 100-Wp-Modul liefert in Deutschland im Dezember rund 25 bis 60 Wh pro Tag, also 2 bis 5 Ah bei 12 Volt. Das deckt nicht einmal die Selbstentladung plus Standby der Verbraucher. Im Winterbetrieb laden Sie über Landstrom oder einen Ladebooster an der Lichtmaschine, die Solaranlage ist dann nur Erhaltungsladung.
Muss ich eine Solaranlage im Wohnmobil anmelden?
Nein. Eine Inselanlage im Fahrzeug hat keinen Anschluss an das öffentliche Netz und fällt damit weder unter die Registrierungspflicht im Marktstammdatenregister noch unter die VDE-AR-N 4105 für den Netzparallelbetrieb. Relevant sind stattdessen die Fahrzeugnormen: EN 1648-2 für die 12-V-Installation, VDE 0100-721 für einen etwaigen 230-V-Kreis und die StVZO für Höhe und Ladungssicherung.
Wie stark verschattet eine Dachluke das Modul?
Stärker als die Fläche vermuten lässt. In einem Strang bestimmt die schwächste Zelle den Strom, eine einzelne verschattete Zellreihe kann die Leistung des ganzen Moduls halbieren. Bypassdioden begrenzen den Schaden auf ein Modulsegment. Planen Sie den Abstand zu Luken, Antennen und Klimaanlage großzügig und teilen Sie die Leistung lieber auf zwei Module mit getrennten Eingängen auf.
Welchen Kabelquerschnitt brauche ich vom Modul zum Regler?
Bei 12 Volt sollte der Spannungsfall unter 3 Prozent bleiben, also unter etwa 0,4 Volt. Für 10 Ampere über 5 Meter einfache Länge genügen 4 mm², für 20 Ampere über 5 Meter sollten es 6 bis 10 mm² sein. Zwischen Regler und Batterie gehört eine Sicherung direkt an den Pluspol der Batterie, nicht an das Reglerende der Leitung.