SOLARANLAGE

Solaranlage für Warmwasser: was Solarthermie im Jahr wirklich liefert

Solarkollektoren auf einem Steildach eines Einfamilienhauses
Solarthermie deckt im Sommer fast den ganzen Warmwasserbedarf, im Dezember fast nichts, Foto: Pexels

Eine Solaranlage für Warmwasser ist die älteste und technisch ausgereifteste Form der Solarnutzung am Haus. Ein Kollektor auf dem Dach erwärmt eine Wasser-Glykol-Mischung, eine Pumpe schiebt sie durch den unteren Wärmetauscher eines Speichers, und im Sommer kommt aus der Dusche warmes Wasser, ohne dass der Kessel anspringt. Physikalisch funktioniert das hervorragend, wirtschaftlich ist die Lage seit dem Preisverfall bei Photovoltaik deutlich unübersichtlicher geworden.

Dieser Ratgeber rechnet die Anlage durch: wie viel Kollektorfläche und Speichervolumen Sie je Person brauchen, welcher solare Deckungsgrad Monat für Monat realistisch ist, was eine Erweiterung auf Heizungsunterstützung bringt und wo sie sich nicht mehr lohnt. Und er zieht die ehrliche Abgrenzung gegen die beiden Konkurrenten, die dasselbe Problem oft billiger lösen: PV plus Heizstab und die Brauchwasserwärmepumpe.

Wie eine Solaranlage für Warmwasser arbeitet

Eine Solaranlage für Warmwasser besteht aus vier Baugruppen: Kollektor, Solarkreis mit Pumpe und Regelung, Speicher mit Wärmetauscher und Nachheizung. Die Regelung vergleicht die Temperatur am Kollektorfühler mit der im unteren Speicherbereich. Liegt der Kollektor 5 bis 8 Kelvin darüber, läuft die Pumpe. Fällt die Differenz unter 2 bis 3 Kelvin, schaltet sie ab. Mehr Logik steckt im Grundprinzip nicht.

Der entscheidende Unterschied zur Photovoltaik: Solarthermie erzeugt keinen Strom, sondern direkt Wärme, und sie tut das mit einem Wirkungsgrad, der Photovoltaik weit hinter sich lässt. Ein Flachkollektor holt im Jahr 350 bis 500 kWh Wärme je Quadratmeter Bruttofläche aus der Sonne, ein PV-Modul in Deutschland etwa 180 bis 220 kWh Strom je Quadratmeter. Pro Quadratmeter Dach ist Thermie also klar überlegen. Der Haken liegt woanders, nämlich in der Frage, was mit dem Ertrag im Juli passiert, wenn niemand ihn braucht.

Flachkollektor oder Vakuumröhre

Der Flachkollektor ist der Standard: eine gedämmte Wanne, ein selektiv beschichteter Absorber, darüber eine eisenarme Glasscheibe. Der Vakuumröhrenkollektor dämmt durch das Vakuum besser und verliert bei niedrigen Außentemperaturen weniger Wärme, kostet aber pro Quadratmeter deutlich mehr und ist bei Hagel empfindlicher. Für reine Warmwasserbereitung, deren Ertrag ohnehin im Sommer anfällt, ist der Flachkollektor in den meisten Fällen die wirtschaftlichere Wahl.

Kollektorfläche je Person richtig auslegen

Die Auslegung startet beim Verbrauch, nicht beim Dach. Mit 30 bis 50 Litern Warmwasser je Person und Tag bei 45 Grad liegen Sie für einen normalen Haushalt richtig. Daraus folgt ein Tageswärmebedarf von etwa 1,5 bis 2,3 kWh je Person. Aus diesem Bedarf ergibt sich die Fläche.

HaushaltWarmwasserbedarf pro TagFlachkollektorVakuumröhren
2 Personen60 bis 100 l2,5 bis 3,0 m²1,8 bis 2,2 m²
3 Personen90 bis 150 l3,5 bis 4,5 m²2,6 bis 3,2 m²
4 Personen120 bis 200 l5,0 bis 6,0 m²3,4 bis 4,2 m²
5 Personen150 bis 250 l6,0 bis 7,5 m²4,2 bis 5,2 m²
6 Personen180 bis 300 l7,0 bis 9,0 m²5,0 bis 6,2 m²

Als Faustformel bleibt: 1,0 bis 1,5 m² Flachkollektor je Person, bei Vakuumröhren 0,8 bis 1,0 m². Der obere Rand gilt für Haushalte mit Wanne, langen Duschen oder Ost-West-Dach, der untere für sparsame Nutzer auf einem Süddach.

Wichtiger als die letzte Kommastelle ist, nicht zu überdimensionieren. Eine zu große Anlage bringt im Winter kaum Zusatzertrag, weil die Einstrahlung fehlt, und im Sommer nur zusätzliche Stagnationsstunden. Wer viel Dachfläche übrig hat, legt dort besser Module aus und liest unsere Auslegung zur 10-kW-Solaranlage.

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Speichervolumen: die zweite halbe Anlage

Der Speicher entscheidet über den Ertrag mindestens so stark wie der Kollektor. Er muss den Ertrag eines sonnigen Tages aufnehmen und über einen bewölkten Folgetag tragen. Die übliche Regel lautet: das Zwei- bis Zweieinhalbfache des Tagesbedarfs.

PersonenEmpfohlenes VolumenLiter je PersonNutzbare Wärme bei 60 Grad
2200 l100 letwa 8 kWh
3250 bis 300 l85 bis 100 letwa 10 bis 12 kWh
4300 bis 400 l75 bis 100 letwa 12 bis 16 kWh
5400 bis 500 l80 bis 100 letwa 16 bis 20 kWh
6500 bis 600 l83 bis 100 letwa 20 bis 24 kWh

Die nutzbare Wärme in der letzten Spalte ist gerechnet mit einer Spreizung von rund 35 Kelvin zwischen Kaltwasser und 60 Grad Speichertemperatur. Ein 400-Liter-Speicher hält damit etwa 16 kWh, also gut den doppelten Tagesbedarf eines Vier-Personen-Haushalts.

Achten Sie auf drei Punkte: Der Speicher soll hoch und schlank sein, damit sich die Schichtung ausbildet. Der Solarwärmetauscher gehört ganz nach unten, damit die Anlage schon bei geringer Kollektortemperatur Wärme abgeben kann. Und die Nachheizung greift nur im oberen Drittel an, sonst heizt der Kessel den Bereich auf, den die Sonne am Nachmittag hätte füllen sollen. Welche Größen es gibt und was sie unterscheidet, steht im Ratgeber zum Warmwasserspeicher mit 300 Litern.

Warmwasserspeicher mit Anschlüssen und Dämmung im Heizungsraum
Der Solarwärmetauscher sitzt unten, die Nachheizung greift im oberen Drittel an, Foto: Pexels

Solarer Deckungsgrad über das Jahr

Der solare Deckungsgrad gibt an, welcher Anteil des Warmwasserbedarfs aus der Sonne kommt. Eine korrekt ausgelegte Anlage erreicht in Deutschland 50 bis 65 Prozent im Jahresmittel. Dieser Wert verdeckt allerdings die eigentliche Eigenschaft der Technik: Er verteilt sich extrem ungleich.

MonatGlobalstrahlung, MittelSolarer Deckungsgrad WarmwasserNachheizung nötig?
Januarrund 20 kWh/m²5 bis 15 %ja, fast durchgehend
Märzrund 70 kWh/m²35 bis 50 %ja, an den meisten Tagen
Mairund 140 kWh/m²75 bis 90 %selten
Julirund 150 kWh/m²85 bis 100 %praktisch nie
Septemberrund 90 kWh/m²55 bis 75 %gelegentlich
Novemberrund 25 kWh/m²10 bis 20 %ja, fast durchgehend
Jahr gesamt950 bis 1.200 kWh/m²50 bis 65 %zweiter Erzeuger bleibt Pflicht

Daraus folgt die wichtigste Konsequenz für die Planung: Sie sparen mit einer Warmwasser-Solaranlage Brennstoff, aber keine Anlagentechnik. Der Kessel oder die Wärmepumpe muss weiterhin in voller Leistung vorhanden sein, weil sie im Januar allein arbeitet. Wer den Deckungsgrad künstlich nach oben treiben will, indem er die Fläche verdoppelt, gewinnt vielleicht 8 bis 12 Prozentpunkte im Jahr und handelt sich einen Sommer voller Stagnation ein.

Solaranlage Warmwasser und Heizungsunterstützung

Die Kombianlage, also Solaranlage für Warmwasser und Heizungsunterstützung, ist die logische Erweiterung und gleichzeitig die mit den größten Enttäuschungen. Sie braucht die doppelte bis dreifache Kollektorfläche und einen Kombispeicher, in dem das Trinkwasser über einen Frischwasserwärmetauscher oder einen Tank-in-Tank-Aufbau erzeugt wird.

AuslegungKollektorfläche, 4 PersonenSpeicherDeckung WarmwasserDeckung Gesamtwärme
Nur Warmwasser5 bis 6 m²300 bis 400 l50 bis 65 %10 bis 15 %
Heizungsunterstützung, Neubau10 bis 14 m²750 bis 1.000 l60 bis 70 %20 bis 25 %
Heizungsunterstützung, Altbau saniert12 bis 16 m²800 bis 1.200 l60 bis 70 %15 bis 20 %
Heizungsunterstützung, Altbau unsaniert14 bis 18 m²ab 1.000 l60 bis 70 %8 bis 12 %

Die vierte Zeile ist der Grund für die Skepsis: Im unsanierten Altbau mit Heizkörpern und 60 bis 70 Grad Vorlauftemperatur kann der Kollektor an vielen Wintertagen gar nicht auf Nutztemperatur kommen. Sie zahlen die dreifache Anlage und ernten einstellige Prozentpunkte am Gesamtwärmebedarf. Sinnvoll wird die Kombianlage erst mit Flächenheizung und Vorlauftemperaturen unter 40 Grad, also genau dort, wo auch eine Wärmepumpe gut arbeitet. Wie ein Pufferspeicher in einem solchen System eingebunden wird, zeigt unser Ratgeber zum Pufferspeicher für Wärmepumpen.

Hinweis: Wir nennen bewusst keine Modellnummern, keine Produktpreise und keine Testergebnisse. Alle Bereiche sind Auslegungsspannen, die Ihr Fachbetrieb an Ihrem Dach und Ihrem Verbrauch konkretisieren muss.

Abgrenzung: PV plus Heizstab

Die ehrlichste Konkurrenz zur Solarthermie ist heute Photovoltaik mit einem Heizstab im Speicher. Thermodynamisch ist das ein schlechtes Geschäft: Hochwertiger Strom wird eins zu eins in Wärme verwandelt, der Umwandlungsfaktor liegt bei 1. Ökonomisch sieht es anders aus, weil Module, Wechselrichter und Montage pro Quadratmeter Dach inzwischen deutlich günstiger sind als Kollektor, Solarstation, Ausdehnungsgefäß und der zweite Wärmetauscher im Speicher.

KriteriumSolarthermiePV plus Heizstab
Wärmeertrag je m² Dach und Jahr350 bis 500 kWh180 bis 220 kWh
Zusätzlicher Nutzen außerhalb WarmwasserkeinerHaushaltsstrom, Wallbox, Wärmepumpe
WartungGlykol prüfen alle 3 bis 5 Jahrepraktisch keine
Winterbetriebsehr schwachebenfalls schwach
BEG-EM-Förderung als Einzelmaßnahmejanein
Platzbedarf im HeizraumSolarstation plus Ausdehnungsgefäßnur Heizstab und Regelung

Die Entscheidung fällt an der Dachfläche. Ist sie knapp und der Warmwasserverbrauch hoch, etwa in einem Fünf-Personen-Haushalt auf einem kleinen Süddach, gewinnt Solarthermie klar, weil sie pro Quadratmeter mehr als das Doppelte liefert. Ist Dachfläche reichlich vorhanden, ist der Heizstab die einfachere und flexiblere Lösung, weil derselbe Strom auch das Auto lädt. Die technische Einbindung eines Heizstabs beschreiben wir im Ratgeber zum Warmwasserspeicher mit Heizstab.

Abgrenzung: Brauchwasserwärmepumpe

Der zweite Konkurrent kommt ohne Dach aus. Eine Brauchwasserwärmepumpe entnimmt der Raumluft im Keller Wärme und hebt sie auf Speichertemperatur. Aus einer Kilowattstunde Strom werden je nach Quelltemperatur und Zieltemperatur drei bis vier Kilowattstunden Wärme. Kombiniert mit einer PV-Anlage ist das die Variante mit den niedrigsten laufenden Kosten.

Die Einschränkungen sind konkret: Das Gerät kühlt den Aufstellraum um etwa 2 bis 4 Kelvin ab und entfeuchtet ihn, was in einem feuchten Keller ein Vorteil und in einem beheizten Hauswirtschaftsraum ein Nachteil ist. Sie brauchen rund 20 Kubikmeter Raumvolumen oder eine Luftführung nach außen, und das Gerät erzeugt Betriebsgeräusche im Bereich üblicher Haushaltsgeräte. Wenn der Keller passt, ist die Brauchwasserwärmepumpe der stärkste Wettbewerber gegen die Solaranlage. Alle Kennzahlen dazu stehen in unserem Ratgeber zur Warmwasserwärmepumpe.

Wann welche Technik gewinnt

  • Solarthermie: kleines Dach, hoher Warmwasserverbrauch, bestehender Kessel, kein geeigneter Aufstellraum im Keller.
  • PV plus Heizstab: großes Dach, geplanter oder vorhandener Stromspeicher, Wallbox oder Wärmepumpe im Haus.
  • Brauchwasserwärmepumpe: unbeheizter, ausreichend großer Keller, Wunsch nach ganzjährig gleichmäßiger Deckung.
  • Kombination: PV auf dem Dach und Brauchwasserwärmepumpe im Keller ist heute die häufigste Neubaulösung, Solarthermie bleibt die Nachrüstlösung im Bestand mit Kessel.

Kosten, Förderung und Regelwerk

Für einen Vier-Personen-Haushalt bewegen sich komplette Warmwasseranlagen inklusive Kollektoren, Speicher, Solarstation und Montage in einem Bereich von etwa 5.000 bis 9.000 Euro. Vakuumröhren liegen am oberen Rand, reine Materialsets ohne Handwerkerleistung deutlich darunter. Kombianlagen mit Heizungsunterstützung beginnen bei rund 9.000 Euro und reichen je nach Speichergröße darüber hinaus. Das sind Kategoriespannen, keine Produktpreise.

PositionAnteil an der InvestitionBemerkung
Kollektorfeld30 bis 40 %Vakuumröhren am oberen Rand
Speicher20 bis 30 %Kombispeicher deutlich teurer als Trinkwasserspeicher
Solarstation, Regelung, Ausdehnungsgefäß10 bis 15 %oft unterschätzte Position
Montage, Dachdurchführung, Hydraulik25 bis 35 %abhängig von Dachtyp und Leitungsweg
Wartung, Glykoltauschlaufendalle 3 bis 5 Jahre prüfen lassen

Was die Förderung tatsächlich hergibt

Solarthermie ist im Rahmen der Bundesförderung für effiziente Gebäude, Einzelmaßnahmen (BEG EM), über die BAFA förderfähig. Das ist ein realer Vorteil gegenüber Photovoltaik, die als stromerzeugende Anlage nicht in diese Förderlinie fällt. Prüfen Sie vor Auftragsvergabe die aktuell gültigen Fördersätze und Antragsfristen direkt bei der BAFA, denn Bedingungen und Höhe ändern sich. Wichtig ist die Reihenfolge: Antrag vor Beauftragung.

GEG und DVGW W 551

Das Gebäudeenergiegesetz macht keine Vorgabe, dass Warmwasser solar erzeugt werden muss, es regelt Anforderungen an Wärmeerzeuger und an den Anteil erneuerbarer Energien beim Heizungstausch. Eine Solarthermieanlage kann dabei als Erfüllungsoption in Kombination angerechnet werden, sie ersetzt aber nicht die Bewertung des Hauptwärmeerzeugers.

Hygienisch gilt das DVGW-Arbeitsblatt W 551. Es unterscheidet Klein- und Großanlagen: Als Großanlage gelten Systeme mit einem Speicher über 400 Litern oder mit mehr als 3 Litern Wasserinhalt in der Leitung zwischen Speicherausgang und der entferntesten Entnahmestelle. Für Ein- und Zweifamilienhäuser mit kleineren Speichern greifen die strengen Vorgaben nicht. Da eine Solaranlage den Speicher aber gerade in der Übergangszeit im lauwarmen Bereich hält, ist eine regelmäßige Aufheizung des gesamten Volumens auch in kleinen Anlagen sinnvoll.

Typische Fehler

1. Kollektorfläche nach Dachfläche statt nach Verbrauch wählen

Der häufigste Planungsfehler. Wer 12 Quadratmeter aufs Dach legt, weil Platz ist, obwohl zwei Personen im Haus wohnen, erzeugt einen Sommer voller Stagnation. Die Wärmeträgerflüssigkeit altert schneller, der Zusatzertrag bleibt nahe null. Rechnen Sie ab dem Verbrauch nach oben, nicht ab der Dachfläche nach unten.

2. Speicher zu klein oder ohne Schichtung

Ein 200-Liter-Speicher an 6 Quadratmetern Kollektor ist bis zum frühen Nachmittag voll, danach steht die Anlage. Ebenso schädlich ist ein breiter, flacher Speicher ohne Temperaturschichtung: Die Nachheizung mischt das Volumen durch und der Kollektor findet am Fuß keine kalte Zone mehr, in die er einspeisen könnte.

3. Nachheizung auf den ganzen Speicher wirken lassen

Wenn der Kessel morgens um sechs den kompletten Speicher auf 60 Grad bringt, hat die Sonne am Mittag nichts mehr zu tun. Die Nachheizung darf nur das obere Drittel bedienen, und sie sollte zeitlich so spät wie möglich einsetzen, damit der solare Ertrag Vorrang bekommt.

4. Glykol und Anlagendruck nie prüfen

Nach Stagnationsphasen sinkt der Frostschutz und der pH-Wert wandert ab. Ein Kontrolltermin alle drei bis fünf Jahre kostet wenig und verhindert Korrosion im Kollektor sowie einen Frostschaden im ersten kalten Winter danach. Prüfen Sie zugleich den Vordruck des Ausdehnungsgefäßes.

Vorteile und Nachteile

✓ Vorteile

  • Höchster Wärmeertrag je Quadratmeter Dachfläche: 350 bis 500 kWh im Jahr, etwa das Doppelte von PV
  • Deckt von Mai bis August 80 bis 100 Prozent des Warmwasserbedarfs, der Kessel bleibt aus
  • Ausgereifte, langlebige Technik mit wenigen beweglichen Teilen, Kollektoren halten meist über 20 Jahre
  • Als Einzelmaßnahme über die BEG-EM-Förderung der BAFA bezuschussbar, anders als Photovoltaik
  • Funktioniert unabhängig vom Strompreis und ohne Aufstellraum im Keller

✕ Nachteile

  • Nur 5 bis 15 Prozent Deckung im Dezember und Januar, ein zweiter Wärmeerzeuger bleibt in voller Leistung nötig
  • Der Ertrag lässt sich nicht anderweitig nutzen, überschüssige Sommerwärme verfällt in der Stagnation
  • Zweiter Hydraulikkreis mit Glykol, Ausdehnungsgefäß und Wartungsbedarf alle 3 bis 5 Jahre
  • Heizungsunterstützung bringt im unsanierten Altbau oft nur 8 bis 12 Prozent Deckung am Gesamtwärmebedarf
  • Wirtschaftlich häufig unterlegen gegenüber PV mit Heizstab oder einer Brauchwasserwärmepumpe

Fazit

🏆 Empfehlenswert bei knapper Dachfläche

Solaranlage für Warmwasser: technisch stark, wirtschaftlich situationsabhängig

3.6/ 5

Mit 1,0 bis 1,5 m² Flachkollektor und 80 bis 100 Litern Speicher je Person erreichen Sie 50 bis 65 Prozent solare Deckung beim Warmwasser. Das ist verlässliche, ausgereifte Technik. Ob sie die richtige Wahl ist, entscheidet sich an der Dachfläche und daran, ob ein Keller für eine Brauchwasserwärmepumpe zur Verfügung steht.

Klare Empfehlung für Solarthermie bei kleinem Süddach, hohem Warmwasserverbrauch und vorhandenem Kessel. Klare Empfehlung gegen sie, wenn viel Dachfläche frei ist und ohnehin Photovoltaik geplant wird: Dann liefern Überschussstrom in den Heizstab oder eine Brauchwasserwärmepumpe dieselbe Wärme mit weniger Hydraulik. Von einer Heizungsunterstützung im unsanierten Altbau raten wir ab.

Weiterführende Links und Quellen

Häufige Fragen

Wie viel Kollektorfläche braucht eine solaranlage warmwasser?

Rechnen Sie 1,0 bis 1,5 Quadratmeter Flachkollektor je Person im Haushalt, bei Vakuumröhrenkollektoren 0,8 bis 1,0 Quadratmeter. Ein Vier-Personen-Haushalt kommt damit auf etwa 5 bis 6 Quadratmeter Flachkollektor. Größer ist nicht besser: Ab etwa der doppelten Fläche steigt der Deckungsgrad kaum noch, die Anlage geht im Sommer aber häufiger in Stagnation und die Wärmeträgerflüssigkeit altert schneller.

Wie groß muss der Speicher bei einer warmwasser solaranlage sein?

Das Zwei- bis Zweieinhalbfache des Tagesbedarfs, also rund 80 bis 100 Liter je Person. Für vier Personen sind 300 bis 400 Liter die übliche Größe. Der Puffer über zwei Tage überbrückt eine bewölkte Phase. Wichtig ist ein hoher, schlanker Speicher mit gut ausgeprägter Temperaturschichtung und ein tief sitzender Solarwärmetauscher, sonst startet die Anlage bei niedriger Einstrahlung gar nicht erst.

Welchen solaren Deckungsgrad erreicht die Anlage im Jahr?

Eine korrekt ausgelegte Warmwasseranlage erreicht in Deutschland 50 bis 65 Prozent des Jahreswärmebedarfs für Warmwasser. Der Wert ist stark saisonal: Von Mai bis August liegt die Deckung bei 80 bis 100 Prozent, im Dezember und Januar bei 5 bis 15 Prozent. Der Jahresmittelwert allein sagt wenig aus, entscheidend ist, dass Sie den zweiten Wärmeerzeuger im Winter ohnehin vorhalten müssen.

Lohnt sich eine solaranlage warmwasser und heizungsunterstützung?

Nur in gut gedämmten Häusern mit Flächenheizung und niedriger Vorlauftemperatur. Sie brauchen die doppelte bis dreifache Kollektorfläche, einen Kombispeicher ab 750 Litern und erreichen trotzdem nur 15 bis 25 Prozent Deckung am gesamten Wärmebedarf. Der Grund ist banal: Der Heizbedarf ist genau dann am höchsten, wenn die Einstrahlung am niedrigsten ist. Im Altbau mit Heizkörpern und 60 Grad Vorlauf bleibt der Zusatzertrag klein.

Ist PV mit Heizstab besser als Solarthermie?

In vielen Fällen ja, wirtschaftlich betrachtet. Ein Heizstab wandelt Überschussstrom eins zu eins in Wärme, das ist thermodynamisch ineffizient, aber die Modulpreise sind so weit gefallen, dass die zusätzliche Fläche kaum ins Gewicht fällt. Solarthermie gewinnt bei knapper Dachfläche und hohem Warmwasserverbrauch, weil sie pro Quadratmeter zwei- bis dreimal mehr Wärme liefert.

Oder lieber eine Brauchwasserwärmepumpe?

Die Brauchwasserwärmepumpe ist der stärkste Konkurrent, wenn ein geeigneter Aufstellraum vorhanden ist. Sie erzeugt aus einer Kilowattstunde Strom drei bis vier Kilowattstunden Wärme und braucht kein Dach. Ihr Nachteil: Sie kühlt den Aufstellraum um 2 bis 4 Kelvin ab und braucht rund 20 Kubikmeter Raumvolumen oder eine Luftführung nach außen. Details dazu im Ratgeber zur Warmwasserwärmepumpe.

Was kostet eine Solaranlage für Warmwasser?

Für einen Vier-Personen-Haushalt liegen komplette Anlagen mit Kollektoren, Speicher, Solarstation und Montage üblicherweise im Bereich von 5.000 bis 9.000 Euro, Vakuumröhren am oberen Rand. Reine Materialsets ohne Montage sind deutlich günstiger, verlangen aber Fachwissen bei Befüllung, Entlüftung und Anlagendruck. Die BEG-EM-Förderung über die BAFA senkt die Investition spürbar.

Muss ich wegen Legionellen aufpassen?

Ja, ab bestimmten Anlagengrößen. Das DVGW-Arbeitsblatt W 551 stuft Speicher ab 400 Litern oder mehr als 3 Litern Inhalt in der Leitung zwischen Speicherausgang und Entnahmestelle als Großanlage ein, mit Anforderungen an Temperatur und Betriebsweise. In kleineren Ein- und Zweifamilienhausanlagen greifen diese Vorgaben nicht, eine regelmäßige Aufheizung des Speichers ist dort trotzdem sinnvoll.

Was passiert im Sommer, wenn die Anlage zu viel liefert?

Der Speicher erreicht seine Maximaltemperatur, die Pumpe schaltet ab und der Kollektor geht in Stagnation. Die Wärmeträgerflüssigkeit verdampft, der Druck steigt und das Ausdehnungsgefäß nimmt das Volumen auf. Das ist ein vorgesehener Betriebszustand, belastet aber das Glykol. Prüfen Sie den Frostschutz und den pH-Wert der Flüssigkeit alle drei bis fünf Jahre.

Welche Dachausrichtung braucht die Anlage?

Süd mit 30 bis 45 Grad Neigung ist optimal, aber die Toleranz ist größer als oft angenommen. Ost-West-Abweichungen bis 45 Grad kosten nur etwa 5 bis 10 Prozent Ertrag. Eine steilere Neigung von 45 bis 60 Grad verschiebt den Ertrag in Frühjahr und Herbst und mindert die sommerliche Überhitzung, was bei reiner Warmwasserbereitung sogar von Vorteil sein kann.

Redaktion WattRatgeber Kaufberatung Haus-Energie

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