WÄRMEPUMPE

Wärmepumpe oder Pellets: der ehrliche Vergleich

Heizungsraum mit Wärmeerzeuger, Pufferspeicher und Hydraulik
Wärmepumpe, Pellets oder beides im Hybridbetrieb: die Entscheidung fällt am Gebäude, Foto: Pexels

Wer eine alte Öl- oder Gasheizung ersetzt, landet fast immer bei derselben Gegenüberstellung: Wärmepumpe oder Pellets. Beide Systeme erfüllen die 65-Prozent-Regel des Gebäudeenergiegesetzes, beide sind förderfähig, beide gelten als klimafreundlich. Trotzdem passt in ein konkretes Haus meistens nur eines von beiden.

Dieser Ratgeber vergleicht die Kombination Wärmepumpe Pellets mit harten Zahlen: Investition, Brennstoffkosten, Wirkungsgrad, Platzbedarf, Wartung und Förderung. Und er beantwortet die Frage, die viele erst am Ende stellen: Ob nicht beides zusammen als Hybridheizung die richtige Antwort ist.

Wie beide Systeme arbeiten

Der Vergleich Wärmepumpe oder Pellets stellt zwei grundverschiedene Prinzipien gegenüber. Eine Wärmepumpe verbrennt nichts. Sie entzieht der Außenluft, dem Erdreich oder dem Grundwasser Wärme auf niedrigem Temperaturniveau und hebt sie mit einem elektrisch angetriebenen Verdichter auf Heizungstemperatur. Aus einer Kilowattstunde Strom werden je nach Jahresarbeitszahl drei bis viereinhalb Kilowattstunden Wärme.

Ein Pelletkessel verbrennt gepresste Holzspäne. Er arbeitet wie ein Öl- oder Gaskessel, nur mit einem festen Brennstoff, einer automatischen Austragung aus dem Lager und einer Ascheschublade. Der Wirkungsgrad liegt bei 90 bis 94 %, mehr geht physikalisch nicht, weil Verbrennung immer mit Abgasverlusten einhergeht.

Dieser Unterschied erklärt die zentrale Eigenschaft: Die Wärmepumpe wird umso schlechter, je höher die geforderte Vorlauftemperatur ist. Der Pelletkessel ist davon völlig unbeeindruckt, er liefert 35 °C genauso effizient wie 75 °C.

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Die entscheidende Größe: Vorlauftemperatur

Fast jede Fehlentscheidung bei der Frage Pellets oder Wärmepumpe geht auf diesen einen Wert zurück. Die Vorlauftemperatur ist die Temperatur, mit der das Heizwasser zu den Heizflächen läuft. Sie ergibt sich aus der Größe der Heizkörper und der Dämmung des Gebäudes, nicht aus dem Wärmeerzeuger.

HeizflächenNötige VorlauftemperaturJAZ Luft-Wasser-WärmepumpeEmpfehlung
Fußbodenheizung, Neubau30–35 °C4,0–4,8Wärmepumpe klar im Vorteil
Fußbodenheizung, saniert35–40 °C3,6–4,2Wärmepumpe
Große Flachheizkörper, saniert45–50 °C3,0–3,5Wärmepumpe, mit Abgleich
Bestandsheizkörper, teilsaniert55–60 °C2,6–3,0Grenzfall, Hybrid prüfen
Gussheizkörper, unsaniert65–75 °C2,0–2,5Pellets oder Hybrid

Die Faustregel: Unter 45 °C Vorlauf gewinnt die Wärmepumpe fast immer, über 60 °C fast immer der Pelletkessel. Dazwischen liegt das Feld, in dem sich die Hybridlösung lohnt oder in dem sich Investitionen in größere Heizflächen rechnen. Ein einziger ausgetauschter Heizkörper im kritischsten Raum senkt die nötige Systemvorlauftemperatur manchmal um fünf Kelvin, und das hebt die Jahresarbeitszahl spürbar an. Wie Sie die Leistung sauber auslegen, zeigt der Ratgeber zur 10 kW Wärmepumpe.

Anschaffung und Betriebskosten im Vergleich

PostenLuft-Wasser-WärmepumpePelletkessel
Investition installiert (vor Förderung)20.000–33.000 €25.000–40.000 €
Zusätzlich nötigPufferspeicher, Warmwasserspeicher, Fundament, ElektroPelletlager, Austragung, Schornsteinsanierung, Puffer
Platzbedarf innenca. 1 m² für Hydraulik und Speicherca. 8–14 m² inkl. Lager
Brennstoff pro Jahr (20.000 kWh)ca. 5.700 kWh Stromca. 4,6 t Pellets
Brennstoffkosten pro Jahrca. 1.480 € (0,26 €/kWh)ca. 1.470 € (320 €/t)
Wartung und Nebenkosten80–150 € pro Jahr250–450 € pro Jahr
Lebensdauer15–20 Jahre18–25 Jahre

Auffällig: Bei den reinen Brennstoffkosten liegen beide Systeme praktisch gleichauf, sofern die Wärmepumpe eine ordentliche Jahresarbeitszahl erreicht. Genau das ist die Bedingung, an der alles hängt. Fällt die Jahresarbeitszahl von 3,5 auf 2,4, weil das Haus 65 °C Vorlauf braucht, steigen die Stromkosten von rund 1.480 € auf rund 2.170 € pro Jahr, und der Pelletkessel gewinnt deutlich.

Rechenbeispiel: Strom gegen Pellets

Nehmen wir ein teilsaniertes Einfamilienhaus mit 160 m², einer Heizlast von 10 kW und einem Jahreswärmebedarf von 20.000 kWh für Heizung plus 3.000 kWh für Warmwasser, zusammen 23.000 kWh.

  • Wärmepumpe, Fußbodenheizung, JAZ 3,8: 23.000 kWh geteilt durch 3,8 sind 6.050 kWh Strom. Bei einem Wärmepumpentarif von 0,26 €/kWh sind das rund 1.575 € im Jahr.
  • Wärmepumpe, Bestandsheizkörper, JAZ 2,6: 23.000 kWh geteilt durch 2,6 sind 8.850 kWh Strom, also rund 2.300 € im Jahr.
  • Pelletkessel, Wirkungsgrad 90 %: 23.000 kWh geteilt durch 0,90 sind 25.560 kWh Brennstoff. Bei einem Heizwert von 4,9 kWh je Kilogramm sind das 5,2 Tonnen Pellets. Bei 320 €/Tonne rund 1.670 € im Jahr.
  • Pelletkessel bei 260 €/Tonne: rund 1.360 € im Jahr. Bei 420 €/Tonne dagegen 2.190 €.

Die letzte Zeile ist der wichtigste Punkt: Der Pelletpreis schwankt stark. Er lag in den vergangenen Jahren zwischen rund 230 € und über 700 € pro Tonne. Der Strompreis schwankt ebenfalls, aber Wärmepumpentarife sind stabiler und viele Haushalte decken einen Teil mit eigener Photovoltaik ab. Eine 10 kW Solaranlage liefert im Jahr genug, um einen relevanten Teil des Wärmepumpenstroms selbst zu erzeugen, und ein Stromspeicher mit 20 kWh verschiebt Ertrag in die Abendstunden. Pellets lassen sich nicht selbst erzeugen.

Monoblock-Wärmepumpe im Garten eines Einfamilienhauses
Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe braucht draußen Platz, innen dafür fast keinen, Foto: Pexels

Platzbedarf, Lager und Logistik

Hier liegt der praktisch entscheidende Unterschied, den viele erst nach der Entscheidung merken. Ein Pelletlager für 5 Tonnen braucht bei einem Schüttvolumen von 1,5 Kubikmetern pro Tonne und einem Füllgrad von zwei Dritteln rund 11 Kubikmeter Rauminhalt, also einen Kellerraum von 6 bis 10 m². Dieser Raum muss trocken sein, eine staubdichte Tür haben, Befüllstutzen an der Außenwand und eine Absaugöffnung. Der Silowagen muss zudem bis auf etwa 25 Meter an die Stutzen heranfahren können.

Dazu kommt der Kessel selbst mit rund 0,8 bis 1,2 m² Stellfläche und ein Pufferspeicher von 800 bis 1.500 Litern, weil ein Pelletkessel nicht beliebig weit heruntermodulieren kann und deshalb Wärme zwischenspeichern muss. In Summe reden wir über 8 bis 14 m² Technikfläche.

Eine Wärmepumpe braucht innen nur die Hydraulikeinheit und den Warmwasserspeicher, zusammen etwa 1 m². Draußen kommt die Außeneinheit dazu, mit rund 1 m² Stellfläche plus Freiräumen und, je nach Standort, einer Schallschutzhaube. Wer keinen Keller hat oder ihn anders nutzen will, hat mit Pellets ein handfestes Platzproblem.

Wartung, Schornsteinfeger und Asche

Ein Pelletkessel ist eine Feuerstätte und wird entsprechend behandelt.

  • Jährliche Kesselwartung: 200 bis 350 € durch den Fachbetrieb, inklusive Reinigung des Wärmetauschers und der Brennkammer.
  • Schornsteinfeger: Kehrung und Messung, 60 bis 120 € im Jahr. Der Schornstein muss für Festbrennstoffe geeignet sein, häufig ist eine Sanierung mit Edelstahlrohr nötig, 1.500 bis 3.500 €.
  • Ascheentleerung: je nach Kessel alle vier bis acht Wochen. Aus 5 Tonnen Pellets fallen bei ENplus A1 (unter 0,7 % Aschegehalt) rund 35 kg Asche an.
  • Feinstaub: Die 1. BImSchV setzt Grenzwerte. Moderne Kessel halten sie ein, ältere brauchen einen Staubabscheider.

Eine Wärmepumpe hat keinen Schornstein, keine Feuerstätte, keine Asche und keinen Schornsteinfeger. Ihre Wartung beschränkt sich auf die Kontrolle des Kältekreises, die Reinigung des Verdampfers und die Prüfung des Kondensatablaufs, zusammen 80 bis 150 € im Jahr. Das ist über 20 Jahre gerechnet ein Unterschied von 4.000 bis 7.000 €, den kaum jemand einrechnet.

Förderung nach BEG

Beide Systeme sind über die Bundesförderung für effiziente Gebäude förderfähig, der Antrag läuft über die KfW und muss vor der Beauftragung gestellt werden.

BonusWärmepumpePelletkessel
Grundförderung30 %30 %
Klimageschwindigkeits-Bonusbis 20 %bis 20 %
Einkommens-Bonusbis 30 %bis 30 %
Effizienz-Bonus (natürliches Kältemittel, z. B. R290)5 %entfällt
Emissionsminderungszuschlag (Staubabscheider)entfällt2.500 € pauschal möglich
Maximaler Fördersatzbis 70 %bis 70 %

In der Praxis wirkt die Förderung ähnlich stark. Bedingung ist in beiden Fällen ein Fachbetrieb, eine Fachunternehmererklärung und der hydraulische Abgleich. Beim Pelletkessel kommt der Staubgrenzwert von 2,5 mg/m³ als Voraussetzung für den Zuschlag hinzu, was in der Regel einen elektrostatischen Staubabscheider erfordert.

Hybridheizung: Wärmepumpe und Pelletkessel

Die Kombination Wärmepumpe Pellets ist kein Kompromiss aus Ratlosigkeit, sondern für bestimmte Häuser die technisch sauberste Lösung. Die Idee: Die Wärmepumpe übernimmt die Grundlast über den größten Teil des Jahres, wenn die Außentemperaturen mild sind und sie mit hoher Jahresarbeitszahl arbeitet. Der Pelletkessel deckt die Spitzenlast an den wenigen sehr kalten Tagen ab, an denen die Wärmepumpe entweder zu wenig Leistung hätte oder mit schlechter Arbeitszahl liefe.

Beide Erzeuger speisen einen gemeinsamen Pufferspeicher, typischerweise 800 bis 1.000 Liter. Die Regelung entscheidet nach Außentemperatur, welcher Erzeuger läuft. Der praktische Gewinn: Die Wärmepumpe darf kleiner ausgelegt werden, etwa auf 60 bis 70 % der Heizlast, was Anschaffungskosten spart und das Takten in der Übergangszeit reduziert.

Der Preis dafür sind zwei Wärmeerzeuger: doppelte Investition, doppelte Wartung, ein komplexeres Hydraulikschema und weiterhin der Platzbedarf für das Pelletlager. Rechnen Sie mit 38.000 bis 55.000 € vor Förderung. Sinnvoll ist das vor allem, wenn ein Pelletkessel bereits vorhanden ist und nur eine Wärmepumpe ergänzt wird. Dann investieren Sie nur einmal.

Der Bivalenzpunkt richtig setzen

Der Bivalenzpunkt ist die Außentemperatur, ab der der zweite Erzeuger zuschaltet. Er ist die einzige Stellschraube, die über die Wirtschaftlichkeit einer Hybridanlage entscheidet.

BivalenzpunktWärmeanteil der WärmepumpeAuslegung der WärmepumpeBewertung
+2 °Cca. 70–78 %ca. 45 % der HeizlastKessel läuft oft, Pelletverbrauch hoch
−2 °Cca. 88–92 %ca. 60 % der Heizlastguter Kompromiss
−5 °Cca. 93–96 %ca. 70 % der HeizlastWärmepumpe dominiert, Kessel als Reserve
−10 °Cca. 98–99 %ca. 90 % der HeizlastKessel fast überflüssig, Investition kaum gerechtfertigt

Der Grund für die auf den ersten Blick überraschenden Zahlen: In Deutschland liegt die Außentemperatur nur an wenigen Tagen im Jahr unter minus 2 °C. Ein Bivalenzpunkt von minus 2 °C bedeutet deshalb, dass die Wärmepumpe rund 90 % der gesamten Jahreswärmemenge liefert, obwohl sie nur für 60 % der Spitzenheizlast ausgelegt ist. Wer den Bivalenzpunkt zu hoch setzt, verschenkt genau diesen Effekt und verbrennt unnötig Pellets.

Hinweis: Wir nennen bewusst keine Modellnummern und keine Preise. Welche Leistung und welcher Bivalenzpunkt zu Ihrem Haus passen, ergibt sich erst aus der Heizlastberechnung nach DIN EN 12831.

Pellets oder Wärmepumpe im Altbau?

Im Altbau entscheidet nicht das Baujahr, sondern die Heizflächen. Prüfen Sie deshalb zuerst das Naheliegende: Stellen Sie an einem kalten Tag die Vorlauftemperatur schrittweise herunter, auf 55 °C, dann auf 50 °C, und beobachten Sie eine Woche, ob alle Räume warm werden. Wenn ja, ist Ihr Haus wärmepumpentauglich, und Sie haben es gerade selbst getestet, ohne einen Cent auszugeben.

Wenn dagegen der schlecht gedämmte Nordraum mit dem kleinen Gussheizkörper bei 55 °C nicht mehr warm wird, haben Sie drei Optionen: diesen einen Heizkörper gegen einen größeren tauschen (300 bis 700 €), die Wärmepumpe trotzdem nehmen und die schlechtere Jahresarbeitszahl akzeptieren, oder zu Pellets beziehungsweise zur Hybridlösung greifen. Häufig ist die erste Option die billigste.

Der ehrliche Fall für Pellets: ein unsanierter Altbau mit dickem Mauerwerk, einfach verglasten Fenstern, Gussheizkörpern und einem Eigentümer, der in den nächsten Jahren nicht sanieren wird. Hier fällt die Jahresarbeitszahl der Wärmepumpe auf 2,0 bis 2,5, und die Stromrechnung wird ungemütlich. Der Pelletkessel liefert dagegen 70 °C Vorlauf ohne jeden Effizienzverlust.

Im Neubau: klare Sache

Im Neubau mit Fußbodenheizung und 30 bis 35 °C Vorlauf erreicht eine Luft-Wasser-Wärmepumpe eine Jahresarbeitszahl von 4,0 bis 4,8. Ein Pelletkessel wäre hier technisch möglich, aber wirtschaftlich unsinnig: Er kostet mehr in der Anschaffung, braucht ein Lager, einen Schornstein und eine jährliche Wartung, und liefert dieselbe Wärme zu höheren Nebenkosten. Für Neubauten lautet die Antwort auf die Frage Wärmepumpe oder Pellets praktisch immer: Wärmepumpe. Eine Monoblock-Wärmepumpe ist dort der übliche Weg.

Entscheidungshilfe in fünf Fragen

  1. Welche Vorlauftemperatur braucht Ihr Haus wirklich? Testen Sie es an einem kalten Tag, statt zu raten. Unter 50 °C ist die Wärmepumpe gesetzt.
  2. Haben Sie 8 bis 14 m² Platz im Keller? Wenn nein, scheiden Pellets aus, unabhängig von allen Kostenrechnungen.
  3. Kommt ein Silowagen bis auf 25 Meter an das Haus? In engen Altstadtlagen ist das ein echtes Ausschlusskriterium.
  4. Haben oder planen Sie eine Photovoltaikanlage? Dann sinkt der effektive Strompreis der Wärmepumpe deutlich, und die Rechnung kippt zu ihren Gunsten.
  5. Wollen Sie sich um eine Feuerstätte kümmern? Asche, Schornsteinfeger, Pelletbestellung und Wartung sind kein K.-o.-Kriterium, aber sie sind Arbeit.

Vorteile und Nachteile

✓ Vorteile

  • Wärmepumpe: kein Brennstofflager, kein Schornstein, keine Asche, sehr geringe Wartungskosten
  • Wärmepumpe: kombinierbar mit Photovoltaik, damit sinkt der effektive Wärmepreis deutlich
  • Wärmepumpe: bekommt zusätzlich den Effizienz-Bonus für natürliche Kältemittel wie R290
  • Pellets: konstant hoher Wirkungsgrad von 90 bis 94 %, unabhängig von der Vorlauftemperatur
  • Pellets: funktioniert im unsanierten Altbau ohne Umbau der Heizflächen
  • Hybrid: die Wärmepumpe kann kleiner ausgelegt werden und läuft im effizienten Bereich

✕ Nachteile

  • Wärmepumpe: Jahresarbeitszahl bricht bei hohen Vorlauftemperaturen ein, im unsanierten Altbau kritisch
  • Wärmepumpe: Außeneinheit braucht Platz, Schallschutz und Rücksicht auf Nachbarn
  • Pellets: 8 bis 14 m² Lager- und Technikfläche, Silowagen muss heranfahren können
  • Pellets: 250 bis 450 € Nebenkosten pro Jahr für Wartung, Schornsteinfeger und Asche
  • Pellets: stark schwankender Brennstoffpreis, in den letzten Jahren zwischen 230 und über 700 € pro Tonne
  • Hybrid: zwei Wärmeerzeuger bedeuten doppelte Investition und komplexere Hydraulik

Fazit

🏆 Entscheidungshilfe

Wärmepumpe oder Pellets: die Heizflächen entscheiden, nicht der Prospekt

4.4/ 5

Unter 50 °C Vorlauftemperatur ist die Wärmepumpe wirtschaftlich klar überlegen. Über 60 °C und ohne Sanierungsabsicht gewinnt der Pelletkessel. Dazwischen liegt das Feld der Hybridheizung.

Die reinen Brennstoffkosten der beiden Systeme liegen erstaunlich nah beieinander, rund 1.500 € im Jahr für ein typisches Einfamilienhaus. Den Ausschlag geben die Nebenkosten, der Platzbedarf und die Jahresarbeitszahl. Testen Sie deshalb vor der Entscheidung, mit welcher Vorlauftemperatur Ihr Haus wirklich warm wird. Diese eine Zahl entscheidet die Frage Pellets oder Wärmepumpe zuverlässiger als jeder Kostenvergleich.

Weiterführende Links und Quellen

Häufige Fragen

Wärmepumpe oder Pellets: was ist günstiger?

In den reinen Brennstoffkosten nehmen sich beide erstaunlich wenig. Für 20.000 kWh Heizwärme braucht eine Wärmepumpe mit einer Jahresarbeitszahl von 3,5 rund 5.700 kWh Strom, das sind bei 0,26 €/kWh etwa 1.480 €. Ein Pelletkessel mit 90 % Wirkungsgrad verbrennt dafür rund 4,6 Tonnen Pellets, bei 320 €/Tonne also etwa 1.470 €. Der Unterschied entsteht bei den Nebenkosten: Wartung, Schornsteinfeger und Ascheentsorgung kosten beim Pelletkessel 250 bis 450 € im Jahr, bei der Wärmepumpe 80 bis 150 €.

Pellets oder Wärmepumpe im unsanierten Altbau?

Im unsanierten Altbau mit Gussheizkörpern und einer nötigen Vorlauftemperatur von 65 bis 75 °C ist eine Luft-Wasser-Wärmepumpe allein selten wirtschaftlich: Ihre Jahresarbeitszahl fällt auf 2,2 bis 2,6, die Stromkosten steigen entsprechend. Ein Pelletkessel arbeitet dagegen bei jeder Vorlauftemperatur mit demselben Wirkungsgrad. Entweder Sie senken durch größere Heizflächen und Dämmung die Vorlauftemperatur, dann wird die Wärmepumpe attraktiv, oder Sie wählen Pellets beziehungsweise eine Hybridlösung.

Was kostet eine Pelletheizung im Vergleich zur Wärmepumpe?

Ein Pelletkessel mit Lager, Austragung und Pufferspeicher kostet installiert 25.000 bis 40.000 €. Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe der 10-kW-Klasse liegt installiert bei 20.000 bis 33.000 €, eine Sole-Wasser-Wärmepumpe mit Erdsonde bei 30.000 bis 48.000 €. Beide werden über die BEG mit bis zu 70 % der förderfähigen Kosten bezuschusst, die Wärmepumpe kann zusätzlich den Effizienz-Bonus für natürliche Kältemittel erhalten.

Wie viel Platz braucht ein Pelletlager?

Für ein Einfamilienhaus mit 20.000 kWh Wärmebedarf brauchen Sie rund 4,6 Tonnen Pellets im Jahr. Da eine Tonne Pellets etwa 1,5 Kubikmeter Schüttvolumen einnimmt und das Lager nur zu zwei Dritteln gefüllt werden kann, sind rund 10 bis 11 Kubikmeter Lagerraum nötig, also ein Raum von 6 bis 10 m² Grundfläche bei normaler Kellerhöhe. Dazu kommt der Kessel selbst mit Pufferspeicher. Eine Wärmepumpe braucht dagegen nur die Außeneinheit und den Speicher.

Was ist eine Hybridheizung aus Wärmepumpe und Pellets?

Bei dieser Kombination deckt die Wärmepumpe die Grundlast über den Großteil des Jahres, der Pelletkessel springt an den kältesten Tagen ein. Beide arbeiten auf einen gemeinsamen Pufferspeicher. Der Vorteil: Die Wärmepumpe kann kleiner ausgelegt werden und läuft immer im effizienten Bereich, während der Kessel die Spitzenlast mit hoher Vorlauftemperatur abdeckt. Der Nachteil sind zwei Wärmeerzeuger, also doppelte Investition, doppelte Wartung und ein komplexeres Hydraulikschema.

Was ist der Bivalenzpunkt?

Der Bivalenzpunkt ist die Außentemperatur, ab der der zweite Wärmeerzeuger zugeschaltet wird. Bei einer Hybridanlage aus Wärmepumpe und Pelletkessel liegt er typischerweise zwischen minus 2 und minus 5 °C. Oberhalb davon heizt die Wärmepumpe allein, unterhalb übernimmt oder unterstützt der Kessel. Ein Bivalenzpunkt von minus 3 °C bedeutet in Deutschland, dass die Wärmepumpe rund 90 bis 95 % der Jahreswärmemenge liefert und der Kessel nur die wenigen Frosttage abdeckt.

Sind Pellets wirklich klimafreundlich?

Pellets gelten bilanziell als weitgehend CO2-neutral, weil beim Verbrennen nur das Kohlendioxid frei wird, das der Baum zuvor gebunden hat. Kritisch sind zwei Punkte: die Feinstaubemission, die je nach Kessel und Filter zwischen 15 und 40 mg/m³ liegt, und die Frage der Rohstoffherkunft. Achten Sie auf ENplus-A1-zertifizierte Ware aus Sägerestholz, nicht auf Pellets aus Frischholz. Eine Wärmepumpe emittiert vor Ort gar nichts, ihre Bilanz hängt am Strommix.

Kann ich eine Wärmepumpe mit einer bestehenden Pelletheizung kombinieren?

Ja, das ist einer der häufigsten Hybridfälle. Der vorhandene Pelletkessel bleibt, eine Luft-Wasser-Wärmepumpe kommt dazu und beide speisen einen gemeinsamen Pufferspeicher. Die Regelung entscheidet nach Außentemperatur und Strompreis, wer läuft. Voraussetzung ist eine ausreichend große hydraulische Weiche oder ein Pufferspeicher, damit sich die beiden Erzeuger nicht gegenseitig stören.

Wie hoch ist der Wirkungsgrad eines Pelletkessels?

Moderne Pelletkessel erreichen im Volllastbetrieb 90 bis 94 % Wirkungsgrad, im Teillastbetrieb sinkt der Wert auf 85 bis 90 %. Diese Zahl ist nicht mit der Jahresarbeitszahl einer Wärmepumpe vergleichbar: Der Kessel wandelt Brennstoff in Wärme und kann nie über 100 % kommen, die Wärmepumpe holt Umweltwärme dazu und erreicht deshalb 300 bis 450 %. Verglichen werden dürfen nur die Kosten pro Kilowattstunde Nutzwärme.

Redaktion WattRatgeber Kaufberatung Haus-Energie

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