WÄRMEPUMPE

Hochtemperatur-Wärmepumpe im Altbau: was 70 bis 75 Grad Vorlauf wirklich kosten

Wärmepumpe und Heizungstechnik im Keller eines Altbaus
Eine Hochtemperatur-Wärmepumpe kauft Vorlauftemperatur, und sie bezahlt sie mit Arbeitszahl, Foto: Pexels

Eine Hochtemperatur-Wärmepumpe verspricht das, was viele Altbaubesitzer hören wollen: Heizung tauschen, Heizkörper und Rohre behalten, fertig. Technisch geht das inzwischen tatsächlich, 70 und in Einzelfällen 75 Grad Vorlauf sind mit Propan, Dampfeinspritzung oder einer Kaskade erreichbar. Nur ist der Preis dafür nicht der Aufpreis auf dem Angebot, sondern die Jahresarbeitszahl über zwanzig Jahre.

Dieser Ratgeber rechnet nach, was jedes Kelvin Vorlauftemperatur kostet, welche Technik welche Temperatur überhaupt hergibt, wann Bestandsheizkörper bleiben dürfen und wann der Tausch einzelner Geräte die klar günstigere Lösung ist. Und er sagt deutlich, in welchen Fällen die heiße Maschine schlicht die bequeme Variante ist, mit der man sich die Auslegung spart.

Was eine Hochtemperatur-Wärmepumpe ausmacht

Der Begriff Hochtemperatur-Wärmepumpe ist nicht geschützt. In der Praxis hat sich eingebürgert, Geräte so zu nennen, die im Heizbetrieb dauerhaft 65 Grad und mehr Vorlauf liefern. Standardgeräte enden bei 55 Grad, viele ältere Modelle schon bei 50. Der Unterschied klingt klein, er entscheidet aber darüber, ob ein unsanierter Altbau mit seinen vorhandenen Gliederheizkörpern warm wird oder nicht.

Wichtig ist die Unterscheidung zwischen maximaler und typischer Vorlauftemperatur. Fast jede Wärmepumpe schafft kurzzeitig hohe Temperaturen, wenn ein elektrischer Heizstab zuschaltet. Das ist keine Hochtemperatur-Wärmepumpe, das ist eine Elektroheizung mit Vorschaltgerät. Gemeint ist immer die Temperatur, die der Kältekreis allein erreicht, und zwar bei der Außentemperatur, bei der Sie die Wärme brauchen.

KlasseTypische VorlauftemperaturPasst zuAnmerkung
Niedertemperatur30 bis 40 °CFußboden- und Wandheizungbestmögliche Arbeitszahl
Standard45 bis 55 °Causgelegte Flachheizkörperder Normalfall im sanierten Bestand
Hochtemperatur65 bis 75 °CBestandsheizkörper im AltbauAufpreis und rund 15 bis 25 % weniger Arbeitszahl
Mit Heizstab überbrücktbis 75 °CNotbetrieb, LegionellenschaltungWirkungsgrad fällt auf 1,0, keine echte Lösung
Industrie90 bis 160 °CProzesswärme, Trocknung, Dampfandere Kältemittel, andere Leistungsklasse

Die ehrliche Reihenfolge bei der Planung lautet deshalb: erst die benötigte Vorlauftemperatur senken, dann die Maschine dazu kaufen. Wer diesen Schritt überspringt, kauft sich mit einem heißeren Gerät zwanzig Jahre höhere Stromrechnung. Wie weit sich die Systemtemperatur mit vorhandenen Heizflächen drücken lässt, zeigt unser Ratgeber zu Wärmepumpen ohne Fußbodenheizung.

R290, EVI und Kaskade: wie 70 Grad entstehen

Die Obergrenze einer Wärmepumpe wird nicht vom Verdichter allein bestimmt, sondern zuerst vom Kältemittel. Oberhalb seiner kritischen Temperatur kann ein Stoff nicht mehr kondensieren, und ohne Kondensation gibt es keine Wärmeabgabe im gewohnten Sinn. Praktisch braucht ein Kältemittel etwa 20 bis 25 Kelvin Abstand zur kritischen Temperatur, damit der Kreisprozess noch vernünftig arbeitet.

KältemittelKritische TemperaturGWPPraktisch erreichbarer Vorlauf
R410A71,4 °Cca. 2.088bis etwa 55 °C
R3278,1 °Cca. 675bis etwa 60 °C
R454Crund 82 °Cca. 148bis etwa 60 bis 65 °C
R290 (Propan)96,7 °C370 bis 75 °C
R600a (Isobutan)134,7 °C3über 80 °C, kaum in Serie
R744 (CO2)31,0 °C1transkritisch, sehr gut für Warmwasser

Deshalb ist praktisch jede seriöse Hochtemperatur-Wärmepumpe für Wohngebäude heute ein Propangerät. Dass Propan brennbar ist, macht es nicht gefährlich, aber es bindet den Aufstellort: Monoblock im Freien, definierte Schutzbereiche, keine Kältemittelleitungen ins Haus. Was daraus für Aufstellung und Wartung folgt, steht ausführlich in unserem Beitrag zur R290-Wärmepumpe.

EVI: Dampfeinspritzung im Verdichter

Enhanced Vapour Injection heißt: Ein Teil des Kältemittels wird nach dem Verflüssiger abgezweigt, entspannt, in einem Zwischenwärmetauscher verdampft und mitten in den Verdichtungsvorgang wieder eingespritzt. Das kühlt den Verdichter von innen und senkt die Heißgastemperatur. Genau die ist sonst der Grund, warum ein Verdichter bei hohem Druckverhältnis abschaltet. Praktisch gewinnt EVI bei tiefen Außentemperaturen 15 bis 30 Prozent Heizleistung und erlaubt gleichzeitig einen höheren Vorlauf. Kostenlos ist das nicht, der Zusatzmassenstrom braucht Verdichterarbeit.

Kaskade: zwei Kältekreise hintereinander

Bei der Kaskade gibt ein erster Kreis seine Wärme an den Verdampfer eines zweiten Kreises ab. Jeder Kreis muss dadurch nur die halbe Temperaturdifferenz überwinden, das System schafft 80 Grad und mehr. Der Preis sind zwei Verdichter, zwei Kältemittelfüllungen, ein zusätzlicher Wärmetauscher mit seinem eigenen Temperaturverlust und eine deutlich anspruchsvollere Regelung. Im Einfamilienhaus ist das fast immer überzogen. Ihren Platz hat die Kaskade in Mehrfamilienhäusern und im Gewerbe.

Moderner Flachheizkörper unter einem Fenster in einem Altbauzimmer
Ein größerer Heizkörper im kritischen Raum senkt die nötige Vorlauftemperatur des gesamten Hauses, Foto: Pexels
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Was die hohe Vorlauftemperatur die Arbeitszahl kostet

Der theoretische Höchstwert einer Wärmepumpe folgt der Carnot-Formel: COP steht im besten Fall für die absolute Temperatur der Wärmesenke geteilt durch die Temperaturdifferenz zwischen Senke und Quelle, beides in Kelvin. Reale Geräte erreichen davon einen Gütegrad von etwa 40 bis 50 Prozent. Die folgende Tabelle rechnet mit 45 Prozent und einer Außentemperatur von 2 Grad, also 275 Kelvin auf der Quellenseite.

VorlauftemperaturCarnot-COPRealistischer COP (Gütegrad 0,45)Relativ zu 35 °C
35 °C9,34,20100 %
45 °C7,43,3379 %
55 °C6,22,7966 %
65 °C5,42,4258 %
70 °C5,02,2754 %
75 °C4,82,1551 %

Daraus lässt sich die einzige Faustzahl ableiten, die man sich merken muss: Jedes Kelvin Vorlauftemperatur kostet ungefähr 2 bis 2,5 Prozent Arbeitszahl. Der Sprung von 55 auf 70 Grad kostet also rund 18 Prozent, der Sprung von 35 auf 70 Grad etwa 46 Prozent. Wer eine Hochtemperatur-Wärmepumpe kauft und sie anschließend wirklich mit 70 Grad fährt, zahlt diesen Aufschlag jeden Winter erneut.

Ein wichtiger Trost steckt in der Heizkurve: Die Auslegungstemperatur wird an wenigen Tagen im Jahr gebraucht. In Deutschland liegt die mittlere Heizperiodentemperatur bei etwa 5 Grad, die Normaußentemperatur je nach Region bei minus 10 bis minus 16 Grad. Eine sauber eingestellte Heizkurve fährt den größten Teil der Saison mit 40 bis 50 Grad. Die Jahresarbeitszahl leidet dadurch weniger stark als der Auslegungspunkt vermuten lässt, typischerweise sinkt sie von etwa 3,4 auf 2,8 bis 3,0, statt auf die im Auslegungspunkt gerechneten 2,3.

Bestandsheizkörper behalten oder einzeln tauschen

Die Wärmeabgabe eines Heizkörpers folgt keiner Geraden, sondern einer Potenzfunktion. Maßgeblich ist die logarithmische Übertemperatur zwischen Heizwasser und Raumluft, potenziert mit dem Heizkörperexponenten. Der liegt bei Flachheizkörpern bei rund 1,3, bei Gliederheizkörpern eher bei 1,27 bis 1,3, bei Konvektoren höher. Normbedingung ist 75/65/20, also 75 Grad Vorlauf, 65 Grad Rücklauf, 20 Grad Raumtemperatur.

SystemLogarithmische ÜbertemperaturLeistung mit Exponent 1,3Nötige Heizfläche
75/65/20 (Norm)49,8 K100 %Faktor 1,00
70/60/2044,8 K87 %Faktor 1,15
65/55/2039,8 K75 %Faktor 1,34
60/50/2034,8 K63 %Faktor 1,60
55/45/2029,7 K51 %Faktor 1,96
50/40/2024,7 K40 %Faktor 2,50
45/35/2019,6 K30 %Faktor 3,37

Diese Tabelle wird oft als Argument für die Hochtemperatur-Wärmepumpe zitiert, und sie ist tatsächlich der Kern der Sache. Nur wird dabei ein Punkt unterschlagen: Die Nennleistung des alten Heizkörpers ist nicht die Heizlast des Raums. Altbau-Heizkörper wurden früher großzügig ausgelegt, oft mit 30 bis 50 Prozent Reserve, und seither hat fast jedes Haus neue Fenster oder eine gedämmte obere Geschossdecke bekommen. Die tatsächliche Heizlast liegt deshalb regelmäßig bei der Hälfte der installierten Heizkörperleistung.

Der Engpassraum bestimmt die Systemtemperatur

Entscheidend ist nicht der Durchschnitt, sondern der schlechteste Raum. Die Heizungsanlage muss die Vorlauftemperatur liefern, die dieser eine Raum braucht, alle anderen werden über Thermostatventile und den hydraulischen Abgleich gedrosselt. In der Praxis sind das zwei bis vier Räume je Haus, oft das Bad, ein Nordzimmer oder ein Raum mit besonders kleinem Heizkörper unter einer Fensterbank.

Genau hier liegt die günstigere Alternative zur heißen Maschine: Diese zwei bis vier Heizkörper tauschen. Ein Flachheizkörper vom Typ 22 oder 33 mit gleicher Baugröße bringt oft doppelt so viel Leistung wie ein alter Typ 11. Materialkosten liegen bei 150 bis 400 Euro je Gerät, mit Montage bei 400 bis 900 Euro. Wer welche Bauform und welchen Typ braucht, steht in unserem Ratgeber zu Heizkörpern für die Wärmepumpe.

Vor jeder dieser Entscheidungen steht eine raumweise Heizlastberechnung nach DIN EN 12831 und ein hydraulischer Abgleich nach Verfahren B. Für Wärmepumpen, die über die BEG-EM gefördert werden, ist dieser Abgleich ohnehin verpflichtend. Er kostet im Einfamilienhaus etwa 700 bis 1.400 Euro und liefert nebenbei die Zahl, um die es hier geht: die tatsächlich nötige Vorlauftemperatur.

Warmwasser und Legionellenschutz nach DVGW W 551

Das zweite Argument für hohe Temperaturen ist das Trinkwasser. Hier gilt es, zwei Dinge sauber zu trennen: die Komforttemperatur am Hahn und den hygienisch notwendigen Schutz vor Legionellen.

Das DVGW-Arbeitsblatt W 551 unterscheidet Klein- und Großanlagen. Als Kleinanlage gilt eine Anlage in einem Ein- oder Zweifamilienhaus sowie jede Anlage mit einem Speicher bis 400 Liter und höchstens 3 Litern Wasserinhalt in jeder Leitung zwischen Trinkwassererwärmer und Entnahmestelle. Für Kleinanlagen fordert das Regelwerk keine 60-Grad-Speichertemperatur, es empfiehlt sie. Erst bei Großanlagen sind 60 Grad am Speicheraustritt und mindestens 55 Grad im Zirkulationsrücklauf verbindlich.

AnlagentypAnforderung nach W 551Konsequenz für die Wärmepumpe
Ein-/Zweifamilienhaus, Speicher bis 400 lKleinanlage, 60 °C empfohlen50 bis 55 °C Speicher genügen meist, kein Hochtemperaturgerät nötig
Frischwasserstation ohne Speichervolumenkaum stehendes Trinkwasserhygienisch günstigste Lösung, Pufferspeicher führt Heizwasser
Mehrfamilienhaus mit ZirkulationGroßanlage, 60 °C Austritt, 55 °C Rücklaufhier zahlt sich hohe Vorlauftemperatur wirklich aus
Leitungsinhalt über 3 l je StrangGroßanlagenregeln greifenLeitungen kürzen ist oft billiger als heißer fahren

Die praktische Konsequenz: Ein Einfamilienhaus braucht für Warmwasser fast nie eine Hochtemperatur-Wärmepumpe. Eine Frischwasserstation an einem Pufferspeicher oder ein separates Gerät nach dem Prinzip der Brauchwasser-Wärmepumpe löst das Problem eleganter und mit besserer Arbeitszahl. Wie groß der Puffer dabei sein sollte und wann er überhaupt nötig ist, klärt unser Beitrag zum Pufferspeicher für die Wärmepumpe.

Kosten, Stromverbrauch und BEG-Förderung

Der Aufpreis für ein hochtemperaturfähiges Gerät gegenüber einem Standardmodell gleicher Leistung liegt im Wohnbereich bei etwa 1.500 bis 4.000 Euro auf der Geräteseite. Die eigentliche Rechnung macht aber der Strom. Das folgende Beispiel geht von einem Altbau mit 20.000 Kilowattstunden Jahresheizwärmebedarf und einem Wärmepumpentarif von 25 Cent je Kilowattstunde aus.

BetriebsweiseJahresarbeitszahlStrombedarf pro JahrStromkosten bei 25 ct/kWh
Systemtemperatur 45 °C nach Heizkörpertausch3,65.556 kWhrund 1.389 €
Systemtemperatur 55 °C, Heizkurve optimiert3,16.452 kWhrund 1.613 €
Systemtemperatur 65 °C2,77.407 kWhrund 1.852 €
Systemtemperatur 70 °C, Bestand unverändert2,58.000 kWhrund 2.000 €
Zusätzlich häufiger Heizstabbetrieb2,19.524 kWhrund 2.381 €

Zwischen der ersten und der vierten Zeile liegen gut 600 Euro im Jahr. Über zwanzig Jahre sind das rund 12.000 Euro, ohne jede Strompreissteigerung gerechnet. Der Tausch von drei Heizkörpern kostet dagegen 1.200 bis 2.700 Euro. Diese Rechnung ist der Grund, warum wir die Hochtemperatur-Wärmepumpe im Regelfall nicht empfehlen, sondern die Absenkung der nötigen Vorlauftemperatur.

Förderung nach BEG-EM

Gefördert wird über die Heizungsförderung der KfW im Rahmen der BEG-Einzelmaßnahmen. Die Grundförderung beträgt 30 Prozent. Dazu kommen ein Klimageschwindigkeitsbonus für den Austausch einer alten fossilen Heizung, ein einkommensabhängiger Bonus und ein Effizienzbonus von 5 Prozentpunkten, wenn ein natürliches Kältemittel wie Propan eingesetzt wird. Die Summe ist auf 70 Prozent gedeckelt, die förderfähigen Kosten bei einer Wohneinheit auf 30.000 Euro. Der Effizienzbonus ist der einzige Punkt, an dem die Hochtemperaturtechnik einen Vorteil hat: Sie ist ohnehin fast immer ein Propangerät.

Vom Gebäudeenergiegesetz her ist die Sache neutral. Paragraf 71 GEG verlangt, dass eine neu eingebaute Heizung zu mindestens 65 Prozent mit erneuerbaren Energien betrieben wird. Eine Wärmepumpe erfüllt das unabhängig von ihrer Vorlauftemperatur. Wer stattdessen den fossilen Kessel als Spitzenlast behalten will, findet die Bedingungen in unserem Beitrag zur Hybridheizung aus Gas und Wärmepumpe.

Hochtemperatur-Wärmepumpe in Industrie und Gewerbe

Der Suchbegriff Hochtemperatur-Wärmepumpe Industrie meint etwas völlig anderes als das Gerät im Heizungskeller. Hier geht es um Prozesswärme zwischen 90 und 160 Grad, teils bis 200 Grad, für Trocknung, Eindampfung, Reinigung, Pasteurisierung oder Dampferzeugung. Die Leistungsklassen beginnen bei einigen hundert Kilowatt und reichen in den Megawattbereich.

Technisch arbeiten diese Anlagen mit Kältemitteln hoher kritischer Temperatur, mit mehrstufigen Turbo- oder Schraubenverdichtern und häufig mit einer Abwärmequelle statt Außenluft. Das ist der entscheidende Unterschied: Wenn die Quelle bereits 40 oder 50 Grad hat, etwa Abwärme aus einem Kühlprozess, dann ist ein Hub auf 120 Grad thermodynamisch weniger dramatisch als ein Hub von 2 auf 70 Grad im Wohngebäude. Leistungszahlen von 3 bis 5 sind dort realistisch.

Für Privathaushalte hat dieser Markt keine Relevanz. Wenn Ihnen ein Anbieter eine Industriewärmepumpe fürs Einfamilienhaus anbietet, ist das entweder ein Missverständnis oder ein Verkaufsargument ohne Substanz.

Testsieger und was Datenblätter verschweigen

Zur Suche nach einem Hochtemperatur-Wärmepumpe Testsieger eine klare Ansage: Uns ist kein unabhängiger deutscher Vergleichstest bekannt, der ausschließlich hochtemperaturfähige Geräte unter identischen Randbedingungen geprüft hat. Was als Ranking kursiert, sind in aller Regel Herstellerangaben oder Händlerlisten. Wer eine Kaufentscheidung darauf stützt, vergleicht Marketingmaterial.

Vergleichbar sind dagegen genormte Werte. Die EN 14825 legt die Betriebspunkte fest, aus denen der jahreszeitbedingte SCOP berechnet wird, gemessen bei Außentemperaturen von minus 7, 2, 7 und 12 Grad und für die Anwendungsfälle Niedertemperatur mit 35 Grad und Mitteltemperatur mit 55 Grad Vorlauf. Ein normierter Punkt bei 70 Grad existiert für Raumheizung nicht. Jede Zahl, die ein Hersteller für 70 oder 75 Grad nennt, stammt aus einer eigenen Messung.

Angabe im DatenblattWas sie wirklich bedeutetWorauf Sie achten müssen
„bis 75 °C Vorlauf“Maximum im günstigsten BetriebspunktEinsatzgrenzendiagramm: bei welcher Außentemperatur gilt das?
SCOP 4,5fast immer 35 °C Vorlauf, mildes Klimanur den Wert für 55 °C und das Klima „average“ vergleichen
„Heizleistung 12 kW“meist A7/W35relevant ist A minus 7 bei Ihrer Vorlauftemperatur
„inklusive Elektroheizstab“Spitzenlast wird elektrisch gedecktBivalenzpunkt und geschätzte Heizstabanteile erfragen
Schallleistungspegel 54 dB(A)Prüfbedingung, nicht NachtbetriebHochtemperaturbetrieb heißt hohe Verdichterdrehzahl und mehr Schall

Ein Punkt, der in Datenblättern selten auftaucht: Hohe Vorlauftemperaturen bedeuten hohe Verdichterdrehzahlen und damit mehr Schall. Wer sein Gerät in einem engen Reihenhausgarten aufstellt, sollte die Immissionsrichtwerte der TA Lärm im Blick behalten, nachts 35 dB(A) in reinen Wohngebieten. Mögliche Gegenmaßnahmen zeigt unser Ratgeber zur Schallschutzhaube für Wärmepumpen.

Typische Fehler

1. Hochtemperatur kaufen, statt die Heizlast zu rechnen

Der häufigste und teuerste Fehler. Ohne raumweise Heizlast nach DIN EN 12831 weiß niemand, welche Vorlauftemperatur das Haus wirklich braucht. Die Schätzung fällt dann sicherheitshalber hoch aus, und die Anlage läuft zwanzig Jahre mit 15 Prozent schlechterer Arbeitszahl als nötig. Die Berechnung kostet einen Bruchteil dieses Verlusts.

2. Die maximale Vorlauftemperatur ohne Außentemperatur lesen

„Bis 75 Grad“ steht im Prospekt, gilt aber oft nur bis etwa plus 5 Grad Außentemperatur. Bei minus 10 Grad, also genau dann, wenn Sie die Temperatur brauchen, liefert dasselbe Gerät vielleicht noch 62 Grad und der Heizstab springt ein. Prüfen Sie das Einsatzgrenzendiagramm, nicht die Titelseite.

3. Alle Heizkörper tauschen statt der richtigen

Der umgekehrte Fehler kostet ebenfalls Geld. Ein kompletter Heizkörpertausch im Einfamilienhaus liegt schnell bei 6.000 bis 12.000 Euro, obwohl in der Regel nur zwei bis vier Räume den Engpass bilden. Der hydraulische Abgleich sagt Ihnen, welche das sind.

4. Den Heizstab als normalen Betriebszustand akzeptieren

Sobald der elektrische Heizstab mitläuft, arbeitet dieser Teil der Anlage mit einer Leistungszahl von 1,0. Zehn Prozent Heizstabanteil drücken eine Jahresarbeitszahl von 3,0 auf etwa 2,5. Lassen Sie sich den geplanten Bivalenzpunkt schriftlich geben und den Heizstabanteil im Betrieb über den Wärmemengenzähler nachweisen.

Vorteile und Nachteile

✓ Vorteile

  • Bestandsheizkörper und vorhandene Rohrleitungen können in vielen Fällen bleiben, das spart Eingriffe in die Bausubstanz
  • Mit Propan R290 erreichbare 70 bis 75 Grad decken auch unsanierte Altbauten ohne Heizstab ab
  • Propangeräte sichern den Effizienzbonus von 5 Prozentpunkten in der BEG-EM-Heizungsförderung
  • Im Mehrfamilienhaus mit Zirkulation erfüllt sie die 60-Grad-Anforderung der DVGW W 551 an Großanlagen ohne Zusatzheizung
  • Der Umstieg ist in einer Heizperiode machbar, ohne vorherige Fassaden- oder Fußbodensanierung

✕ Nachteile

  • Rund 2 bis 2,5 Prozent Arbeitszahl gehen je Kelvin Vorlauftemperatur verloren, von 55 auf 70 Grad sind das etwa 18 Prozent
  • Aufpreis von etwa 1.500 bis 4.000 Euro gegenüber einem Standardgerät gleicher Leistung
  • Hohe Verdichterdrehzahlen bedeuten mehr Schall, was in engen Grundstückssituationen zum Problem wird
  • Es gibt keinen genormten Messpunkt bei 70 Grad, Herstellerangaben sind daher kaum vergleichbar
  • Sie verleitet dazu, die Heizlastberechnung und den hydraulischen Abgleich zu überspringen, und zementiert damit eine teure Systemtemperatur

Fazit

🏆 Nur im Sonderfall empfehlenswert

Hochtemperatur-Wärmepumpe: die richtige Lösung für wenige, die bequeme für viele

3.4/ 5

Technisch funktioniert die Sache: Propan mit Dampfeinspritzung liefert zuverlässig 70 Grad Vorlauf, und ein unsanierter Altbau wird damit warm. Bezahlt wird das mit etwa 18 Prozent Arbeitszahl gegenüber 55 Grad, also mit rund 400 bis 600 Euro Mehrkosten pro Jahr in einem typischen Einfamilienhaus.

Sinnvoll ist sie, wenn der Heizkörpertausch am Denkmalschutz, an Heizkörpernischen, an fehlendem Platz oder an einer Zirkulationsleitung im Mehrfamilienhaus scheitert. In allen anderen Fällen empfehlen wir den umgekehrten Weg: Heizlast raumweise rechnen, hydraulisch abgleichen, die zwei bis vier Engpassheizkörper austauschen und ein Standardgerät für 55 Grad kaufen. Diese Variante kostet einmalig weniger und läuft zwei Jahrzehnte günstiger.

Weiterführende Links und Quellen

Häufige Fragen

Was ist eine hochtemperatur wärmepumpe?

Eine Wärmepumpe, die im Heizbetrieb dauerhaft 65 bis 75 Grad Vorlauftemperatur bereitstellt, statt der bei Standardgeräten üblichen 55 Grad. Erreicht wird das über Kältemittel mit hoher kritischer Temperatur wie Propan R290, über EVI-Dampfeinspritzung im Verdichter oder über zwei hintereinander geschaltete Kältekreise. Eine geschützte Definition oder Normgrenze für den Begriff gibt es nicht.

Bis zu welcher Vorlauftemperatur schafft es eine wärmepumpe hochtemperatur?

Serienreife Luft-Wasser-Geräte mit Propan erreichen 70 bis 75 Grad, allerdings meist nur bis zu einer bestimmten Außentemperatur. Unter minus 7 Grad fällt die maximale Vorlauftemperatur bei vielen Geräten auf 60 bis 65 Grad ab, weil das Druckverhältnis im Verdichter an seine Grenze stößt. Lesen Sie im Datenblatt immer das Einsatzgrenzendiagramm, nicht die Titelzahl.

Lohnt sich eine hochtemperatur-wärmepumpe im Altbau?

Nur wenn der Heizkörpertausch am Denkmalschutz, an eingemauerten Nischen oder an fehlendem Platz scheitert. In allen anderen Fällen ist es günstiger, die zwei bis vier kritischen Räume mit größeren Heizkörpern auszustatten und die Vorlauftemperatur auf 55 Grad zu drücken. Das rechnet sich über die Jahresarbeitszahl fast immer schneller als der Aufpreis für ein heißeres Gerät.

Wie viel Arbeitszahl kostet eine höhere Vorlauftemperatur?

Als Faustzahl rund 2 bis 2,5 Prozent je Kelvin. Von 55 auf 70 Grad sind das etwa 18 Prozent, von 35 auf 70 Grad etwa 46 Prozent. Der Zusammenhang folgt der Carnot-Logik: Je größer der Temperaturhub zwischen Wärmequelle und Heizwasser, desto mehr Strom braucht der Verdichter für dieselbe Wärmemenge.

Gibt es einen hochtemperatur-wärmepumpe testsieger?

Uns ist kein unabhängiger deutscher Vergleichstest bekannt, der ausschließlich Hochtemperatur-Geräte unter identischen Randbedingungen geprüft hat. Was kursiert, sind Herstellerdatenblätter und Händlerrankings. Vergleichen Sie stattdessen selbst die nach EN 14825 ermittelten SCOP-Werte bei 55 Grad Vorlauf und das Einsatzgrenzendiagramm. Diese beiden Angaben sind vergleichbar, eine Testnote wäre es ohnehin nicht.

Was ist bei einer hochtemperatur wärmepumpe industrie anders?

Die Temperaturziele liegen deutlich höher, typisch 90 bis 160 Grad für Prozesswärme, Trocknung oder Dampferzeugung. Eingesetzt werden andere Kältemittel und mehrstufige Verdichter, und die Anlagen beginnen bei einigen hundert Kilowatt. Mit den Geräten für den Heizungskeller hat diese Klasse außer dem Namen wenig gemeinsam. Für Wohngebäude ist sie irrelevant.

Brauche ich mit einer Wärmepumpe 60 Grad gegen Legionellen?

Im Ein- und Zweifamilienhaus in der Regel nicht. Das DVGW-Arbeitsblatt W 551 stuft solche Anlagen als Kleinanlagen ein, wenn der Speicher höchstens 400 Liter fasst und in keiner Leitung mehr als 3 Liter zwischen Erwärmer und Entnahme stehen. Empfohlen bleiben 60 Grad, gefordert sind sie erst bei Großanlagen, also etwa im Mehrfamilienhaus.

Kann ich meine alten Heizkörper behalten?

Häufig ja, aber selten alle. Ein für 75/65 ausgelegter Heizkörper gibt bei 55/45 noch rund 51 Prozent seiner Nennleistung ab. Weil die meisten Altbau-Heizkörper von Anfang an großzügig dimensioniert wurden, reicht das in vielen Räumen. Ermitteln Sie mit einer raumweisen Heizlast, welche zwei oder drei Räume nicht mitkommen, und tauschen Sie gezielt nur diese.

Welche Förderung gibt es für eine Hochtemperatur-Wärmepumpe?

Dieselbe wie für jede andere Wärmepumpe: die Heizungsförderung der BEG-EM über die KfW. Grundförderung 30 Prozent, dazu mögliche Boni für schnellen Austausch und niedriges Einkommen, in Summe maximal 70 Prozent. Förderfähig sind bei einer Wohneinheit höchstens 30.000 Euro. Fünf Prozentpunkte Effizienzbonus setzen ein natürliches Kältemittel wie Propan voraus.

Ist eine Kaskade besser als ein einstufiges Gerät?

Für sehr hohe Temperaturen ja, für ein Einfamilienhaus meist nicht. Eine Kaskade aus zwei Kältekreisen erreicht 80 Grad und mehr, verdoppelt aber Verdichter, Wartungspunkte und Regelungsaufwand. Im Wohngebäude ist ein einstufiges Propangerät mit Dampfeinspritzung fast immer die einfachere, leisere und günstigere Lösung.

Redaktion WattRatgeber Kaufberatung Haus-Energie

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