Infrarotheizung im Wintergarten: Wärmebedarf, Platzierung und die Stromkosten realistisch gerechnet
Eine Infrarotheizung im Wintergarten ist einer der wenigen Anwendungsfälle, in denen die Technik nicht nur beworben, sondern physikalisch begründet werden kann. Große Glasflächen strahlen Wärme ab und erzeugen Kaltluftabfall. Ein konvektiver Heizkörper kämpft dagegen an, indem er Luft erwärmt, die ihre Energie unmittelbar an den Scheiben wieder verliert. Ein Strahlungspanel erwärmt stattdessen Personen und feste Oberflächen direkt.
Das ist die eine Hälfte der Wahrheit. Die andere: Jede Kilowattstunde Strom wird zu genau einer Kilowattstunde Wärme, während eine Wärmepumpe aus derselben Kilowattstunde drei bis vier macht. Dieser Ratgeber rechnet beides gegeneinander, zeigt, wie Sie den Wärmebedarf eines verglasten Raums über den Ug-Wert schätzen, wie viel Watt Sie tatsächlich brauchen, wohin die Panels gehören und ab welcher Nutzungsdauer eine andere Technik die bessere Wahl ist.
Warum Infrarot im Wintergarten überhaupt ein Argument hat
In fast jedem Wohnraum ist eine Infrarotheizung die teuerste denkbare Art zu heizen. Im Wintergarten liegt der Fall anders, und zwar aus einem konkreten physikalischen Grund: Der Raum besteht überwiegend aus Flächen, die Wärme verlieren. Glas hat selbst im besten Fall den zehnfachen Wärmedurchgang einer gedämmten Außenwand.
Daraus folgt zweierlei. Erstens kühlt die Luft an der Innenseite der Scheiben ab, wird schwerer und sinkt zu Boden. Dieser Kaltluftabfall ist der Grund, warum es im Wintergarten selbst dann zieht, wenn kein Fenster offen steht. Zweitens sinkt die mittlere Strahlungstemperatur des Raums weit unter die Lufttemperatur. Das Behaglichkeitsempfinden richtet sich aber nach der operativen Temperatur, also näherungsweise dem Mittel aus beidem.
Ein Rechenbeispiel mit alter Isolierverglasung: Die inneren Scheibenoberflächen liegen bei minus 5 °C Außentemperatur bei rund 11 °C. Nimmt man an, dass 60 Prozent der umgebenden Flächen Glas sind und der Rest bei etwa 19 °C liegt, ergibt sich eine mittlere Strahlungstemperatur von rund 14 °C. Bei 20 °C Lufttemperatur fühlt sich der Raum damit an wie 17 °C. Um auf eine operative Temperatur von 20 °C zu kommen, müsste ein Konvektor die Luft auf knapp 26 °C aufheizen, und jedes zusätzliche Kelvin Lufttemperatur erhöht den Transmissionsverlust um rund vier Prozent.
| Raumtyp | Heizlast je m² Grundfläche | Ursache |
|---|---|---|
| Neubau nach GEG, normaler Wohnraum | 30-50 W | gedämmte Hülle, kleiner Fensteranteil |
| Sanierte Bestandswohnung | 60-100 W | Standardfall der üblichen Faustformeln |
| Wintergarten, Zweifach-Wärmeschutzverglasung | 70-110 W | viel Fläche, aber niedriger Ug-Wert |
| Wintergarten, alte Isolierverglasung | 150-250 W | Ug um 2,8, oft ungedämmte Bodenplatte |
| Wintergarten, Einfachverglasung | 250-350 W | Ug 5,8, Vollbeheizung praktisch sinnlos |
Genau hier setzt das Strahlungspanel an. Es erwärmt nicht die Luft, die ihre Energie an der Scheibe wieder abgibt, sondern die Personen und die massiven Oberflächen im Raum. Die empfundene Temperatur steigt, ohne dass die Lufttemperatur auf 26 °C getrieben werden muss. Das ist ein echter Vorteil, und er ist der einzige, den die Technik gegenüber einer Wärmepumpe hat.
Wärmebedarf eines verglasten Raums schätzen
Die belastbare Rechnung führt über die DIN EN 12831. Für die Vorauswahl eines Panels genügt eine vereinfachte Abschätzung, die aber nach Hüllfläche und nicht nach Wohnfläche geht:
- Schritt 1: Hüllfläche ermitteln. Bei einem typischen Anbau mit Glasdach beträgt die verglaste Fläche etwa das 2- bis 3-fache der Grundfläche. Rechnen Sie mit Faktor 2,5.
- Schritt 2: Uw-Wert ansetzen. Der Uw-Wert der fertigen Konstruktion liegt inklusive Rahmen und Riegel typischerweise 0,1 bis 0,3 W/(m²·K) über dem reinen Ug-Wert der Scheibe.
- Schritt 3: Temperaturdifferenz. Für Deutschland üblich sind 20 °C innen gegen minus 5 °C Norm-Außentemperatur, also 25 Kelvin.
- Schritt 4: Heizlast = Hüllfläche × Uw × 25 K. Auf das Ergebnis rund 15 Prozent für Lüftungsverluste und die meist ungedämmte Bodenplatte aufschlagen.
Für 12 m² Grundfläche und Zweifach-Wärmeschutzverglasung ergibt das: 30 m² Hüllfläche × 1,2 × 25 K = 900 W, plus 15 Prozent also rund 1.030 W, das sind 86 W je Quadratmeter Grundfläche. Mit alter Isolierverglasung wird daraus 30 × 3,0 × 25 = 2.250 W, also 187 W je Quadratmeter. Der Faktor zwischen beiden Fällen ist größer als zwei, und er entscheidet darüber, ob eine Infrarotheizung im Wintergarten überhaupt eine sinnvolle Option ist.
Ug-Werte: Einfach-, Zweifach- und Dreifachverglasung
Der Ug-Wert beschreibt den Wärmedurchgang durch die Verglasung in Watt je Quadratmeter und Kelvin. Er bestimmt nicht nur den Verlust, sondern auch die Temperatur der inneren Scheibenoberfläche, und damit gleichzeitig die Behaglichkeit und das Kondensatrisiko. Die innere Oberflächentemperatur lässt sich mit dem normativen Wärmeübergangskoeffizienten von 7,7 W/(m²·K) direkt abschätzen.
| Verglasung | Ug in W/(m²·K) | Innere Scheibentemperatur bei 20/-5 °C | Verlust je m² Glas | Kondensatrisiko |
|---|---|---|---|---|
| Einfachverglasung | 5,8 | rund 1 °C | 145 W | sehr hoch, Kondensat praktisch immer |
| Isolierglas ohne Beschichtung, vor 1995 | 2,8 | rund 11 °C | 70 W | hoch, ab etwa 55 % Luftfeuchte |
| Zweifach-Wärmeschutzverglasung | 1,1 | rund 16 °C | 28 W | gering, erst über 75 % Luftfeuchte |
| Dreifach-Wärmeschutzverglasung | 0,7 | rund 18 °C | 18 W | sehr gering |
Der Sprung von der alten Isolierverglasung zur Zweifach-Wärmeschutzverglasung halbiert den Verlust nicht, er viertelt ihn. Und er hebt die Scheibentemperatur um fünf Kelvin an, was den Kaltluftabfall spürbar dämpft. Nach DIN EN ISO 7730 sollte die Strahlungstemperatur-Asymmetrie gegenüber einer kalten senkrechten Fläche 10 Kelvin nicht überschreiten. Bei 20 °C Raumtemperatur und einer Scheibe mit 11 °C ist dieser Wert bereits gerissen, bei 16 °C wird er eingehalten.
Praktische Konsequenz: Wenn Ihr Wintergarten noch einfach oder alt zweifach verglast ist, ist der Austausch der Verglasung die wirtschaftlich sinnvollere Investition als jede Heiztechnik. Ein Panel, das gegen 145 W Verlust je Quadratmeter Glas anstrahlt, verbrennt Geld.
Wintergarten Infrarotheizung: Wattbedarf nach Fläche
Die folgende Tabelle setzt die spezifischen Werte aus der Bedarfsrechnung um: 300 W je Quadratmeter bei Einfachverglasung, 175 W bei alter Isolierverglasung, 70 W bei Zweifach-Wärmeschutzverglasung und 44 W bei Dreifachverglasung. Gemeint ist die installierte Anschlussleistung für vollen Heizbetrieb auf 20 °C.
| Grundfläche | Einfachverglasung | Isolierglas alt (Ug 2,8) | Zweifach-Wärmeschutz (Ug 1,1) | Dreifach (Ug 0,7) |
|---|---|---|---|---|
| 8 m² | 2.400 W | 1.400 W | 600 W | 400 W |
| 10 m² | 3.000 W | 1.750 W | 700 W | 450 W |
| 12 m² | 3.600 W | 2.100 W | 850 W | 550 W |
| 15 m² | 4.500 W | 2.600 W | 1.050 W | 650 W |
| 20 m² | 6.000 W | 3.500 W | 1.400 W | 900 W |
| 25 m² | 7.500 W | 4.400 W | 1.750 W | 1.100 W |
Zwei Dinge fallen sofort auf. Erstens: Bei Einfachverglasung und ab etwa 15 m² sind die Zahlen keine Heizung mehr, sondern eine Absurdität. Zweitens: Ein einzelner Stromkreis mit 16 A und 230 V trägt rechnerisch 3.680 W, für Dauerlast planen Elektriker jedoch mit maximal etwa 3.000 W. Alles darüber braucht mehrere getrennt abgesicherte Stromkreise. Die Ausführung ortsfester elektrischer Raumheizungen regelt DIN VDE 0100-753, ab dieser Größenordnung ist der Elektriker Pflicht und kein Komfort.
In der Praxis wird deshalb meist nicht auf Vollbeheizung ausgelegt, sondern auf einen Komfortbereich: 50 bis 60 Prozent der Tabellenwerte, gezielt auf die Sitzgruppe gerichtet. Der Rest des Wintergartens bleibt kühler. Das ist ehrlicher als der Versuch, 30 m² Glas auf Wohnzimmerniveau zu bringen, und es ist genau die Betriebsweise, in der Infrarot seine Stärke ausspielt.
Platzierung: Sitzbereich ja, Glasfläche nie
Ein Infrarotpanel mit rund 90 °C Oberflächentemperatur hat sein Strahlungsmaximum nach dem Wienschen Verschiebungsgesetz bei etwa 8 Mikrometern Wellenlänge. Für Strahlung oberhalb von rund 4,5 Mikrometern ist Fensterglas praktisch undurchlässig. Es lässt die Wärme also nicht hindurch, sondern absorbiert sie, erwärmt sich und gibt die aufgenommene Energie über den Ug-Wert nach außen ab. Ein auf die Scheibe gerichtetes Panel heizt damit buchstäblich den Garten.
Richten Sie Panels deshalb ausschließlich auf Personen, auf den Bodenbelag oder auf eine massive Rückwand, die die Wärme speichert und wieder abgibt. Der Anschlussbau des Hauses, also die einzige gemauerte Wand im Wintergarten, ist dafür der beste Partner.
| Montageart | Geeignete Raumhöhe | Abstand zur Person | Stärke | Schwäche |
|---|---|---|---|---|
| Deckenmontage | 2,4 bis 3,0 m | 1,2 bis 1,8 m senkrecht | gleichmäßig, keine Wandfläche nötig, Möbelstellung egal | Asymmetrie am Kopf, nach ISO 7730 maximal 5 K bei warmer Decke |
| Wandmontage hoch, 1,8 bis 2,2 m | ab 2,4 m | 1,5 bis 3,0 m | zielt präzise auf die Sitzgruppe, leicht neigbar | braucht freie massive Wandfläche, im Wintergarten meist nur eine |
| Standgerät | beliebig | 1,0 bis 2,0 m | flexibel, mietertauglich, keine Bohrung | Kabel, Kippgefahr, kleinere Strahlfläche |
| Konvektor im Bodenkanal vor der Verglasung | beliebig | direkt an der Scheibe | bricht den Kaltluftabfall am wirksamsten | baulicher Eingriff, erwärmt nur die Luft |
Die letzte Zeile gehört zur Ehrlichkeit dazu: Gegen Kaltluftabfall an der Scheibe ist ein Unterflurkonvektor direkt vor der Verglasung wirksamer als jedes Strahlungspanel. Er ist nur aufwendiger und in einem bestehenden Wintergarten meist nicht nachrüstbar. Wer flexibel bleiben will, findet in unserem Ratgeber zum Infrarotheizung-Standgerät die mobile Variante, und wenn das Panel optisch verschwinden soll, ist eine Infrarotheizung mit Bild die naheliegende Lösung für die einzige massive Wand.
Abstände und Sicherheit
- Mindestens 30 cm Abstand zu Vorhängen, Rollos, Pflanzen und Polstermöbeln einhalten.
- Panels nicht hinter Rankgitter oder Sonnenschutz montieren, jede Verdeckung entwertet die Strahlungsfläche.
- Bei Dauerlast über 2.000 W keinen Schukostecker verwenden, sondern Festanschluss.
- Im Wintergarten mit Wasseranschluss oder Pflanzenbewässerung auf ausreichende Schutzart achten, üblich sind IP44 aufwärts.
Thermostat, Präsenz- und Zeitsteuerung
Die Steuerung ist bei einer Infrarotheizung im Wintergarten nicht Zubehör, sondern der Posten, der über die Betriebskosten entscheidet. Ein Panel ohne Regelung läuft dauerhaft mit voller Leistung. Ein Panel mit Wochenprogramm und Präsenzerkennung läuft nur, wenn jemand im Raum ist, und das sind im typischen Wintergarten weniger als 15 Stunden pro Woche.
- Funkthermostat mit Wochenprogramm: senkt die Laufzeit erfahrungsgemäß um 30 bis 50 Prozent gegenüber ungeregeltem Betrieb.
- PI-Regelung statt Bimetall: Hysterese 0,3 bis 0,5 Kelvin statt 1 bis 2 Kelvin, das vermeidet Überschwingen und damit unnötige Kilowattstunden.
- Präsenzmelder: im Wintergarten besonders wirksam, weil die Nutzung unregelmäßig ist. Die Strahlungswirkung setzt sofort ein, feste Oberflächen brauchen 15 bis 30 Minuten.
- Fensterkontakt: schaltet ab, sobald die Terrassentür offen steht, ein häufiger Fall im Wintergarten.
- Frostschutzstufe 5 °C: genügt außerhalb der Nutzung, wenn Pflanzen überwintern. Eine dauerhafte Grundtemperierung auf 15 °C kostet ein Vielfaches.
Ein Thermostat mit Präsenzfunktion kostet je nach Ausstattung 40 bis 120 Euro. Bei einer installierten Leistung von 1 kW und einer eingesparten Laufzeit von 200 Stunden pro Saison hat es sich nach einem einzigen Winter bezahlt. Das ist der einzige Punkt in diesem Ratgeber, an dem sich Zusatzausgaben eindeutig lohnen.
Stromkosten und der Vergleich mit der Wärmepumpe
Eine Infrarotheizung wandelt Strom mit einem Wirkungsgrad nahe 100 Prozent in Wärme. Das klingt hervorragend und ist trotzdem der schwächste Wert am Markt, denn eine Wärmepumpe erreicht keine 100, sondern 300 bis 400 Prozent, weil sie Umweltwärme dazu holt. Bei einem Haushaltsstrompreis von rund 0,35 Euro je Kilowattstunde ergibt sich folgendes Bild.
| Technik | Wirkungsgrad oder JAZ | Kosten je kWh Nutzwärme | Faktor gegenüber Infrarot |
|---|---|---|---|
| Infrarotheizung, Haushaltsstrom 0,35 €/kWh | 1,0 | 0,35 € | Referenz |
| Split-Klimaanlage im Heizbetrieb | COP rund 3 | 0,12 € | etwa 3-mal günstiger |
| Luft-Wasser-Wärmepumpe, Haushaltstarif | JAZ 3,5 | 0,10 € | etwa 3,5-mal günstiger |
| Luft-Wasser-Wärmepumpe, Wärmepumpentarif 0,25 €/kWh | JAZ 3,5 | 0,07 € | etwa 5-mal günstiger |
| Gas-Brennwertheizung, Gas 0,11 €/kWh | Nutzungsgrad 0,9 | 0,12 € | etwa 3-mal günstiger |
Entscheidend ist deshalb nicht der Preis je Kilowattstunde, sondern die Zahl der Kilowattstunden. Die folgende Rechnung geht von 1 kW effektiver Leistung und einer Heizsaison von 26 Wochen aus.
| Nutzung | Laufzeit je Woche | Verbrauch je Saison | Kosten Infrarot | Kosten Wärmepumpe (0,10 €/kWh) |
|---|---|---|---|---|
| Gelegentlich, Wochenendfrühstück | 4 h | 104 kWh | 36 € | 10 € |
| Regelmäßig an Abenden | 10 h | 260 kWh | 91 € | 26 € |
| Täglich rund 3 Stunden | 21 h | 546 kWh | 191 € | 55 € |
| Täglich 10 Stunden temperiert | 70 h | 1.820 kWh | 637 € | 182 € |
Bis etwa 500 Kilowattstunden je Saison ist die Differenz zu einer effizienteren Technik kleiner als 150 Euro im Jahr, und dagegen stehen Anschaffungskosten von 1.500 bis 2.500 Euro für eine installierte Split-Klimaanlage gegenüber 400 bis 900 Euro für zwei ordentliche Panels samt Thermostat. Ab rund 1.000 Kilowattstunden dreht sich das Bild: Dann liegt die jährliche Ersparnis bei über 250 Euro und die Amortisation unter sechs Jahren, wobei dasselbe Gerät den Wintergarten im Sommer zusätzlich kühlt. Die Details dazu stehen im Ratgeber zur Klimaanlage mit Heizfunktion.
Wer bei Strom bleiben will, aber die Kosten senken möchte, sollte sich außerdem Elektroheizungen mit Wärmespeicher ansehen. Sie laden in günstigen Zeitfenstern und geben die Wärme verzögert ab, was bei dynamischen Tarifen den Arbeitspreis drückt. Im Wintergarten selbst spielt das aber nur eine Rolle, wenn der Raum ohnehin durchgehend temperiert wird.
Hinweis: Wir nennen bewusst keine Modellnummern und keine Produktpreise. Angegeben sind Bereiche für die jeweilige Produktkategorie. Alle Verbrauchsangaben beziehen sich auf 0,35 Euro je Kilowattstunde Haushaltsstrom und eine Heizsaison von 26 Wochen.
Kondenswasser und die GEG-Folgen
Kondensat an der Verglasung
Kondensat bildet sich, sobald die innere Scheibenoberfläche unter den Taupunkt der Raumluft fällt. Bei 20 °C und 50 Prozent relativer Luftfeuchte liegt der Taupunkt bei 9,3 °C, bei 60 Prozent bereits bei 12,0 °C. Vergleichen Sie das mit der Tabelle der Scheibentemperaturen: Alte Isolierverglasung mit rund 11 °C beschlägt regelmäßig, sobald im Wintergarten Pflanzen stehen oder gekocht wird.
Eine Infrarotheizung löst das nur begrenzt. Sie erwärmt die Flächen, auf die sie zielt, und die Scheibe darf das gerade nicht sein. Was tatsächlich hilft: die absolute Feuchte senken durch kurzes Querlüften nach der Nutzung, Pflanzen mit hoher Verdunstung reduzieren und die Luftfeuchte mit einem Hygrometer im Blick behalten. Indirekt wirkt das Panel dennoch, weil es die Oberflächentemperatur der Rahmen und des Bodens anhebt und damit die kältesten Stellen entschärft.
Wann der Wintergarten unter das GEG fällt
Ein unbeheizter Wintergarten liegt außerhalb der thermischen Hüllfläche des Gebäudes und wird energetisch wie ein Pufferraum behandelt. Wird er nach seiner Zweckbestimmung dauerhaft beheizt, also über etwa 19 °C temperiert, gilt er nach der Begriffsbestimmung des GEG als beheizter Raum. Damit wird er Teil der beheizten Gebäudehülle, und bei Änderungen an den Bauteilen gelten die Höchstwerte des GEG: 1,3 W/(m²·K) für Fenster, 1,5 für Vorhangfassaden und 2,0 für Glasdächer.
Für die Heizungsanlage selbst gilt: Die 65-Prozent-Regel für erneuerbare Energien betrifft die Heizungsanlage des Gebäudes, nicht ein zusätzliches Panel in einem Nebenraum. Stromdirektheizungen lässt das GEG als Erfüllungsoption nur unter erhöhten Anforderungen an den baulichen Wärmeschutz zu. Ebenfalls klarzustellen: Die Regelungen zu steuerbaren Verbrauchseinrichtungen nach § 14a EnWG erfassen Wärmepumpen, Ladepunkte, Klimaanlagen und Stromspeicher. Eine Infrarotheizung fällt nicht darunter, sie erhält also weder ein reduziertes Netzentgelt noch unterliegt sie einer Dimmung.
Typische Fehler
1. Das Panel auf die Verglasung richten
Der häufigste und teuerste Montagefehler. Glas ist für Wärmestrahlung ab etwa 4,5 Mikrometern undurchlässig, absorbiert die Energie und leitet sie über den Ug-Wert nach draußen. Aus einer Heizung wird so eine Fassadenheizung mit Wirkungsgrad nahe null. Panels gehören auf Personen, Boden oder massive Wand.
2. Nach der Wohnraum-Faustformel dimensionieren
60 W je Quadratmeter gelten für sanierte Wohnräume. Im Wintergarten mit alter Isolierverglasung liegt der Bedarf bei 150 bis 250 W je Quadratmeter. Wer die Wohnraumformel anwendet, kauft ein Gerät mit einem Drittel der nötigen Leistung, das dann dauerhaft auf Anschlag läuft und trotzdem nicht warm wird.
3. Ohne Thermostat betreiben
Ein ungeregeltes Panel läuft, solange es Strom hat. Der Unterschied zwischen 10 und 70 Stunden Laufzeit pro Woche beträgt bei 1 kW rund 550 Euro pro Saison. Ein Thermostat mit Wochenprogramm und Präsenzerkennung kostet 40 bis 120 Euro und ist damit die mit Abstand rentabelste Komponente der ganzen Anlage.
4. Den Wintergarten dauerhaft auf Wohntemperatur bringen wollen
Wenn der Raum ganzjährig als vollwertiges Zimmer genutzt werden soll, ist Infrarot die falsche Technik. Dann gehören die Verglasung ertüchtigt und eine Wärmepumpe oder ein Splitgerät eingebaut, und der Raum fällt energetisch unter die Anforderungen an beheizte Räume. Infrarot ist die Lösung für kurze, gezielte Nutzung, nicht für Dauerbetrieb.
Vorteile und Nachteile
✓ Vorteile
- Wirkt gegen das eigentliche Problem des Wintergartens, die niedrige Strahlungstemperatur der Glasflächen
- Strahlungswirkung setzt sofort ein, ideal für kurze und unregelmäßige Nutzung
- Keine Rohrleitungen, kein hydraulischer Abgleich, Montage an Decke oder Wand in wenigen Stunden
- Anschaffung von 400 bis 900 Euro für Panels und Thermostat, deutlich unter einer Split-Anlage
- Erlaubt Zonenheizung: nur die Sitzgruppe wird warm, nicht die gesamte Glashülle
✕ Nachteile
- Wärme kostet mit rund 0,35 Euro je kWh das Drei- bis Vierfache einer Wärmepumpe
- Bei Einfach- oder alter Isolierverglasung sind 2.400 bis 7.500 W nötig, das sprengt jeden einzelnen Stromkreis
- Falsch ausgerichtete Panels heizen über die Absorption im Glas direkt nach draußen
- Gegen Kaltluftabfall an der Scheibe schwächer als ein Konvektor im Bodenkanal
- Kein Kühlbetrieb, im sommerlich überhitzten Wintergarten also völlig nutzlos
Fazit
Infrarotheizung im Wintergarten: richtig bei kurzer Laufzeit, falsch bei Dauerbetrieb
Der Wintergarten ist der eine Raum, in dem Infrarot physikalisch überlegen ist, weil Strahlung die niedrige Oberflächentemperatur der Glasflächen ausgleicht, statt Luft zu erwärmen, die an der Scheibe sofort wieder abkühlt. Wirtschaftlich bleibt es aber Strom zum vollen Arbeitspreis.
Bis etwa 500 Kilowattstunden je Saison, also gut zehn Betriebsstunden pro Woche, ist eine Infrarotheizung die vernünftige Wahl. Dimensionieren Sie nach Hüllfläche und Ug-Wert, richten Sie die Panels auf die Sitzgruppe und niemals auf das Glas, und investieren Sie in ein Thermostat mit Präsenz- und Zeitsteuerung. Wer den Wintergarten dauerhaft bewohnen will, ertüchtigt zuerst die Verglasung und setzt danach auf eine Wärmepumpe oder ein Splitgerät.
Weiterführende Links und Quellen
- Infrarotheizung mit Bild, Infrarotheizung als Standgerät, Elektroheizung mit Wärmespeicher, Klimaanlage mit Heizfunktion, Infrarot-Heizstrahler für draußen
- Gebäudeenergiegesetz (GEG), Begriff des beheizten Raums, Höchstwerte für Fenster, Vorhangfassaden und Glasdächer bei Änderungen an bestehenden Gebäuden sowie Anforderungen an Stromdirektheizungen
- DIN EN 12831, Verfahren zur Berechnung der Norm-Heizlast, und DIN EN ISO 10077-1 zur Bestimmung des Uw-Werts von Fenstern und Fassaden
- DIN EN ISO 7730, thermische Behaglichkeit, Grenzwerte für Strahlungstemperatur-Asymmetrie und Zugluftrisiko
- DIN VDE 0100-753, Errichten von Niederspannungsanlagen, Anforderungen an ortsfeste elektrische Heizeinrichtungen
- Umweltbundesamt, Hinweise zu Raumklima, Luftfeuchte und Schimmelvermeidung in Innenräumen
- Bundesnetzagentur, Monitoring der Strompreise und Regelungen zu steuerbaren Verbrauchseinrichtungen nach § 14a EnWG
- Unsere Methodik, wie wir bewerten und worauf wir uns stützen
Häufige Fragen
Wie viel Watt Infrarotheizung braucht man im Wintergarten?
Rechnen Sie mit 70 W je Quadratmeter Grundfläche bei Zweifach-Wärmeschutzverglasung, 175 W bei alter Isolierverglasung und über 300 W bei Einfachverglasung. Für 15 m² sind das rund 1.050 W, 2.600 W beziehungsweise mehr als 4.500 W. Die im Wohnungsbau übliche Faustformel von 60 W je Quadratmeter führt im Wintergarten regelmäßig zu einer um den Faktor drei zu kleinen Anlage.
Lohnt sich eine Infrarotheizung im Wintergarten?
Ja, wenn der Raum kurz und gezielt genutzt wird, etwa an Wochenenden oder abends für zwei bis drei Stunden. Die Strahlung wirkt sofort, es gibt keine Trägheit und keine Installationskosten für Rohrleitungen. Sobald der Wintergarten dauerhaft temperiert werden soll, kippt die Rechnung: Bei 0,35 Euro je Kilowattstunde kostet die Wärme das Drei- bis Vierfache einer Wärmepumpe.
Wintergarten Infrarotheizung: Decke oder Wand?
Bei Raumhöhen bis 3,0 m ist die Deckenmontage gleichmäßiger und verbraucht keine der ohnehin knappen Wandflächen. Darüber sinkt die Strahlungsdichte am Sitzplatz zu stark, dann gehört das Panel an die massive Rückwand in 1,8 bis 2,2 m Höhe, leicht geneigt auf den Sitzbereich. Nach DIN EN ISO 7730 sollte die Strahlungsasymmetrie einer warmen Decke 5 Kelvin nicht überschreiten.
Darf die Infrarotheizung auf die Glasfläche zeigen?
Nein, das ist der teuerste Montagefehler. Ein Panel mit rund 90 °C Oberflächentemperatur strahlt im Maximum bei etwa 8 Mikrometern. Für diese Wellenlänge ist Glas praktisch undurchlässig, es absorbiert die Strahlung, erwärmt sich und gibt die Energie über den Ug-Wert nach außen ab. Richten Sie Panels immer auf Personen, Boden oder eine massive Wand.
Was kostet eine Infrarotheizung im Wintergarten pro Winter?
Bei 1 kW effektiver Leistung und 10 Betriebsstunden pro Woche über eine Heizsaison von 26 Wochen sind das 260 kWh, bei 0,35 Euro je Kilowattstunde also rund 91 Euro. Drei Stunden täglich ergeben bereits 546 kWh und 191 Euro. Wer den Raum durchgehend temperiert, landet schnell bei 600 Euro und mehr je Saison.
Hilft eine Infrarotheizung gegen Kondenswasser am Glas?
Nur indirekt und schwächer als oft behauptet. Kondensat entsteht, wenn die innere Scheibentemperatur unter den Taupunkt fällt, bei 20 °C und 50 Prozent Luftfeuchte also unter 9,3 °C. Ein Strahlungspanel erwärmt vor allem die Flächen, auf die es zielt, und das darf die Scheibe gerade nicht sein. Wirksamer sind Lüften, ein Hygrometer und der Verzicht auf Pflanzen mit hoher Verdunstung.
Welches Thermostat gehört an eine Infrarotheizung im Wintergarten?
Ein Funkthermostat mit Wochenprogramm, PI-Regelung und einer Hysterese von 0,3 bis 0,5 Kelvin. Sinnvoll ergänzt durch Präsenzerkennung, weil der Wintergarten unregelmäßig genutzt wird, und durch eine Fensterkontakt-Abschaltung. Ein einfacher Bimetallregler taktet zu grob und lässt das Panel deutlich länger laufen als nötig. Für Pflanzen genügt außerhalb der Nutzung eine Frostschutzstufe von 5 °C.
Fällt ein beheizter Wintergarten unter das GEG?
Sobald er nach seiner Zweckbestimmung dauerhaft beheizt wird, ja. Ein unbeheizter Wintergarten liegt außerhalb der thermischen Hüllfläche des Gebäudes. Wird er dauerhaft über 19 °C temperiert, zählt er als beheizter Raum, und bei Änderungen an den Bauteilen greifen die Höchstwerte des GEG, für Fenster 1,3 und für Glasdächer 2,0 W/(m²·K).
Ist eine Klimaanlage mit Heizfunktion die bessere Wahl?
Bei hoher Nutzung ja. Ein Splitgerät liefert im Heizbetrieb bei milden Außentemperaturen einen COP von etwa 3, die Wärme kostet damit rund 0,12 statt 0,35 Euro je Kilowattstunde. Ab etwa 1.000 kWh Wärmebedarf je Saison amortisieren sich die Mehrkosten von 1.500 bis 2.500 Euro in unter sechs Jahren, und im Sommer kühlt dasselbe Gerät den Wintergarten.
Reicht ein Standgerät oder muss fest montiert werden?
Für Mietobjekte und gelegentliche Nutzung reicht ein Standgerät, es lässt sich zum Sitzplatz drehen und braucht keine Bohrung in die Konstruktion. Fest montierte Panels sind bei dauerhafter Nutzung besser: mehr Fläche, definierter Abstrahlwinkel, kein Kabel im Weg. Ab etwa 3 kW Gesamtleistung brauchen Sie ohnehin einen eigenen Stromkreis und damit den Elektriker.