WÄRMEPUMPE

Verdichter der Wärmepumpe: Bauarten, Modulation und typische Defekte

Monoblock-Wärmepumpe im Garten eines Einfamilienhauses
Der Verdichter sitzt im Außengerät und bestimmt Effizienz, Schall und Lebensdauer, Foto: Pexels

Der Verdichter der Wärmepumpe ist das einzige Bauteil im Kältekreis, das aktiv Arbeit verrichtet. Alles andere, Verdampfer, Kondensator und Expansionsventil, arbeitet passiv. Der Verdichter bestimmt deshalb praktisch im Alleingang, wie effizient die Anlage ist, wie laut sie im Garten steht und wann sie kaputtgeht.

Dieser Ratgeber ordnet die drei üblichen Bauarten ein, erklärt was ein Modulationsbereich von 20 bis 100 Prozent praktisch bedeutet, wozu EVI und Dampfeinspritzung dienen, warum Taktung die Lebensdauer frisst und woran Sie einen defekten Verdichter erkennen. Am Ende steht die unangenehme Frage: Tausch oder neue Wärmepumpe.

Was der Verdichter im Kältekreis leistet

Der Verdichter der Wärmepumpe steht zwischen Verdampfer und Kondensator. Er saugt das Kältemittel als kaltes Gas an, verdichtet es und schiebt es als heißes Gas weiter. Die gesamte elektrische Leistungsaufnahme der Anlage entfällt bis auf Pumpen, Ventilator und Regelung auf dieses eine Bauteil.

Physikalisch ist der Vorgang simpel: Wird ein Gas komprimiert, steigt seine Temperatur. Ein Kältemittel wie R290 verdampft bei minus 5 Grad Verdampfungstemperatur unter etwa 4 bar. Nach der Verdichtung auf 20 bis 28 bar kondensiert dasselbe Medium erst bei 50 bis 60 Grad. Genau diese Differenz ist die nutzbare Heizwärme. Welche Rolle das Kältemittel dabei spielt, behandeln wir im Ratgeber zur R290-Wärmepumpe.

BauteilAufgabeNimmt Energie auf?
Verdampferentzieht der Luft oder Sole Wärme, Kältemittel verdampftnein, passiv
Verdichterhebt Druck und Temperatur, treibt den Kreislauf anja, praktisch die gesamte Antriebsleistung
Kondensatorgibt Wärme an das Heizwasser ab, Kältemittel verflüssigtnein, passiv
Expansionsventilentspannt das Kältemittel auf Verdampfungsdrucknein, regelt nur

Daraus folgt die wichtigste Konsequenz für die Praxis: Jede Maßnahme, die den Druckhub des Verdichters verkleinert, verbessert die Effizienz unmittelbar. Zehn Grad weniger Vorlauftemperatur senken den nötigen Kondensationsdruck spürbar und heben die Jahresarbeitszahl typischerweise um 0,3 bis 0,5 Punkte. Deshalb sind große Heizflächen kein Detail, sondern der Hebel. Passende Auslegungen zeigen wir bei den Heizkörpern für die Wärmepumpe.

Scroll, Rotationskolben und Hubkolben im Vergleich

In Wohngebäuden kommen drei Bauarten vor. Sie unterscheiden sich in der Art, wie sie das Gasvolumen verkleinern, und daraus folgt fast alles Weitere: Laufruhe, Wirkungsgrad bei hohen Druckverhältnissen und Verhalten im Teillastbereich.

Scrollverdichter

Zwei ineinandergreifende Spiralen, von denen eine feststeht und eine auf einer Kreisbahn kreist. Das Gas wird in immer kleiner werdenden Sicheln nach innen transportiert. Es gibt keine Ventile und kein schädliches Totvolumen, das Drehmoment ist nahezu gleichförmig. Das macht den Scroll zum Standard im Bereich von etwa 4 bis 20 Kilowatt Heizleistung.

Rotationskolbenverdichter

Ein exzentrisch gelagerter Rollkolben läuft in einem Zylinder und schiebt das Gas vor sich her, getrennt durch eine federbelastete Schieberleiste. Sehr kompakt, günstig, in Split-Klimageräten und kleinen Wärmepumpen unter etwa 8 Kilowatt verbreitet. Bei hohen Druckverhältnissen fällt der Wirkungsgrad allerdings schneller ab als beim Scroll.

Hubkolbenverdichter

Kolben, Pleuel, Kurbelwelle und Ventile, mechanisch wie ein kleiner Motor. Die Bauart verträgt hohe Druckverhältnisse und hohe Verflüssigungstemperaturen besonders gut, läuft dafür aber mit ausgeprägten Pulsationen. Man findet sie vor allem in Sole-Wasser-Anlagen und in Hochtemperaturgeräten. Zur Einordnung der Quellen siehe unseren Ratgeber zur Wärmepumpe mit Erdwärme.

BauartTypischer LeistungsbereichModulationsbereichSchallverhaltenStärke
Scroll4-20 kW20-100 %gleichförmig, wenig tieffrequente AnteileStandard für Luft-Wasser-Anlagen
Rotationskolben2-8 kW15-100 %leise bei niedriger Drehzahl, Schieberton möglichkompakt und günstig
Hubkolben5-30 kW30-100 %, oft nur zweistufigPulsationen, spürbare Körperschallanregunghohe Druckverhältnisse, hohe Vorlauftemperatur
Scroll mit EVI6-20 kW25-100 %wie Scroll, zusätzlicher EinspritzpfadVorlauf bis rund 65 Grad bei tiefer Außentemperatur

Invertertechnik und Modulationsbereich

Ein Inverter ist ein Frequenzumrichter, der die Drehzahl des Verdichtermotors stufenlos verstellt, üblicherweise zwischen etwa 20 und 120 Hertz. Die Wärmeleistung folgt der Drehzahl näherungsweise linear. Genau das ist der Unterschied zum alten Ein-Aus-Betrieb, bei dem eine Anlage nur volle Leistung oder gar keine kennt.

Der praktisch entscheidende Wert ist die untere Modulationsgrenze. Ein Einfamilienhaus mit 8 Kilowatt Heizlast bei minus 10 Grad braucht bei plus 10 Grad Außentemperatur nur noch rund 2 Kilowatt. Eine Anlage, die minimal 5 Kilowatt abgibt, muss diese Differenz zwangsläufig durch Ein- und Ausschalten überbrücken.

AußentemperaturWärmebedarf im BeispielhausAnlage 8 kW, 20-100 % ModulationAnlage 8 kW, 50-100 % Modulation
minus 10 Grad8,0 kWDauerlauf bei 100 %Dauerlauf bei 100 %
0 Grad5,3 kWDauerlauf bei 66 %Dauerlauf bei 66 %
plus 10 Grad2,0 kWDauerlauf bei 25 %Takten, kleinster Punkt liegt bei 4 kW
plus 15 Grad1,0 kWTakten, kleinster Punkt liegt bei 1,6 kWstarkes Takten

Achten Sie in den Unterlagen darauf, bei welcher Norm-Betriebsbedingung die Leistungsdaten stehen. Angaben nach EN 14511 beziehen sich auf definierte Punkte wie A7/W35, also 7 Grad Außenluft und 35 Grad Vorlauf. Ein Datenblatt ohne diese Angabe ist wertlos, weil sich die Leistung zwischen A7/W35 und A minus 7/W55 leicht halbiert.

Ein größerer Wasserinhalt entschärft ein enges Modulationsfenster erheblich. Wie viel Volumen sinnvoll ist und wann er wirklich nötig wird, steht im Ratgeber zum Pufferspeicher für die Wärmepumpe.

Außengerät einer Wärmepumpe mit sichtbarem Ventilator und Verdichtergehäuse
Der gekapselte Verdichter sitzt hinter dem Ventilator und ist die dominierende Schallquelle im Teillastbetrieb, Foto: Pexels

EVI und Dampfeinspritzung für hohe Vorlauftemperaturen

Bei tiefen Außentemperaturen und gleichzeitig hoher Vorlauftemperatur wird das Druckverhältnis groß. Aus 2 bar Saugdruck auf 28 bar Hochdruck bedeutet ein Verhältnis von 14. Die Folge ist eine Heißgastemperatur, die schnell über 120 Grad steigt. Dort beginnt das Kältemaschinenöl zu altern, und die Regelung schaltet den Verdichter zum Schutz ab.

Die Dampfeinspritzung löst das Problem. Ein Teilstrom des flüssigen Kältemittels wird nach dem Kondensator abgezweigt, über ein zweites Expansionsventil auf mittleren Druck entspannt und in einem Zwischenwärmetauscher verdampft. Dieser kühle Dampf gelangt durch eine seitliche Öffnung in die Scrollspirale, also mitten in den Verdichtungsvorgang.

BetriebspunktScroll ohne EVIScroll mit EVIAnmerkung
A7/W35voller Betriebvoller BetriebEVI wird hier gar nicht zugeschaltet
A minus 7/W45möglich, Heißgas nahe Grenzemöglich mit ReserveEVI senkt die Heißgastemperatur um 10 bis 25 Grad
A minus 15/W60meist Abschaltung, Heizstab springt anBetrieb bis rund 65 Grad Vorlaufder eigentliche Zweck der Technik
Warmwasserbereitung 60 Gradoft nur mit Heizstabohne Heizstab erreichbarrelevant für die Legionellenschaltung

EVI ist kein Effizienzwunder für den Normalbetrieb. Im milden Bereich bringt die Technik nichts, weil sie schlicht nicht arbeitet. Ihr Wert liegt darin, dass an kalten Tagen der elektrische Heizstab ausbleibt. Genau dort entstehen sonst die hohen Stromrechnungen, wie wir bei der Frage wie viel Strom eine Wärmepumpe verbraucht zeigen.

Taktung, Starts und Lebensdauer

Ein Verdichter verschleißt nicht in erster Linie durch Laufzeit, sondern durch Anläufe. Beim Start liegt für kurze Zeit kein tragfähiger Ölfilm in den Lagern an, gleichzeitig zieht der Motor eine Stromspitze. Wer die Zahl der Starts halbiert, verlängert die Lebensdauer entsprechend.

Starts pro JahrStarts pro TagBewertungErwartete Lebensdauer
3.000-6.0008-16gut ausgelegte Anlage15-20 Jahre
6.000-10.00016-27grenzwertig, Regelung prüfen12-16 Jahre
10.000-20.00027-55fehlerhaft eingebunden oder überdimensioniert8-12 Jahre
über 20.000über 55akuter Handlungsbedarfoft unter 8 Jahren

Die Ursachen für hohe Taktzahlen sind fast immer dieselben: eine zu groß gewählte Anlage, ein zu kleiner hydraulischer Wasserinhalt, zugedrehte Thermostatventile in fast allen Räumen oder eine zu eng eingestellte Schalthysterese. Ein Überströmventil als Dauerlösung ist keine gute Antwort, weil es die Spreizung verschlechtert und die Effizienz drückt.

Prüfen Sie zuerst die Regelung. Eine Hysterese von 2 auf 4 Kelvin geändert halbiert die Taktzahl oft schon. Erst danach lohnt der Gedanke an mehr Speichervolumen. Über die Praxisprobleme falsch ausgelegter Anlagen berichten wir gesammelt bei den negativen Erfahrungen mit Wärmepumpen.

Schallentstehung am Verdichter

Bei Luft-Wasser-Wärmepumpen wird der Ventilator gern als Hauptgeräuschquelle gehandelt. Im Nachtbetrieb stimmt das selten. Läuft der Ventilator langsam, dominiert der Verdichter, und zwar mit einem tieffrequenten Anteil, den Wände und Fenster schlechter dämmen als hohe Töne.

Drei Übertragungswege sind zu unterscheiden. Erstens der Luftschall aus dem Gehäuse, den eine Kapselung mit Dämmmatten mindert. Zweitens der Körperschall über die Aufstellfläche, gegen den nur Schwingungsentkopplung und ein massives Fundament helfen. Drittens der Flüssigkeitsschall in den Kältemittelleitungen, der auf Rohrschellen an der Hauswand übertragen wird.

  • Schallleistungspegel nach EN 12102: die einzige vergleichbare Angabe, üblich sind 50 bis 65 dB(A) bei Volllast.
  • Schalldruckpegel in 3 Metern: liegt rechnerisch rund 20 dB unter der Schallleistung im Freifeld, gern von Herstellern zitiert.
  • Teillast: derselbe Verdichter liegt bei 40 Prozent Drehzahl oft 5 bis 10 dB unter dem Volllastwert.
  • Aufstellung: vor einer reflektierenden Wand steigt der Pegel um etwa 3 dB, in einer Ecke um bis zu 6 dB.

Erst wenn Aufstellort und Entkopplung stimmen, lohnt eine bauliche Maßnahme. Was Kapseln tatsächlich bringen und wo sie den Luftstrom stören, steht im Ratgeber zur Schallschutzhaube für die Wärmepumpe.

Verdichter Wärmepumpe defekt: Symptome und Ursachen

Ein Verdichter stirbt selten plötzlich und ohne Vorzeichen. Meist gibt es wochenlang Hinweise: ein verändertes Laufgeräusch, sporadische Störmeldungen, eine langsam steigende Stromaufnahme bei gleicher Wärmeabgabe. Die folgende Matrix ordnet die häufigsten Beobachtungen zu.

SymptomWahrscheinliche UrsacheVerdichter defekt?Nächster Schritt
Verdichter läuft an und schaltet nach Sekunden abAnlaufkondensator, Inverterplatine oder blockierter LäufermöglichFehlercode auslesen, Wicklungswiderstände messen
Lautes metallisches Schlagen im BetriebFlüssigkeitsschlag durch Kältemittel im Sauggas, Lagerschadensehr wahrscheinlichÜberhitzung und Expansionsventil prüfen, Kältefachbetrieb rufen
Hochdruckstörung wiederkehrendzu geringer Volumenstrom im Heizkreis, verschmutzter Kondensatormeist neinFilter, Pumpe und Spreizung prüfen
Vorlauf steigt nicht, Verdichter läuft aberKältemittelverlust, defektes Expansionsventil, interne UndichtheitmöglichDrücke und Überhitzung messen, Dichtheitsprüfung
Stromaufnahme steigt bei gleicher HeizleistungVerschleiß, Ölmangel, verschmutzter VerdampfermöglichLeistungsmessung und Vergleich mit Datenblatt
Anlage heizt nur mit HeizstabVerdichter blockiert oder Regelung sperrt ihnwahrscheinlichFehlerspeicher lesen, Freigabe prüfen
Ölspuren am AußengerätLeckage im KältekreisFolgeschaden drohtsofort abschalten, Dichtheitsprüfung nach EU 2024/573

Wichtig für die Einordnung: Ein Kältemittelverlust ist häufiger die Ursache eines Verdichterschadens als seine Folge. Fehlt Kältemittel, wird der Verdichter schlechter gekühlt, die Heißgastemperatur steigt, das Öl altert. Wer nur nachfüllt und die Leckage nicht sucht, zerstört das Bauteil ein zweites Mal.

Hinweis: Wir nennen bewusst keine Modellnummern und keine Produktpreise. Arbeiten am Kältekreis sind nach EU 2015/2067 sachkundepflichtig, eine Selbstdiagnose ersetzt keine Messung durch einen zertifizierten Betrieb.

Lohnt sich der Verdichtertausch?

Der Tausch ist technisch Routine, aber aufwendig: Kältemittel absaugen und zurückgewinnen, alten Verdichter ausschweißen, neuen einlöten, Filtertrockner erneuern, evakuieren, mit exakt definierter Füllmenge neu befüllen, Dichtheit prüfen und dokumentieren. Für eine Anlage im Einfamilienhaus liegen die Gesamtkosten üblicherweise bei 1.500 bis 3.500 Euro.

  • Unter 5 Jahre: in aller Regel Gewährleistung oder Herstellergarantie prüfen, bevor irgendetwas beauftragt wird.
  • 5 bis 10 Jahre: Tausch lohnt meist, sofern der Rest der Anlage in Ordnung ist und der Schaden eine erkennbare, behebbare Ursache hat.
  • 10 bis 14 Jahre: Grenzfall, hier entscheidet der Zustand von Wärmetauscher, Ventilator und Regelung.
  • Über 14 Jahre: meist Neuanlage, gerade wenn noch ein Kältemittel mit hohem Treibhauspotenzial im Kreis ist.

Die F-Gase-Verordnung EU 2024/573 macht den letzten Punkt konkreter, als er klingt. Sie verschärft schrittweise die Verfügbarkeit von Kältemitteln mit hohem Treibhauspotenzial. Für ältere Anlagen bedeutet das steigende Preise für Nachfüllmengen. Neue Geräte arbeiten überwiegend mit Propan, was auch für die Bauform Folgen hat, wie wir bei der Monoblock-Wärmepumpe beschreiben.

Typische Fehler

1. Die Anlage nach Wohnfläche statt nach Heizlast auslegen

Die häufigste und teuerste Fehlentscheidung. Eine um 50 Prozent zu groß gewählte Wärmepumpe verbringt den größten Teil des Jahres unterhalb ihrer minimalen Modulation und taktet. Die Heizlast gehört nach DIN EN 12831 berechnet, nicht geschätzt.

2. Nur auf die Nennleistung schauen, nicht auf den Modulationsbereich

Zwei Geräte mit identischen 10 Kilowatt verhalten sich völlig unterschiedlich, wenn das eine bis 2 Kilowatt herunterregelt und das andere erst bei 5 Kilowatt aufhört. Der untere Wert steht im Datenblatt und wird regelmäßig übersehen.

3. Kältemittel nachfüllen, ohne die Leckage zu suchen

Ein geschlossener Kreis verliert nichts. Sinkt die Füllmenge, gibt es eine Undichtheit. Reines Nachfüllen ist nicht nur technisch sinnlos, sondern verstößt gegen die Vorgaben der F-Gase-Verordnung zur Dichtheit und Leckagebeseitigung.

4. Den Verdichterschaden isoliert betrachten

Ein neuer Verdichter in einer Anlage, die weiterhin 20.000-mal im Jahr startet, hält genauso kurz wie der alte. Ohne Korrektur von Hydraulik, Hysterese und Auslegung ist der Tausch eine Investition mit bekanntem Ablaufdatum.

Vorteile und Nachteile

✓ Vorteile

  • Moderne Inverter-Scrollverdichter modulieren zwischen 20 und 100 Prozent und vermeiden damit das Takten in der Übergangszeit
  • Scrollbauweise arbeitet ventillos und mit gleichförmigem Drehmoment, das senkt Verschleiß und tieffrequenten Schall
  • EVI und Dampfeinspritzung ermöglichen rund 65 Grad Vorlauf auch bei minus 15 Grad ohne elektrischen Heizstab
  • Bei sauberer Auslegung und unter 6.000 Starts pro Jahr sind 15 bis 20 Jahre Lebensdauer realistisch
  • Im Teillastbetrieb liegt der Schalldruck oft 5 bis 10 dB unter dem Volllastwert nach EN 12102

✕ Nachteile

  • Der Verdichter ist das teuerste Einzelbauteil, ein Tausch kostet meist 1.500 bis 3.500 Euro
  • Jede Reparatur am Kältekreis erfordert Sachkunde nach EU 2015/2067, Eigenleistung ist ausgeschlossen
  • Ein enger Modulationsbereich ab 50 Prozent führt bei milden Temperaturen zwangsläufig zu Taktung
  • Hubkolbenverdichter regen über Pulsationen Körperschall an und brauchen sorgfältige Entkopplung
  • EVI bringt im milden Betriebsbereich keinen Effizienzvorteil, erhöht aber Bauteilzahl und Komplexität

Fazit

🏆 Kaufentscheidendes Bauteil

Verdichter der Wärmepumpe: der Modulationsbereich entscheidet

4.2/ 5

Ein Inverter-Scrollverdichter mit einem Modulationsbereich ab etwa 20 Prozent ist für das Einfamilienhaus die richtige Wahl. EVI lohnt, wenn hohe Vorlauftemperaturen oder Warmwasser über 55 Grad im Spiel sind. Entscheidend bleibt die Auslegung nach berechneter Heizlast.

Vergleichen Sie im Datenblatt nicht die Nennleistung, sondern die minimale Heizleistung bei A7/W35 nach EN 14511. Kontrollieren Sie nach einem Jahr die Startzahl im Fehlerspeicher. Bleibt sie unter 6.000, arbeitet die Anlage so, wie sie soll. Liegt sie darüber, korrigieren Sie zuerst Hysterese und Hydraulik, bevor Sie über Hardware nachdenken.

Weiterführende Links und Quellen

Häufige Fragen

Was macht der Verdichter in der Wärmepumpe genau?

Er saugt kaltes, gasförmiges Kältemittel aus dem Verdampfer an und komprimiert es auf einen deutlich höheren Druck. Dabei steigt die Temperatur des Gases auf 70 bis 100 Grad. Erst dieses heiße Gas kann im Kondensator Wärme an das Heizwasser abgeben. Der Verdichter ist der einzige Bauteil im Kreis, der elektrische Energie aufnimmt, und bestimmt damit die Leistungszahl der gesamten Anlage.

Welcher Verdichter ist der beste für eine Wärmepumpe?

Für Heizleistungen von etwa 4 bis 20 Kilowatt ist der Scrollverdichter die übliche und meist beste Wahl: wenige bewegte Teile, gleichmäßiges Drehmoment, ruhiger Lauf. Rotationskolben sind bei kleinen Leistungen bis rund 8 Kilowatt kompakter und günstiger. Hubkolben spielen ihre Stärke bei hohen Druckverhältnissen aus, also bei Sole-Wasser-Anlagen und hohen Vorlauftemperaturen.

Was bedeutet Modulationsbereich bei der Wärmepumpe?

Der Modulationsbereich sagt, wie weit die Anlage ihre Leistung herunterregeln kann. Eine 10-Kilowatt-Wärmepumpe mit 20 bis 100 Prozent Modulation liefert im kleinsten Betriebspunkt noch 2 Kilowatt. Ein enger Bereich von nur 50 bis 100 Prozent führt in der Übergangszeit zu Takten, weil das Haus dann bloß 2 bis 3 Kilowatt braucht.

Was ist EVI bei einer Wärmepumpe?

EVI steht für Enhanced Vapour Injection, also Dampfeinspritzung. Ein Teil des Kältemittels wird nach dem Kondensator abgezweigt, entspannt und als kühler Dampf in eine Zwischendrucköffnung des Scrollverdichters eingespritzt. Das senkt die Heißgastemperatur und erlaubt Vorlauftemperaturen bis rund 65 Grad selbst bei Außentemperaturen um minus 15 Grad, ohne dass der Verdichter thermisch überlastet wird.

Wie viele Starts pro Jahr darf ein Verdichter machen?

Als unkritisch gelten 3.000 bis 6.000 Starts im Jahr, also grob 8 bis 16 pro Tag. Hersteller nennen häufig eine Obergrenze von 3 bis 6 Starts pro Stunde. Werte über 10.000 Starts jährlich deuten auf Überdimensionierung, einen zu kleinen Wasserinhalt der Heizung oder falsch eingestellte Hysteresen hin und verkürzen die Lebensdauer messbar.

Wie lange hält ein Verdichter in der Wärmepumpe?

Realistisch sind 15 bis 20 Jahre bei sauberer Auslegung und geringer Taktung. Bei stark taktenden Anlagen sind Ausfälle nach 8 bis 12 Jahren keine Seltenheit. Entscheidend ist weniger die Betriebsstundenzahl als die Anzahl der Anläufe, denn beim Start läuft der Verdichter kurz mit unzureichendem Ölfilm und mit hoher Stromspitze an.

Verdichter Wärmepumpe defekt: welche Symptome gibt es?

Typisch sind ein anlaufender, aber sofort wieder abschaltender Verdichter, ein lautes metallisches Schlagen, ein Hochdruck- oder Überlastfehler in der Regelung sowie eine Vorlauftemperatur, die trotz laufendem Gerät nicht steigt. Auch ein deutlich gestiegener Stromverbrauch bei gleicher Wärmeabgabe ist ein Warnsignal. Die Diagnose gehört in jedem Fall an den Kältekreis und damit an eine sachkundige Fachkraft.

Kann ich den Verdichter selbst tauschen?

Nein. Der Kältekreis muss geöffnet, evakuiert und neu befüllt werden. Nach der EU-Verordnung 2015/2067 dürfen solche Arbeiten nur zertifizierte Personen ausführen, und die F-Gase-Verordnung EU 2024/573 regelt Rückgewinnung und Dokumentation des Kältemittels. Ein Eingriff ohne Sachkundenachweis ist nicht nur unzulässig, er kostet in aller Regel auch die Herstellergarantie.

Lohnt sich ein Verdichtertausch oder besser eine neue Wärmepumpe?

Bis etwa zehn Jahre Anlagenalter lohnt der Tausch meist, weil er mit 1.500 bis 3.500 Euro deutlich unter einer Neuanlage liegt. Ab etwa 14 bis 15 Jahren spricht vieles für den Neukauf: Das Gerät arbeitet oft noch mit einem Kältemittel hohen Treibhauspotenzials, die Regelung ist veraltet, und weitere Bauteile stehen kurz vor dem Ende ihrer Lebensdauer.

Ist ein Inverterverdichter wirklich leiser?

Ja, im Teillastbetrieb deutlich. Da der Schalldruck stark von der Drehzahl abhängt, liegt dasselbe Gerät bei 40 Prozent Leistung oft 5 bis 10 Dezibel unter dem Volllastwert. Der in den Unterlagen angegebene Schallleistungspegel nach EN 12102 bezieht sich jedoch meist auf einen definierten Volllastpunkt, nicht auf den nächtlichen Teillastbetrieb.

Redaktion WattRatgeber Kaufberatung Haus-Energie

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