Wärmepumpe auf dem Dach: Statik, Schall und die ehrliche Kostenrechnung
Die Wärmepumpe auf dem Dach ist keine Modeerscheinung, sondern oft schlicht die letzte freie Fläche. Wo das Grundstück knapp ist, der Abstand zum Nachbarn nicht reicht oder ein Mehrfamilienhaus keinen Garten hat, wandert die Außeneinheit nach oben. Technisch spricht nichts dagegen. Bauphysikalisch schon einiges, wenn man es falsch macht.
Dieser Ratgeber erklärt, wann eine Wärmepumpe aufs Dach gehört und wann nicht, was Statik, Körperschall, Windlast und Blitzschutz konkret verlangen, wie laut es unter dem Gerät wirklich wird und was der Aufpreis gegenüber der Bodenaufstellung ist. Und er beantwortet die Frage, die viele Bauherren zu spät stellen: Was tun, wenn die Wärmepumpe auf dem Dach zu laut ist?
Wann eine Wärmepumpe aufs Dach gehört
Eine Wärmepumpe auf dem Dach ist selten die erste Wahl und oft die einzige. Vier Konstellationen führen regelmäßig dazu, dass die Außeneinheit nach oben wandert:
- Kein Platz auf dem Grundstück: Reihen- und Doppelhäuser haben oft keine Fläche, die den Schallabstand zur Nachbarbebauung einhält.
- Mehrfamilienhaus in dichter Bebauung: Der Hof ist Stellplatz, Spielfläche oder Zufahrt, das Flachdach dagegen ungenutzt.
- Schallschutz zur Nachbarschaft: Mit wachsendem Abstand fällt der Schalldruckpegel. Ein Gerät 8 m über dem Boden ist am Nachbarfenster im Erdgeschoss deutlich leiser als eines an der Grundstücksgrenze.
- Gewerbe- und Bürogebäude: Hier ist die Dachaufstellung technischer Standard, weil ohnehin Lüftungstechnik oben steht.
Dagegen spricht: höhere Kosten, aufwendige Wartung mit Absturzsicherung, Körperschall in die darunterliegenden Räume und eine spürbare statische Prüfung vorab. Wer eine ebene Fläche im Garten hat und den Abstand einhalten kann, sollte dort aufstellen. Die Bodenaufstellung ist nicht nur billiger, sie ist auch technisch der einfachere Weg.
Welche Geräte für die Dachaufstellung taugen
Für eine Dach Wärmepumpe kommen in der Praxis nur Monoblock-Geräte infrage. Bei ihnen liegt der gesamte Kältekreis geschlossen im Außengerät, zum Haus führen nur zwei wassergeführte Leitungen (Vorlauf und Rücklauf) plus Strom und Datenleitung. Warum das entscheidend ist: Kältemittelleitungen über ein Dach zu führen, bedeutet größere Leitungslängen, mehr Kältemittelfüllmenge, eine Dichtheitsprüfung und Arbeiten, die nur ein Betrieb mit Kälteschein ausführen darf.
| Bauart | Dachtauglichkeit | Begründung |
|---|---|---|
| Monoblock, Luft-Wasser | gut geeignet | nur Wasserleitungen zum Haus, kein Kältemittel auf dem Dach |
| Split, Luft-Wasser | bedingt | Kältemittelleitungen über das Dach, längere Wege, Kälteschein nötig |
| Sole-Wasser (Erdwärme) | nicht relevant | Quelle liegt im Boden, Innengerät steht im Technikraum |
| Luft-Luft (Klimasplit) | möglich | üblich bei Gewerbe, im Wohnhaus selten sinnvoll |
Wichtig ist die Frostsicherheit: Bei einem Monoblock steht Heizungswasser im Außengerät. Fällt der Strom im Winter aus, muss ein Frostschutz greifen, entweder durch ein Wasser-Glykol-Gemisch oder durch eine automatische Entleerung. Auf dem Dach ist dieser Punkt kritischer als im windgeschützten Garten, weil dort die Auskühlung schneller geht. Die Grundlagen der Bauform erklären wir im Ratgeber zur Monoblock-Wärmepumpe.
Statik: Gewicht, Lastverteilung, Dachaufbau
Die erste Frage bei jeder Wärmepumpe auf Dach lautet: Trägt es? Und die Antwort gibt kein Heizungsbauer, sondern ein Statiker.
| Leistungsklasse | Gewicht Außeneinheit | Gewicht mit Rahmen und Ballast |
|---|---|---|
| 6 bis 8 kW | ca. 110 bis 170 kg | ca. 200 bis 300 kg |
| 10 bis 14 kW | ca. 150 bis 300 kg | ca. 300 bis 450 kg |
| 16 bis 20 kW | ca. 250 bis 400 kg | ca. 450 bis 650 kg |
| Kaskade, 2 Geräte | doppeltes Gewicht | Stahlkonstruktion zwingend |
Entscheidend ist nicht das Gesamtgewicht, sondern die Flächenpressung. Ein 300 kg schweres Gerät auf vier Füßen von je 10 mal 10 cm erzeugt punktuell rund 75 kg auf 100 cm², das drückt sich in eine Dämmschicht aus EPS oder Mineralwolle hinein. Deshalb arbeitet man mit Lastverteilungsplatten, Gehwegplatten auf Bautenschutzmatten oder mit einer Stahlrahmenkonstruktion, die die Last direkt in tragende Wände, Unterzüge oder Stützen einleitet.
Auf einem Warmdach kommt die Abdichtung hinzu. Jede Durchdringung der Dachhaut ist eine potenzielle Leckstelle. Bevorzugt werden deshalb ballastierte, also aufgelegte und beschwerte Konstruktionen ohne Durchdringung. Das erhöht das Gewicht wieder, weshalb Statik und Montageart nicht getrennt geplant werden können.
Auf einem Steildach mit Ziegeln ist eine Wärmepumpe praktisch nicht sinnvoll aufzustellen. Sie bräuchten eine horizontale Plattform, eine sichere Lasteinleitung in die Sparren und hätten trotzdem keinen vernünftigen Wartungszugang. Wer über eine Dachfläche verfügt, nutzt sie besser für Photovoltaik und stellt die Wärmepumpe auf den Boden.
Schall: Luftschall und Körperschall
Der Schall ist bei der Wärmepumpe Dach das Thema, das am häufigsten unterschätzt wird. Es gibt zwei völlig verschiedene Übertragungswege, und sie brauchen zwei verschiedene Lösungen.
Luftschall
Der Ventilator und der Verdichter strahlen Schall in die Luft ab. Angegeben wird die Schallleistung in dB(A), typisch sind 50 bis 62 dB(A) bei modernen Luft-Wasser-Geräten, im Nachtmodus 3 bis 8 dB(A) weniger. Was beim Nachbarn ankommt, ist der Schalldruckpegel, und der fällt mit dem Abstand: Bei jeder Verdoppelung der Entfernung sinkt er um rund 6 dB(A).
| Abstand zur Quelle | Schalldruck bei 55 dB(A) Schallleistung | Einordnung |
|---|---|---|
| 1 m | ca. 47 dB(A) | deutlich hörbar |
| 3 m | ca. 37 dB(A) | hörbar |
| 5 m | ca. 33 dB(A) | leise, Grenzwert-Nähe nachts |
| 10 m | ca. 27 dB(A) | meist unauffällig |
| 15 m | ca. 23 dB(A) | unauffällig |
Maßgeblich ist die TA Lärm. Im allgemeinen Wohngebiet gelten am maßgeblichen Immissionsort, also am geöffneten Fenster des schutzbedürftigen Nachbarraums, tagsüber 55 dB(A) und nachts 40 dB(A). In reinen Wohngebieten sind es nachts 35 dB(A). Bewertet wird der Beurteilungspegel, nicht die Herstellerangabe. Zuschläge für Ton- und Impulshaltigkeit können den Wert weiter verschärfen.
Die Dachaufstellung hilft hier zunächst: Der Abstand zum Nachbarfenster im Erdgeschoss wächst, die Dachbrüstung wirkt teilweise als Schallschirm. Der Haken folgt im nächsten Abschnitt.
Körperschall
Der Verdichter erzeugt Schwingungen im Bereich von etwa 25 bis 120 Hz. Steht das Gerät auf dem Boden, verlaufen diese Schwingungen im Erdreich und verlieren sich. Steht es auf einer Dachdecke, regt es ein großflächiges Bauteil an, das wie eine Membran wirkt. Im Raum darunter kommt das als tieffrequentes Brummen an, das durch Wände hindurchgeht und von dem man nicht sagen kann, aus welcher Richtung es kommt.
Genau hier scheitern viele Dachinstallationen. Der Luftschall ist im Griff, die TA Lärm ist beim Nachbarn eingehalten, aber im obersten Schlafzimmer brummt es. Körperschall wird nicht in dB(A) beim Nachbarn gemessen, er entsteht innerhalb des eigenen Gebäudes und ist rechtlich als schutzbedürftig eingestuft, wenn er in Aufenthaltsräume gelangt.
Wärmepumpe auf Dach zu laut: was hilft
Wenn die Wärmepumpe auf Dach zu laut ist, klären Sie zuerst, welcher Schallweg das Problem verursacht. Der Test ist simpel: Ist das Geräusch draußen laut, drinnen aber leise, ist es Luftschall. Ist es im Raum unter dem Gerät stärker als auf dem Balkon, ist es Körperschall.
| Symptom | Ursache | Maßnahme |
|---|---|---|
| Tieffrequentes Brummen im Raum darunter | Körperschall über die Dachdecke | Schwingungsdämpfer, Federelemente, Masse-Feder-Fundament |
| Rauschen, Zischen im Freien | Ventilator-Luftschall | Nachtmodus, Schallschutzhaube, Ausrichtung ändern |
| Pulsierendes Geräusch, Takten | überdimensionierte Wärmepumpe | Heizkurve anpassen, Pufferspeicher, richtige Auslegung |
| Klopfen in den Leitungen | starre Rohrverbindung überträgt Körperschall | flexible Kompensatoren, Rohrschellen mit Elastomereinlage |
| Geräusch nur bei Abtauung | normaler Betriebszustand | Abtauzyklen prüfen, Aufstellhöhe erhöhen |
Gegen den reinen Luftschall wirkt eine Einhausung. Wichtig: Sie darf die Luftführung nicht einschränken, sonst sinkt der Volumenstrom und damit die Effizienz. Welche Bauarten funktionieren und welche das Gerät ersticken, erklären wir im Beitrag zur Schallschutzhaube für die Wärmepumpe.
Entkopplung und Aufständerung
Die Körperschallentkopplung ist der wichtigste Einzelposten der Dachmontage. Sie funktioniert nach dem Masse-Feder-Prinzip: Eine schwere Masse (das Gerät samt Rahmen) wird über weiche Federn von der Decke getrennt. Entscheidend ist die Abstimmfrequenz. Sie muss deutlich unter der Anregungsfrequenz des Verdichters liegen, sonst verstärkt die Konstruktion die Schwingung, statt sie zu dämpfen.
| Element | Wirkbereich | Eignung Dach |
|---|---|---|
| Gummi-Metall-Puffer | ab ca. 20 bis 30 Hz Abstimmfrequenz | Basisschutz, oft nicht ausreichend |
| Stahlfederelemente | Abstimmfrequenz 4 bis 8 Hz | wirksam gegen tieffrequenten Körperschall |
| Sylomer- oder Elastomerlager | 8 bis 15 Hz | gute Zwischenlösung, flach bauend |
| Betonfundament auf Bautenschutzmatte | Masseerhöhung | gut, aber schwer, Statik prüfen |
| Starre Verschraubung ins Dach | keine Dämpfung | ungeeignet, überträgt alles |
Zwei Punkte werden regelmäßig vergessen: Erstens die Rohrleitungen. Ein starr verschraubtes Heizungsrohr überträgt Körperschall genauso zuverlässig wie ein starrer Gerätefuß. Setzen Sie flexible Kompensatoren direkt am Gerät und verwenden Sie Rohrschellen mit Elastomereinlage. Zweitens die Elektroleitung: Auch sie sollte in einer Schlaufe geführt werden, nicht straff gespannt.
Die Aufständerung selbst gibt zusätzlich den Neigungswinkel und die Höhe vor. Ein Sockel von 30 bis 50 cm über der Dachhaut hält die Ansaugöffnung frei von Schnee und Laub und sorgt dafür, dass Kondensat und Abtauwasser sicher ablaufen können.
Windlast, Blitzschutz und Kondensat
Windlast
Auf dem Dach wirkt die volle Windlast. Nach DIN EN 1991-1-4 steigt der Staudruck mit der Höhe, und an Dachrändern und Ecken treten Sogspitzen auf, die ein Vielfaches der Fläche in der Dachmitte erreichen. Eine Wärmepumpe ist mit rund 1 bis 2 m² Angriffsfläche kein kleines Bauteil. Halten Sie Abstand zum Dachrand, mindestens 1 m, besser 2 m, und lassen Sie die Ballastierung rechnerisch nachweisen. In den Windlastzonen an der Küste und in exponierten Lagen ist das keine Formalie.
Blitzschutz
Hat das Gebäude eine Blitzschutzanlage, muss die Wärmepumpe eingebunden werden. Zwei Wege sind möglich: Das Gerät liegt im Schutzbereich einer zusätzlichen Fangstange, oder es wird unter Einhaltung des Trennungsabstands nach DIN EN 62305 angeordnet. In die Zuleitung gehört ein Überspannungsschutz (Typ 2, im Zählerschrank oder direkt vor dem Gerät). Ohne ihn ist die Leistungselektronik das erste, was bei einem Einschlag in der Umgebung stirbt.
Kondensat und Abtauwasser
Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe produziert im Heizbetrieb Kondensat, bei Frost zusätzlich Abtauwasser. Bei 10 kW Leistung fallen an einem feuchten Wintertag durchaus 20 bis 40 l an. Auf dem Dach heißt das: Es braucht einen definierten Ablauf in die Dachentwässerung, frostsicher geführt, mit Begleitheizung, wenn die Leitung außen liegt. Ein Kondensatablauf, der im Januar zufriert, staut Wasser im Gerät und in der Wanne. Das ist einer der häufigsten Ausfallgründe im ersten Winter.
Wartung und Absturzsicherung
Jede Wartung findet künftig auf dem Dach statt. Sie brauchen einen sicheren Zugang, eine Absturzsicherung nach den Regeln der Arbeitssicherheit (Geländer, Sekuranten oder Anschlagpunkte) und Platz um das Gerät herum. Fachbetriebe berechnen für Dacheinsätze in der Regel Zuschläge. Rechnen Sie diesen Posten in die Betriebskosten ein, er begleitet Sie 15 bis 20 Jahre.
Wärmepumpe unter Dach: die Innenaufstellung
Immer wieder wird gefragt, ob die Wärmepumpe unter Dach, also im Dachgeschoss oder im Spitzboden, aufgestellt werden kann. Bei Luft-Wasser-Geräten in Innenaufstellung ist das technisch möglich, aber selten wirtschaftlich:
- Luftkanäle: Zu- und Abluft brauchen je einen Kanal mit 60 bis 80 cm Durchmesser, dazu zwei Wanddurchbrüche. Bei einem Volumenstrom von 2.500 bis 4.000 m³/h ist ein kleiner Kanal keine Option.
- Platzbedarf: 3 bis 5 m² Grundfläche plus Wartungsabstand. Im Dachgeschoss ist das teure Wohnfläche.
- Schall: Der Verdichter steht jetzt mitten im Haus. Ohne Schallschutzkabine und Entkopplung vom Estrich hören Sie ihn überall.
- Kondensat: Der Ablauf muss innen geführt werden, ein Rückstau bedeutet Wasserschaden im Wohnbereich.
- Kaltluftaustritt: Die abgekühlte Fortluft (5 bis 8 K kälter als die Außenluft) darf nicht direkt an eine Fassade oder auf einen Balkon geblasen werden, sonst gibt es Vereisung und Kondensat an der Wand.
Sinnvoll ist im Dachgeschoss meist nur die Innenhydraulik: Hydraulikmodul, Pufferspeicher und Warmwasserspeicher, während die Außeneinheit auf dem Dach oder am Boden steht. Wer über die Aufstellung im Bestand nachdenkt, findet die Grundlagen zur Auslegung im Ratgeber zur Wärmepumpe mit 12 kW.
Kosten und Aufpreis der Dachaufstellung
| Posten | Kosten | Anmerkung |
|---|---|---|
| Statischer Nachweis | 600 bis 1.500 € | zwingend vor der Bestellung |
| Aufständerung, Lastverteiler, Rahmen | 800 bis 3.000 € | ballastiert oder als Stahlkonstruktion |
| Schwingungsdämpfer, Federelemente | 300 bis 1.200 € | Stahlfedern deutlich teurer als Gummipuffer |
| Kran oder Hubsteiger | 500 bis 1.500 € | je nach Gebäudehöhe und Zugang |
| Zusätzliche Leitungslänge, Dämmung, Kernbohrungen | 600 bis 2.000 € | Wärmeverluste steigen mit der Leitungslänge |
| Blitzschutz, Überspannungsschutz | 300 bis 1.200 € | nur bei vorhandener Blitzschutzanlage |
| Kondensatableitung frostsicher | 200 bis 700 € | ggf. mit Begleitheizung |
| Summe Aufpreis | 3.000 bis 9.000 € | gegenüber Bodenaufstellung |
Dazu kommt die Wärmepumpe selbst mit 20.000 bis 33.000 € installiert. Die Bundesförderung für effiziente Gebäude bezuschusst auch die Nebenkosten der Aufstellung, sofern sie Teil der Fachunternehmerrechnung sind. Der Antrag muss vor der Beauftragung gestellt werden.
Hinweis: Wir nennen bewusst keine Modellnummern und keine Preise. Welche Leistungsklasse passt, ergibt sich aus der Heizlastberechnung nach DIN EN 12831.
Genehmigung, WEG und Nachbarrecht
Eine Wärmepumpe ist in den meisten Bundesländern verfahrensfrei, das heißt: keine Baugenehmigung. Verfahrensfrei bedeutet aber nicht regelfrei. Die Vorgaben der TA Lärm, die Abstandsflächen der Landesbauordnung und im Zweifel die örtliche Satzung gelten trotzdem, und zwar unabhängig davon, ob jemand vorher gefragt hat.
- Eigentümergemeinschaft (WEG): Das Dach ist Gemeinschaftseigentum. Für eine Wärmepumpe darauf brauchen Sie einen Beschluss der Eigentümerversammlung. Ohne ihn ist der Rückbau möglich, auch Jahre später.
- Mietwohnung: Ohne Zustimmung des Eigentümers geht gar nichts.
- Denkmalschutz: Bei denkmalgeschützten Gebäuden ist die Sichtbarkeit vom öffentlichen Raum das entscheidende Kriterium. Fragen Sie vorher bei der Unteren Denkmalschutzbehörde.
- Nachbarn: Reden Sie vorher. Ein Schallgutachten kostet 500 bis 1.500 € und ist deutlich billiger als ein Rechtsstreit, an dessen Ende der Rückbau steht.
Vorteile und Nachteile
✓ Vorteile
- Nutzt eine Fläche, die sonst brachliegt, ideal bei engen Grundstücken und Reihenhäusern
- Größerer Abstand zu Nachbarfenstern, dadurch niedrigerer Schalldruckpegel beim Nachbarn
- Kein Verlust von Garten- oder Stellfläche
- Bei Mehrfamilienhäusern oft die einzige realistische Aufstellungsvariante
- Freie Anströmung ohne Hecken, Zäune und Kurzschlussströmung
- Kein Vandalismusrisiko, weil das Gerät nicht zugänglich ist
✕ Nachteile
- Aufpreis von 3.000 bis 9.000 € gegenüber der Bodenaufstellung
- Körperschall über die Dachdecke kann in den Räumen darunter als Brummen ankommen
- Statischer Nachweis zwingend, bei Steildächern praktisch nicht umsetzbar
- Wartung nur mit Absturzsicherung, Fachbetriebe berechnen Zuschläge
- Windlast an Dachrändern verlangt Abstand und ballastierte Konstruktion
- Kondensat- und Frostschutz sind auf dem Dach anspruchsvoller als am Boden
- Bei Eigentümergemeinschaften ist ein Beschluss nötig, das Dach ist Gemeinschaftseigentum
Fazit
Wärmepumpe auf dem Dach: gute Notlösung, keine Standardlösung
Wo kein Platz auf dem Grundstück ist, ist die Wärmepumpe aufs Dach eine saubere Lösung. Sie steht und fällt mit Statik und Körperschallentkopplung. Wer im Garten aufstellen kann, sollte das tun.
Planen Sie in dieser Reihenfolge: Statik prüfen lassen, Monoblock-Gerät mit niedriger Schallleistung wählen, Federelemente zur Entkopplung einplanen, Rohrleitungen flexibel anbinden, Kondensat frostsicher ableiten, Blitzschutz einbinden. Wer einen dieser Schritte auslässt, spart am falschen Ende: Ein tieffrequentes Brummen im Schlafzimmer bekommen Sie nachträglich nur mit erheblichem Aufwand wieder heraus.
Weiterführende Links und Quellen
- Monoblock-Wärmepumpe, Wärmepumpe 12 kW, Wärmepumpe 10 kW, Schallschutzhaube Wärmepumpe, R290 Wärmepumpe
- Umweltbundesamt, Geräusche von Luft-Wärmepumpen und TA Lärm
- BAFA, Vorgaben der Bundesförderung für effiziente Gebäude
- Unsere Methodik, wie wir bewerten und worauf wir uns stützen
Häufige Fragen
Kann man eine Wärmepumpe auf dem Dach aufstellen?
Ja, technisch ist eine Wärmepumpe auf dem Dach möglich und bei Flachdächern, Mehrfamilienhäusern und engen Grundstücken auch üblich. Voraussetzung sind ein statischer Nachweis für das Zusatzgewicht von 150 bis 450 kg samt Aufständerung, eine wirksame Körperschallentkopplung, ein frostsicherer Kondensatablauf und die Einbindung in den Blitzschutz. Auf einem Steildach mit Ziegeln ist die Aufstellung dagegen kaum sinnvoll.
Ist eine Wärmepumpe auf dem Dach zu laut?
Der Luftschall ist derselbe wie bei Bodenaufstellung, meist 50 bis 62 dB(A) Schallleistung. Kritisch ist der Körperschall: Die Schwingungen des Verdichters wandern über die Aufständerung in die Dachdecke und werden im Raum darunter als tieffrequentes Brummen wahrgenommen. Wer die Wärmepumpe auf Dach zu laut findet, hat fast immer ein Körperschallproblem, kein Luftschallproblem.
Was kostet eine Wärmepumpe auf dem Dach zusätzlich?
Rechnen Sie mit 3.000 bis 9.000 € Aufpreis gegenüber der Bodenaufstellung. Darin enthalten sind der statische Nachweis (600 bis 1.500 €), die Aufständerung mit Lastverteilern (800 bis 3.000 €), Schwingungsdämpfer, längere hydraulische Leitungen mit Dämmung, der Kran- oder Hubsteigereinsatz (500 bis 1.500 €) und die Anpassung des Blitzschutzes.
Welche Wärmepumpe eignet sich für das Dach?
Für die Dach-Wärmepumpe kommen praktisch nur Monoblock-Geräte infrage, weil sie den gesamten Kältekreis im Gehäuse haben und lediglich zwei wassergeführte Leitungen zum Haus benötigen. Split-Geräte müssten Kältemittelleitungen über das Dach führen, was Kälteschein, Dichtheitsprüfung und größere Leitungslängen bedeutet. Achten Sie zusätzlich auf niedrige Schallleistung und einen Nachtmodus.
Trägt ein normales Flachdach eine Wärmepumpe?
Das entscheidet die Statik, nicht das Gefühl. Ein Gerät der 10 bis 14 kW Klasse wiegt 150 bis 300 kg, mit Rahmen und Ballast kommen schnell 400 kg zusammen. Diese Last darf nicht punktuell auf die Dämmung wirken, sondern muss über Lastverteilungsplatten oder eine Stahlkonstruktion in tragende Wände oder Unterzüge eingeleitet werden. Ein Statiker prüft das vor der Bestellung, nicht danach.
Was ist besser: Wärmepumpe auf dem Dach oder im Garten?
Wenn Platz auf dem Grundstück vorhanden ist, ist die Bodenaufstellung fast immer besser: günstiger, wartungsfreundlicher, kein Körperschall in die Wohnräume, kürzere Leitungen. Die Wärmepumpe auf Dach ist die Lösung für Fälle, in denen es keine Alternative gibt, etwa bei Reihenhäusern ohne Abstandsfläche oder bei Mehrfamilienhäusern in dichter Bebauung.
Kann die Wärmepumpe unter dem Dach im Dachgeschoss stehen?
Eine Wärmepumpe unter Dach ist als Luft-Wasser-Gerät in Innenaufstellung möglich, verlangt aber zwei Luftkanäle mit rund 60 bis 80 cm Durchmesser für Zu- und Abluft, dazu Wanddurchbrüche und eine Schallschutzkabine. Der Platzbedarf liegt bei 3 bis 5 m². In der Praxis lohnt sich das nur, wenn außen wirklich nichts geht. Sinnvoller ist im Dachgeschoss meist nur die Innenhydraulik samt Speicher.
Muss ich die Wärmepumpe auf dem Dach in den Blitzschutz einbinden?
Wenn das Gebäude eine Blitzschutzanlage hat, ja. Ein Metallgehäuse auf dem Dach ist ein exponiertes Bauteil und muss entweder im Schutzbereich einer Fangeinrichtung liegen oder mit dem Trennungsabstand nach Norm angeordnet werden. Zusätzlich gehört ein Überspannungsschutz in die Zuleitung, sonst ist die Elektronik der Wärmepumpe das erste, was ein Einschlag in der Nähe zerstört.