WÄRMEPUMPE

Wärmepumpe auf dem Dachboden: wann die Innenaufstellung unter dem Dach funktioniert

Dachfläche mit Lüftungsdurchführungen für eine innen aufgestellte Wärmepumpe
Auf dem Dachboden entscheidet die Luftführung über den Erfolg, nicht das Gerät, Foto: Pexels

Eine Wärmepumpe auf dem Dachboden klingt nach der eleganten Lösung: kein Gerät im Garten, kein Streit mit dem Nachbarn über Geräusche, kurze Wege zum Schornsteinschacht, in dem bisher die Gastherme hing. In der Praxis verschiebt die Aufstellung unter dem Dach die Probleme nur an eine andere Stelle. Sie tauschen den Platzbedarf im Garten gegen zwei große Luftkanäle, gegen Tauwasser in einem unbeheizten Raum und gegen Körperschall, der direkt über der Schlafzimmerdecke entsteht.

Dieser Ratgeber rechnet die vier Punkte durch, an denen Dachbodenprojekte tatsächlich scheitern: Luftvolumenstrom und Kanalquerschnitt, die Führung von Zu- und Abluft über Dach oder Giebel, Kondensat im kalten Dachraum und die Statik der Decke. Danach ziehen wir die Abgrenzung zur Keller- und zur Außenaufstellung und sagen offen, in welchen Fällen der Dachboden die schlechtere Wahl ist.

Dachboden, Keller oder außen: die Aufstellorte im Vergleich

Eine Wärmepumpe im Dachboden ist keine eigene Gerätegattung, sondern eine Innenaufstellung an einem ungewöhnlichen Ort. Das Gerät steht im Dachraum und saugt Außenluft über einen Kanal an, die abgekühlte Luft geht über einen zweiten Kanal wieder hinaus. Alles, was die Aufstellung schwierig macht, hängt an diesen beiden Kanälen und an der Tatsache, dass der Dachraum unbeheizt und die Decke darunter meist leicht ist.

AufstellortVorteileNachteileTypischer Mehraufwand
Außenaufstellung, Monoblockkeine Kanäle, kein Kältemittel im Haus, geringster MontageaufwandSchallabstand zum Nachbarn, Platz im Garten, OptikFundament 300 bis 800 Euro
Dachboden, Innenaufstellungkein Gerät im Garten, kurze Wege zum vorhandenen Heizungsstandortzwei Dachdurchdringungen, Kondensat im Kaltraum, Körperschall, StatikKanäle und Durchbrüche 2.000 bis 5.000 Euro
Keller, Innenaufstellungmassive Decke, Kondensat nahe am Abwasseranschluss, frostfreiKanäle durch die Kellerwand, Platzbedarf, Kurzschlussströmung am SockelKernbohrungen 800 bis 2.000 Euro
Split, Außen- und Innenteilkleiner Luftbedarf innen, keine großen KanäleKältemittelleitung ins Haus, Dichtheitsprüfung nach F-Gase-VerordnungLeitungsführung 500 bis 1.500 Euro
Erdreich, Sole-Wasserhöchste Jahresarbeitszahl, kein LuftschallBohrgenehmigung, hohe Investition, Grundstück nötigBohrung 8.000 bis 15.000 Euro

Der ehrliche Befund vorweg: In den meisten Bestandsgebäuden ist die Außenaufstellung als Monoblock-Wärmepumpe günstiger und einfacher. Der Dachboden wird interessant, wenn kein Garten zur Verfügung steht, der Keller feucht oder zu niedrig ist oder die Abstandsflächen zum Nachbargrundstück eine Außenaufstellung praktisch ausschließen. Dann ist der Dachraum eine ernsthafte Option, aber eine, die sauber geplant werden muss.

Luftvolumenstrom und Kanalquerschnitt je kW

Das ist die Rechnung, an der die meisten Dachbodenprojekte kippen. Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe entzieht der Außenluft Wärme, indem sie sie um etwa 4 bis 6 Kelvin abkühlt. Damit ein Gerät Wärme im zweistelligen Kilowattbereich liefert, muss es entsprechend viel Luft bewegen.

Als belastbarer Faustwert gelten rund 300 m³/h je kW Heizleistung. Der zweite Wert ist die Strömungsgeschwindigkeit im Kanal: Über etwa 3 m/s steigen Druckverlust und Strömungsgeräusch so stark an, dass die Anlage laut und ineffizient wird. Aus beidem folgt der Querschnitt.

HeizleistungLuftvolumenstromQuerschnitt bei 3 m/sRunder KanalRechteckkanal
4 kW1.200 m³/h0,11 m²DN 400400 x 300 mm
6 kW1.800 m³/h0,17 m²DN 450500 x 350 mm
8 kW2.400 m³/h0,22 m²DN 550600 x 400 mm
10 kW3.000 m³/h0,28 m²DN 600700 x 400 mm
12 kW3.600 m³/h0,33 m²DN 650800 x 450 mm

Diese Querschnitte gelten je Kanal, und Sie brauchen zwei davon. Ein 10-kW-Gerät verlangt also zwei Öffnungen von je rund 0,28 m² durch die Dachhaut oder den Giebel. Das ist der Punkt, an dem viele Bauherren zum ersten Mal begreifen, worauf sie sich einlassen: Zwei Löcher von jeweils 60 cm Durchmesser in einem gedämmten Dach sind kein Nebenschauplatz, sondern die eigentliche Baumaßnahme.

Druckverlust ist die eigentliche Währung

Der Ventilator eines Innenaufstellungsgeräts bringt eine begrenzte externe Pressung mit, je nach Baureihe etwa 50 bis 150 Pa. Jeder Meter Kanal, jeder Bogen und jedes Wetterschutzgitter zehrt davon. Grobe Anhaltswerte für die Planung:

  • Gerader Kanal: rund 0,5 bis 1,5 Pa je Meter bei 3 m/s.
  • 90-Grad-Bogen mit großem Radius: etwa 5 bis 15 Pa je Stück.
  • Wetterschutzgitter mit Insektenschutz: 15 bis 40 Pa, abhängig vom freien Querschnitt.
  • Schalldämpferstrecke: 20 bis 60 Pa, je nach Länge und geforderter Dämpfung.

Als Orientierung: Rund 100 Pa zusätzlicher Druckverlust kosten je nach Ventilatorkennlinie ungefähr 2 bis 5 Prozent der Jahresarbeitszahl. Wer den Kanal über halbe Dachlänge legt und vier Bögen einbaut, verschenkt spürbar Effizienz. Halten Sie die Kanäle kurz und gerade, auch wenn das Gerät dadurch an einer weniger bequemen Stelle steht.

Zu- und Abluftführung über Dach oder Giebel

Für die Durchdringung gibt es zwei Wege, und sie unterscheiden sich in Aufwand, Optik und Risiko deutlich.

Führung über die Dachfläche

Die Kanäle gehen senkrecht durch die Sparrenlage nach oben und enden in Dachhauben. Das ist strömungstechnisch die kürzeste Lösung, verlangt aber je Durchdringung eine dichte Anschlussmanschette in der Dampfsperre, eine sauber eingebundene Unterspannbahn und eine regensichere Haube. Bei Ziegeldeckung sind Formstücke nötig, bei Blech- oder Bitumendächern Anschlussflansche. Fehler an dieser Stelle führen nicht zu schlechter Effizienz, sondern zu Feuchteschäden im Dachaufbau.

Führung über den Giebel

Zwei Kernbohrungen oder Aussparungen im Giebelmauerwerk sind meist die robustere Variante: senkrechte Wand, definierter Wetterschutz, kein Eingriff in die Dachhaut. Der Preis ist eine längere waagerechte Kanalstrecke im Dachraum und die Frage, wohin die kalte Abluft geht.

KriteriumÜber die DachflächeÜber den Giebel
Kanallänge im Dachraumkurz, oft unter 2 mlänger, 3 bis 8 m
Eingriff in die Dichtebenehoch, Dampfsperre und Unterspannbahngering, reines Mauerwerk
Risiko für Feuchteschädendeutlich höhergering bei fachgerechter Bohrung
Optik von der StraßeHauben in der Dachfläche sichtbarGitter im Giebel, oft unauffälliger
Abstand Zuluft zu Abluft2,5 bis 3 m oder gegenüberliegende Dachseiten2,5 bis 3 m seitlich versetzt
Denkmalschutzfast immer kritischeher genehmigungsfähig

Der wichtigste Punkt in beiden Varianten ist der Abstand zwischen Ansaug- und Ausblasöffnung. Die Abluft ist um 4 bis 6 Kelvin kälter als die Umgebung. Saugt das Gerät sie teilweise wieder an, sinkt die Verdampfungstemperatur, die Leistungszahl fällt und die Anlage vereist früher. Halten Sie mindestens 2,5 bis 3 m Abstand ein oder legen Sie die Öffnungen auf gegenüberliegende Gebäudeseiten. Ein Ausblasen in Windrichtung des Ansaugpunkts ist die schlechteste aller Anordnungen.

Zeigt eine Öffnung zum Nachbargrundstück, ist die TA Lärm der Maßstab: In allgemeinen Wohngebieten gilt am maßgeblichen Immissionsort nachts ein Richtwert von 35 dB(A). Ein Ausblasgitter ist eine gerichtete Schallquelle, und ein Schalldämpfer in der Kanalstrecke ist dort meist Pflicht. Wie stark solche Maßnahmen wirken, zeigt unser Ratgeber zur Schallschutzhaube für Wärmepumpen.

Technikraum mit Rohrleitungen und Wandanschlüssen
Im Keller liegt der Kondensatablauf am Abwasseranschluss, auf dem Dachboden muss er erst dorthin geführt werden, Foto: Pexels

Kondensat und Tauwasser im kalten Dachraum

Jede Luft-Wärmepumpe erzeugt Kondensat, weil sie die angesaugte Luft unter deren Taupunkt abkühlt. Im Garten versickert das Wasser in einem Kiesbett. Auf dem Dachboden steht es zunächst in einer Wanne, zehn Meter über dem nächsten Abwasseranschluss und in einem Raum, der im Winter Außentemperatur hat.

AußenluftRelative FeuchteKondensat bei 8 kWHinweis
12 °C80 %rund 0,5 bis 1,0 l/hÜbergangszeit, moderate Menge
5 °C90 %rund 1,0 bis 2,0 l/hungünstigster Bereich, 10 bis 30 l am Tag
2 °C90 %schubweiseReifbildung, Wasser kommt beim Abtauen stoßweise
-5 °C85 %unter 0,3 l/hkalte Luft trägt wenig Wasser
-10 °C85 %geringMenge klein, aber Frostgefahr in der Leitung maximal

Aus diesen Zahlen folgen vier harte Anforderungen an die Ableitung:

  • Gefälle: durchgehend mindestens 1 Prozent, besser 2 Prozent. Ein einziger Gegenanstieg im Dachraum sammelt Wasser, das dort gefriert und die Leitung verschließt.
  • Frostsicherheit: Die Leitung muss so schnell wie möglich unter die Dämmebene, also in den warmen Bereich. Wo das nicht geht, ist ein selbstregelndes Heizband erforderlich, typisch 10 bis 15 W je Meter.
  • Geruchverschluss: Der Anschluss an die Hausentwässerung braucht einen Siphon. Ohne ihn steht Kanalgeruch im Dachraum.
  • Notüberlauf: Eine dichte Auffangwanne unter dem Gerät mit Leckagesensor kostet wenig und verhindert, dass ein verstopfter Ablauf die Zimmerdecke ruiniert.

Tauwasser an den Kanälen ist das zweite Problem

Im Winter führen beide Kanäle kalte Luft durch einen Dachraum, dessen Luft je nach Dichtheit der Geschossdecke feuchter ist als draußen. Auf der Kanalaußenseite fällt dann Tauwasser an, genau wie an einer kalten Wasserleitung im Sommer. DIN 4108-3 behandelt diesen Fall als Tauwasserschutz: Die Kanäle brauchen eine geschlossenzellige, diffusionsdichte Dämmung mit sauber verklebten Stößen, üblich sind 19 bis 32 mm. Eine offenzellige Mineralwolldämmung ohne dichte Kaschierung ist hier der klassische Planungsfehler, sie saugt sich voll und tropft.

Ebenso wichtig ist die Luftdichtheit der Geschossdecke. Jede undichte Durchführung transportiert feuchtwarme Raumluft in den Dachraum, wo sie an Kanälen, Sparren und Unterspannbahn kondensiert. Wer die Wärmepumpe nach oben stellt, sollte die Decke bei dieser Gelegenheit dicht bekommen.

Körperschall in die Decke und Schallschutz

Bei der Außenaufstellung ist Luftschall das Thema, weil der Nachbar zuhört. Auf dem Dachboden dreht sich das um: Der Luftschall bleibt weitgehend im Dachraum, aber der Verdichter regt die Decke an, und die überträgt die Schwingung als Körperschall direkt in die darunterliegenden Räume. Typischerweise liegt darunter ein Schlafzimmer.

Maßgeblich ist DIN 4109-1: Geräusche aus haustechnischen Anlagen dürfen in fremden schutzbedürftigen Räumen 30 dB(A) nicht überschreiten. Im eigenen Haus gilt das rechtlich nicht, wohnpraktisch aber genauso. Kritisch sind die tiefen Frequenzen des Verdichters zwischen etwa 30 und 120 Hz, die von leichten Holzbalkendecken schlecht gedämmt werden.

MaßnahmeWirkungAufwand
Schwingungsdämpfer unter dem Gerät, auf die Gerätemasse abgestimmthoch, entkoppelt die Hauptquellegering, gehört zum Standard
Massive Lastverteilungsplatte, Beton- oder Stahlplattehoch, senkt Anregung und verteilt die Lastmittel, muss statisch passen
Flexible Anschlüsse an Heizungsrohrenhoch, Rohre leiten Körperschall exzellentgering
Kanalmanschetten aus Gewebe statt starrer Verschraubungmittel bis hochgering
Schalldämpfer in Zu- und Abluftkanalmittel, wirkt auf Luftschall nach außenmittel, kostet Druckverlust
Aufstellung über Fluren statt über Schlafräumenhoch, kostet nichtsnur Planung
Betrieb mit Nachtabsenkung der Verdichterdrehzahlmittel, senkt Pegel in der kritischen ZeitReglereinstellung

Die billigste und wirksamste Maßnahme steht in der vorletzten Zeile: Wählen Sie die Aufstellfläche über einem Flur, einem Bad oder einem Abstellraum, nie über dem Kopfende eines Bettes. Nachträglich lässt sich diese Entscheidung nicht mehr korrigieren, während Schwingungsdämpfer und flexible Anschlüsse jederzeit nachrüstbar sind. Wer noch grundsätzlich zwischen Standorten abwägt, findet in unserem Beitrag zur Wärmepumpe auf dem Dach die Variante mit dem Gerät außen auf der Dachfläche.

Statik, Aufstellfläche und Zugänglichkeit

Ein Innenaufstellungsgerät im Bereich 8 bis 12 kW wiegt leer meist 120 bis 250 kg. Kommt ein integrierter oder danebenstehender Speicher dazu, wird es schnell erheblich schwerer, denn 200 Liter Wasser sind allein 200 kg.

KomponenteMasseStellflächeFlächenlast
Innengerät 8 bis 12 kW, ohne Speicher120 bis 250 kgrund 0,45 m²2,7 bis 5,5 kN/m²
Innengerät mit 200-l-Speicher, gefülltbis 450 kgrund 0,60 m²rund 7,4 kN/m²
Separater Pufferspeicher 300 l, gefülltrund 380 kgrund 0,45 m²rund 8,3 kN/m²
Zulässig, nicht ausgebauter DachraumBemessungswertje m²1,0 kN/m² nach DIN EN 1991-1-1
Zulässig, WohnraumBemessungswertje m²2,0 kN/m² nach DIN EN 1991-1-1

Die Zahlen sagen alles: Die Punktlast liegt um den Faktor drei bis acht über der Regelbelastung eines nicht ausgebauten Dachraums. Das heißt nicht automatisch, dass die Decke bricht, denn Bemessungswerte enthalten Reserven und die Last verteilt sich über eine Lastverteilungsplatte auf mehrere Balken. Es heißt aber, dass ein Tragwerksplaner die Decke ansehen muss, bevor irgendetwas bestellt wird. Bei Massivdecken aus Stahlbeton ist die Sache meist unkritisch, bei Holzbalkendecken aus der Vorkriegszeit häufig nicht.

Zugänglichkeit wird regelmäßig unterschätzt

Ein Gerät, das nicht hinaufkommt, hilft niemandem. Prüfen Sie vor der Planung drei Maße: die lichte Breite der Treppe, die Öffnung in der Geschossdecke und die Stehhöhe am Aufstellort. Eine klappbare Bodentreppe ist für Geräte über etwa 80 kg praktisch unbrauchbar, ebenso für jeden späteren Austausch. Sinnvoll sind eine feste Treppe oder eine Montageöffnung im Giebel, über die per Kran oder Aufzug eingebracht wird.

Für den laufenden Betrieb planen Sie 0,6 bis 1,0 m freien Bedienabstand vor der Wartungsseite und mindestens 0,3 m an den übrigen Seiten. Dazu kommt ein tragfähiger, ebener Laufweg vom Treppenaufgang zum Gerät. Ein Techniker, der über Dämmwolle und Balken balancieren muss, arbeitet weder schnell noch sorgfältig. Ein Stromanschluss mit Steckdose und Licht am Aufstellort gehören ebenfalls dazu, ebenso wie die Anmeldung der Anlage beim Netzbetreiber, die wir in Muss eine Wärmepumpe angemeldet werden im Detail beschreiben.

Mindestraumvolumen bei R290 nach EN 378

Moderne Wärmepumpen arbeiten überwiegend mit Propan, also R290. Das ist thermodynamisch hervorragend und von der F-Gase-Verordnung unbelastet, aber brennbar, Sicherheitsgruppe A3. Sobald das Kältemittel im Gebäude steht statt im Garten, wird die Füllmenge im Verhältnis zum Raumvolumen zur Planungsgröße. EN 378 regelt diesen Zusammenhang.

Als praktische Grenzkonzentration für R290 gilt 0,008 kg je m³ Raumluft. Daraus ergibt sich unmittelbar das erforderliche Mindestraumvolumen.

Füllmenge R290MindestraumvolumenEntspricht Grundfläche bei 2,4 m HöheBewertung Dachraum
0,3 kgrund 38 m³rund 16 m²fast immer erfüllbar
0,5 kgrund 63 m³rund 26 m²meist erfüllbar
0,9 kgrund 113 m³rund 47 m²üblicher Fall, prüfen
1,2 kgrund 150 m³rund 63 m²oft knapp im Spitzboden
1,8 kgrund 225 m³rund 94 m²selten ohne Zusatzmaßnahmen möglich

Ein typischer Dachraum mit 60 m² Grundfläche und 2,4 m mittlerer Höhe kommt auf etwa 144 m³. Ein Gerät mit 0,9 kg Füllung passt damit, eines mit 1,8 kg nicht. Rechnen Sie beim Schrägdach ehrlich: Nutzbar ist das Volumen, nicht die Grundfläche mal Firsthöhe. Wo die Menge nicht passt, bleiben drei Wege: ein kleineres Gerät, eine Ausführung mit hermetisch getrenntem Kältekreis oder eine technische Lüftung des Aufstellraums. Welcher Weg zulässig ist, entscheidet der Fachbetrieb anhand der konkreten Aufstellart. Die Grundlagen zum Kältemittel selbst haben wir in der R290-Wärmepumpe zusammengefasst.

Hinweis: Wir nennen bewusst keine Modellnummern und keine Produktpreise. Die verbindliche Bewertung von Füllmenge, Aufstellraum und Lüftung nach EN 378 gehört in die Hand eines Kälte- oder Heizungsfachbetriebs, nicht in einen Ratgeber.

Gastherme auf dem Dachboden durch eine Wärmepumpe ersetzen

Sehr viele Anfragen zur Wärmepumpe auf dem Dachboden kommen aus genau dieser Situation: Im Dachraum hängt eine Gastherme, sie ist alt, und das Gebäudeenergiegesetz verlangt bei einem Heizungstausch grundsätzlich 65 Prozent erneuerbare Energien. Der Gedanke, das neue Gerät einfach an denselben Platz zu stellen, liegt nahe. Er trägt aber nur zum Teil.

ElementGasthermeWärmepumpe, InnenaufstellungÜbernehmbar?
LuftführungAbgasrohr, 80 bis 125 mmzwei Kanäle, je 400 bis 650 mmnein, Faktor 10 im Querschnitt
Aufstellort und FlächeWandgerät, unter 0,5 m²Standgerät, 0,5 bis 1,2 m²Ort meist ja, Fläche prüfen
Gewicht30 bis 50 kg an der Wand120 bis 450 kg auf der Deckenein, Statik neu bewerten
Vorlauftemperatur60 bis 75 °C35 bis 55 °C sinnvollnur mit Heizflächenprüfung
Verteilleitungen im Hausvorhandengrößerer Volumenstrom nötigteilweise, Querschnitte prüfen
Kondensatablaufvorhanden, Brennwertgerätdeutlich größere Mengeoft ja, Dimension prüfen
Elektroanschluss230 V400 V, eigener Stromkreisnein, neue Zuleitung

Der entscheidende Satz steht in der ersten Zeile: Der Schornstein- oder Abgasschacht der Therme ist um Größenordnungen zu klein und lässt sich nicht aufweiten. Sie brauchen zwei neue Durchbrüche, unabhängig davon, wie gut der alte Standort sonst passt. Was Sie tatsächlich erben, sind Aufstellort, Kondensatanschluss und ein Teil der Verteilleitungen.

Der zweite kritische Punkt ist die Vorlauftemperatur. Eine Therme fährt 60 bis 75 Grad Celsius, eine Wärmepumpe arbeitet wirtschaftlich zwischen 35 und 55 Grad Celsius. Jedes Kelvin mehr kostet grob 2 bis 3 Prozent Effizienz. Vor der Bestellung gehört deshalb ein raumweiser Heizlastabgleich auf den Tisch, kein Pauschalwert. Auch ohne Fußbodenheizung ist das machbar, wie wir in Wärmepumpe ohne Fußbodenheizung zeigen. In vielen Fällen ist zusätzlich ein Pufferspeicher sinnvoll, damit Abtauzyklen und Taktung nicht aus dem Ruder laufen.

Kosten, Förderung und was der Dachboden zusätzlich kostet

Die Anlagenkosten unterscheiden sich zwischen Innen- und Außenaufstellung weniger stark als oft angenommen. Der Unterschied steckt in den Bauarbeiten.

  • Luft-Wasser-Wärmepumpe zur Innenaufstellung, 8 bis 12 kW, Gerät und Montage: grob 9.000 bis 16.000 Euro als Kategoriebereich.
  • Kanäle, Dämmung, Schalldämpfer und zwei Durchdringungen: 2.000 bis 5.000 Euro, bei Ziegeldach am oberen Ende.
  • Statische Prüfung und Lastverteilung: 500 bis 2.500 Euro, bei Ertüchtigung der Balkenlage mehr.
  • Kondensatleitung mit Heizband, Siphon und Auffangwanne: 300 bis 900 Euro.
  • Elektrozuleitung 400 V bis unters Dach: 500 bis 1.500 Euro, abhängig von der Leitungslänge.

Auf der Habenseite steht die Bundesförderung für effiziente Gebäude. Im Bereich der Einzelmaßnahmen sind eine Grundförderung von 30 Prozent, ein Effizienzbonus von 5 Prozent für Anlagen mit natürlichem Kältemittel wie R290, ein Klimageschwindigkeitsbonus für den frühzeitigen Austausch einer fossilen Heizung und ein einkommensabhängiger Bonus kombinierbar. Der Fördersatz ist auf 70 Prozent gedeckelt, die förderfähigen Kosten bei einem Einfamilienhaus auf 30.000 Euro. Bauliche Nebenkosten wie Durchbrüche und Kanalarbeiten sind im Rahmen der Umfeldmaßnahmen grundsätzlich förderfähig, was den Dachboden gegenüber der Außenaufstellung deutlich entlastet. Prüfen Sie die aktuellen Bedingungen vor Auftragsvergabe, die Konditionen werden regelmäßig angepasst.

Typische Fehler

1. Ein Außengerät in den Dachraum stellen

Monoblock-Geräte für die Außenaufstellung haben keine Kanalanschlüsse und einen Ventilator mit nahezu keiner externen Pressung. Angeschlossen an einen Kanal fällt der Volumenstrom drastisch, die Anlage vereist und schaltet auf Störung. Für die Innenaufstellung gibt es eigene Baureihen, alles andere ist ein Garantiefall ohne Garantie.

2. Die Kanäle zu klein dimensionieren

Weil zwei Öffnungen von 60 cm Durchmesser im Dach unangenehm aussehen, wird gern auf DN 400 reduziert. Bei 3.000 m³/h steigt die Geschwindigkeit damit auf über 6 m/s, der Druckverlust vervierfacht sich näherungsweise mit dem Quadrat der Geschwindigkeit, und im ganzen Haus ist ein Rauschen zu hören. Der Querschnitt ist keine Verhandlungsmasse.

3. Die Kondensatleitung im Kaltbereich enden lassen

Eine Leitung, die im Dachraum waagerecht über zwei Meter läuft, friert im ersten harten Frost zu. Danach läuft das Wasser über die Wanne in die Dämmung und von dort an die Zimmerdecke. Die Leitung gehört mit Gefälle so schnell wie möglich unter die Dämmebene, sonst braucht sie ein Heizband.

4. Zu- und Abluft nebeneinander setzen

Liegen beide Öffnungen einen Meter auseinander, saugt das Gerät seine eigene, um 4 bis 6 Kelvin abgekühlte Abluft wieder an. Der thermische Kurzschluss senkt die Leistungszahl über die ganze Heizperiode und lässt die Anlage bei Außentemperaturen um null Grad Celsius dauernd abtauen. Mindestens 2,5 bis 3 m Abstand, besser gegenüberliegende Gebäudeseiten.

Vorteile und Nachteile

✓ Vorteile

  • Kein Gerät im Garten, keine Abstandsflächendiskussion und kein sichtbarer Aufstellplatz auf dem Grundstück
  • Der Aufstellort einer alten Gastherme im Dachraum lässt sich mitsamt Kondensatanschluss und einem Teil der Verteilleitungen weiternutzen
  • Verdichter und Ventilator stehen im Gebäude, der Luftschall nach außen ist deutlich geringer als bei einem Außengerät
  • Kein Frostrisiko für den wasserführenden Teil und keine Witterungsbelastung der Elektronik
  • Bauliche Nebenkosten wie Durchbrüche und Kanäle sind als Umfeldmaßnahmen der BEG grundsätzlich förderfähig

✕ Nachteile

  • Zwei Durchdringungen von 400 bis 650 mm durch Dachhaut oder Giebel, mit dem entsprechenden Risiko für den Feuchteschutz
  • Kondensat von 10 bis 30 Litern am Tag muss frostsicher und mit Gefälle aus einem unbeheizten Raum abgeführt werden
  • Körperschall über die Decke trifft direkt die darunterliegenden Wohn- und Schlafräume
  • Punktlasten bis über 7 kN/m² auf einer Decke, die als nicht ausgebauter Dachraum nur für 1,0 kN/m² bemessen ist
  • Druckverlust in den Kanälen kostet Jahresarbeitszahl, und Transport wie Wartung sind über eine Bodentreppe kaum machbar

Fazit

🏆 Für Sonderfälle empfehlenswert

Wärmepumpe auf dem Dachboden: machbar, aber nur als geplante Lösung

3.4/ 5

Die Innenaufstellung im Dachraum funktioniert, wenn Kanalquerschnitt, Kondensatableitung, Körperschallentkopplung und Statik vor der Gerätebestellung geklärt sind. Wer nur den Platz der alten Gastherme weiternutzen will, unterschätzt den Aufwand: Zwei Öffnungen von 400 bis 650 mm ersetzen kein Abgasrohr von 100 mm.

Wo Garten oder trockener Keller zur Verfügung stehen, ist die Außen- oder Kelleraufstellung in aller Regel günstiger, effizienter und einfacher zu warten. Der Dachboden ist die richtige Wahl in Reihenhäusern ohne Freifläche, bei feuchten oder zu niedrigen Kellern und dort, wo die Abstandsflächen eine Außenaufstellung ausschließen. Lassen Sie in diesem Fall die Statik prüfen, planen Sie die Kanäle kurz und gerade und stellen Sie das Gerät niemals über ein Schlafzimmer.

Weiterführende Links und Quellen

Häufige Fragen

Kann man eine Wärmepumpe auf dem Dachboden aufstellen?

Ja, technisch ist das möglich, aber nur mit einem Gerät, das der Hersteller ausdrücklich für die Innenaufstellung freigibt. Nötig sind zwei große Luftkanäle nach außen, ein tragfähiger Untergrund, eine frostsichere Kondensatableitung und eine körperschallentkoppelte Aufstellung. Ein Außengerät lässt sich nicht einfach in den Dachraum stellen, es hat weder die passenden Kanalanschlüsse noch die nötige Pressung im Ventilator.

Wie groß müssen die Luftkanäle für eine Wärmepumpe im Dachboden sein?

Rechnen Sie mit rund 300 m³/h Luftvolumenstrom je kW Heizleistung und begrenzen Sie die Strömungsgeschwindigkeit im Kanal auf 3 m/s. Ein 8-kW-Gerät braucht damit etwa 2.400 m³/h und je Kanal rund 0,22 m² freien Querschnitt, also etwa DN 550. Zu- und Abluft benötigen jeweils einen eigenen Kanal, zusammen also zwei Durchdringungen der Dachhaut.

Was passiert mit dem Kondensat auf dem Dachboden?

Die Wärmepumpe kühlt Außenluft unter deren Taupunkt ab, dabei fällt Wasser an. Bei 8 kW Heizleistung und feuchter Witterung um 5 Grad Celsius sind 10 bis 30 Liter am Tag realistisch, dazu kommt Abtauwasser. Die Leitung braucht durchgehendes Gefälle von mindestens 1 Prozent, muss unterhalb der Dämmebene frostfrei geführt werden und darf nicht in einem offenen Eimer enden.

Wie laut ist eine Wärmepumpe auf dem Dachboden im Haus?

Der Luftschall bleibt meist unauffällig, das Problem ist Körperschall. Verdichter und Ventilator regen die Decke an, die Schwingung wandert in die Räume darunter. DIN 4109-1 begrenzt Geräusche aus haustechnischen Anlagen in fremden schutzbedürftigen Räumen auf 30 dB(A). Erreichen lässt sich das nur mit Schwingungsdämpfern, einer massiven Lastverteilungsplatte und flexiblen Anschlüssen an allen Rohren und Kanälen.

Trägt eine Holzbalkendecke eine Wärmepumpe im Dachboden?

Nicht ohne Prüfung. Ein Innengerät mit 200-Liter-Speicher wiegt gefüllt bis 450 kg auf einer Stellfläche um 0,6 m², das sind über 7 kN/m². Ein nicht ausgebauter Dachraum ist nach DIN EN 1991-1-1 nur für 1,0 kN/m² ausgelegt. Nötig sind eine Lastverteilung über mehrere Balken oder eine statische Ertüchtigung, beides gehört in die Hand eines Tragwerksplaners.

Wie viel Raumvolumen braucht eine R290-Wärmepumpe im Dachraum?

Als praktische Grenzkonzentration für Propan gilt 0,008 kg je m³ Raumluft. Bei 0,9 kg Füllmenge ergibt das rund 113 m³ Mindestraumvolumen, bei 1,2 kg rund 150 m³. Ein Dachraum mit 60 m² Grundfläche und 2,4 m mittlerer Höhe liegt bei etwa 144 m³ und wäre damit knapp ausreichend. Die verbindliche Bewertung nach EN 378 macht der Fachbetrieb, abhängig von Aufstellart und Lüftung.

Kann ich die Gastherme auf dem Dachboden durch eine Wärmepumpe ersetzen?

Der Standort ist vererbbar, die Technik nicht. Der Schornsteinschacht der Therme ist mit rund 12 bis 20 cm Durchmesser für Wärmepumpenluft um den Faktor zehn zu klein. Sie brauchen zwei neue Durchbrüche, einen Pufferspeicher, größere Heizkreisrohre und meist größere Heizkörper. Übernehmbar sind lediglich Aufstellort, Stromanschluss und ein Teil der Verteilleitungen.

Ist die Wärmepumpe im Dachboden effizienter als draußen?

Nein, sie ist tendenziell schlechter. Die Luftkanäle erzeugen Druckverlust, den der Ventilator mit zusätzlicher Leistung ausgleichen muss. Je nach Kanallänge und Bogenzahl kosten 100 Pa zusätzliche Pressung ungefähr 2 bis 5 Prozent der Jahresarbeitszahl. Ein sauber ausgelegtes Innengerät liegt damit meist knapp unter einem vergleichbaren Außengerät.

Braucht die Wärmepumpe auf dem Dachboden eine Baugenehmigung?

Für die Anlage selbst in der Regel nicht, für die Durchdringungen der Dachhaut kann es anders aussehen. Sichtbare Gitter oder Hauben in der Dachfläche berühren die Gestaltung und damit örtliche Satzungen, im Denkmalschutz sind sie fast immer genehmigungspflichtig. Unabhängig davon ist die Wärmepumpe nach den Vorgaben des Netzbetreibers anzumelden.

Wie viel Platz muss um das Gerät herum frei bleiben?

Planen Sie neben der Stellfläche etwa 0,6 bis 1,0 m Bedienabstand vor der Wartungsseite und mindestens 0,3 m an den übrigen Seiten ein. Wichtiger ist oft der Weg dorthin: Eine Bodentreppe mit 60 cm Breite reicht nicht, um ein Gerät von 150 kg hinaufzubringen oder im Schadensfall wieder herunter. Ohne feste Treppe oder Montageöffnung ist der Dachboden ungeeignet.

Redaktion WattRatgeber Kaufberatung Haus-Energie

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